Das Marmara-Gebiet

Das Marmara-Gebeit, dass sich im Nordwesten der Türkei befindet, hat eine Fläche von 72.845 km² und nimmt 9,32% der Fläche des Landes ein. Die Region, die an das Schwarze Meer, das Marmarameer und an das Ägäische Meer grenzt, verbindet Asien mit Europa durch den Bosporus und durch die Dardanellen. Auch die sich vor den Ufern der Ägäis befindlichen Inseln Bozcaada und Gökçeada (Imroz) liegen im Gebiet der Marmararegion.

Die Einwohnerzahl der Region, die laufend Einwohner auf-grund der Binnenmigration aufnimmt, erhöhte sich 2009 nach den Ergebnissen des ADNKS auf 21,384.145, wovon 19,315.564 Einwohner in den Städten und 2,068.581 Ein-wohner in Dörfern leben.

Mit der Achse Istanbul-Bursa-Izmit bildet die Marmarare-gion ein Industriezentrum. Zu den Produkten, die in die-ser Region erzeugt werden, zählen Nahrungsmittelproduk-te, Webeprodukte, Konfektionskleidung, Zement, Papier, Petrochemieprodukte, Kraftfahrzeuge und ihre Ersatzteile

Metallprodukte, elektronische Produkte, Waggons und Schif-fe. Neben Industrie und Handel sind auch die Landwirtschaft und der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle.

Eine bevorzugte Lage erhält die Region dadurch, dass sich in ihr die kürzeste Landverbindung zwischen Europa und Asien und die Meeresverbindung zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer kreuzt. Dies hat zu einer viel-seitigen Entwicklung und Reichtum geführt. Im Verlauf der Jahrhunderte wurden hier mehrere grosse Zivilisationen heimisch, und die Region wurde mit ihren historischen Bau-ten und Naturschönheiten zu einem wichtigen kulturellen, künstlerischen und touristischen Weltzentrum.


Die Weltmetropole Istanbul: Mit ihren historischen Orten, die auf eine bis zu 8.000 Jahre alte Vergangenheit zurückblicken, mit ihren Museen, Schlössern, Mauern, Ufer-villen, natürlichen Schönheiten und religiösen Zentren ist Is-tanbul Träger eines Weltkultur- und Zivilisationserbes und eine Synthese der Toleranz. Istanbul, die “Hauptstadt von Weltreichen”, wurde 658 v.Chr. von den Megarern gegründet und trug lange Zeit den Namen “Byzanz” in Erinnerung an den megaritischen Kommandanten Byzas.

Istanbul ist sowohl hinsichtlich der Einwohnerzahl und Fläche,als auch in Hinblick auf Wirtschaft, Handel, Kapital und Kultur die grösste Stadt der Türkei. Hier befinden sich der grösste Flughafen und der grösste internationale Hafen der Türkei, die der Stadt sowohl hinsichtlich des Luftverkehrs als auch der nationalen und internationalen Schifffahrt eine Mittelpunktslage verschafft.

Die historische Halbinsel, die sich zwischen dem Marma-rameer und dem Goldenen Horn erstreckt, ist mit der Fülle ihrer Kunstwerke aus römischer, byzanthinischer und osma-nischer Zeit wie ein Freilichtmuseum.


Im Topkapi-Palast, der 400 Jahre das politische Zentrum der osmanischen Sultane war und der heute als Museum besucht werden kann, erregen weltberühmte Kunstgegen-stände und heilige Gegenstände, darunter an erster Stelle Gegenstände, die aus dem Besitz des Propheten Moham-meds oder aus seiner Zeit stammen, die Aufmerksamkeit von Besuchern aus der ganzen Welt und aus verschiedenen Kulturkreisen.

Ein weiterer prunkvoller Palast Istanbuls ist der von Sultan Abdülaziz errichtete Dolmabahçe-Palast, der von 56 Säulen umgeben ist und dessen Festsaal von einem 4,5 Tonnen schweren Kronleuchter erhellt wird. Atatürk, der Gründer der Republik Türkei, starb in diesem Palast am 10. November 1938.


Die berühmteste Moschee der ungefähr 500 Moscheen Istanbuls ist die Sultan Ahmet-Moschee. Der Sultan Ahmet- Platz, auf dem sich neben der Moschee auch ein Brunnen befindet, ist ein von allen Touristen aufgesuchter Ort. Eine andere bedeutende Moschee ist die Süleymaniye-Moschee, die vom berühmten türkischen Architekten Sinan erbaut wurde.


Die im 4. Jahrhundert in der Zeit von Kaiser Konstantin als Basilika begonnene Hagia Sophia ist das prächtigste Bau-werk aus byzanthinischer Zeit in dieser Stadt. Die 55 m hohe und 31 m breite Kuppel der Hagia Sophia ist hinsichtlich ihres Oberflächenumfangs nach der Kuppel der St. Peters-kirche in Rom, der St. Paul-Kathredale in London und des Doms zu Mailand die viertgrösste Kuppel der Welt. Unter ihnen ist jedoch die Kuppel der Hagia Sophia das älteste Bauwerk. Weitere sehenswürdige historische Werke in der Stadt sind das Kariye-Museum und die im 6. Jahrhundert für die Deckung des Wasserbedarfs der Stadt von den Byzan-tinern errichtete Yerebatan-Zisterne mit ihren 336 Säulen.

Das Archäologische Museum, das Atatürk-Museum, das Sadberk Hanim-Museum, das Mosaikenmuseum, das In-dustriemuseum, das Meeresmuseum, das Museum der tür-kischen Juden, der Mädchenturm, der Galata-Turm, die Fes-tungen Rumeli Hisari und Anadolu Hisari sowie die Stadt-mauern von Istanbul bilden weitere Beispiele für die Museen und historischen Bauwerke Istanbuls.

Einer der Haupttreffpunkte der Touristen ist der geschlos-sene Basar aus dem 15. Jahrhundert, wo sich heute 4.000 Läden befinden, in denen man Juwelen, Antiquitäten, Tep-piche, Souvenirs aus Kupfer und Silber, Leder- und Wild-lederbekleidung und Kunstarbeiten aus Holz- und Perlmutter erstehen kann. Im Ägyptischen Basar, der im 17. Jahrhundert von Hatice Sultan errichtet wurde, kann man alle Gewürzarten finden.

Istanbul ist ein modernes Einkaufszentrum. Neben den geschlossenen Einkaufszentren Carousel, Ataköy-Galleria, Akmerkez, Capitol, Carrefour-SA, Profilo, Kule und Kule Çarsi, Kanyon, Istinye-Park, Ikea und Cevahir zählen die Istiklal-, Rumeli- und Bagdat-Strassen zu den wichtigsten Einkaufsstätten.

Mit verschiedenen Kino- und Musik-Festivals, mit Theater-, Opern-, Ballett- und Konzertaufführungen, mit internatio-nalen Symposien und Kongressen zählt Istanbul zu den angesehenen Kulturzentren der Welt. Jedes Jahr kommen im Juni und Juli berühmte Künstler aus verschiedenen Teilen der Welt im Rahmen des ‘Internationalen Kultur- und Kunstfestivals’ in Istanbul zusammen.


Kilyos und Sile in der Umgebung von Istanbul sind für ihre Strände bekannte Ferienorte. Polonezköy dagegen ist ein idealer Erholungsort, in dem sich im 19. Jahrhundert pol-nische Einwanderer niederliessen und der von Wäldern um-geben ist. Der Belgrader Wald, ein Nationalpark, gilt als die Lunge Istanbuls. Hier sind das ‘Atatürk-Arboretum’ und die Aquädukte aus osmanischer Zeit sehenswert. In Silivri und Kemer gibt es weiträumige Golfplätze.

Kulturelle Entwicklungen: Der Vorschlag, Istanbul zur Kulturhauptstadt Europas zu machen, wurde am 13. No-vember 2007 auf einer Sitzung der Kulturminister der EU offiziell bestätigt. Die Stadt wird mit dem Slogan “Stadt der vier Elemente” für sich werben und wurde zusammen mit Pécs in Ungarn und Essen in Deutschland zur Kulturhaupt-stadt Europas 2010 gewählt.

Den Status eines Weltkulturerbes hatten bisher folgende Orte in der Türkei inne: Istanbul, Safranbolu, Bogazköy, Nemrut-Berg, Xanthos-Leeton, Ulu-Moschee in Divrigi, Da-rüssifasi, die antike Stätte Troja, Pamukkale und Göreme-Kappadokien.


Kocaeli, Sakarya und das Grabmal Hannibals: Der Bezirk Kocaeli gilt als ein Industriezentrum. In der Bezirks-hauptstadt Izmit, die in der römischen Zeit ‘Nicomedia’ ge-nannt wurde, sowie in ihrer Umgebung gibt es zahlreiche historische Denkmäler aus osmanischer Zeit. Die Kreisstadt Hereke ist für ihre Teppichknüpferei bekannt. Auch Gebze, das an der nördlichen Marmaraküste liegt, verfügt über eine weit zurückreichende Geschichte. Das Grab des berühmten karthagischen Feldherrn Hannibal befindet sich hier. Ein In-dustriezentrum ist auch Sakarya, auf dessen weiten Ebenen sich fruchtbare landwirtschaftliche Felder befinden.


Thrazien: Sonnenblumenfelder und Paradies der Weinstöcke: Die fruchtbaren Felder Thraziens, die den euro-päischen Teil der Türkei bilden, sind zum grössten Teil mit Sonnenblumenfeldern und Weinstöcken bedeckt.

Ein aus Europa kommender Reisender, der über Edirne, dem Tor der Türkei zum Westen, einreist, sieht zuerst die Selimiye-Moschee, ein Meisterwerk türkischer Architektur. Die traditionellen Ringkämpfe von Kirkpinar finden jedes Jahr zu Sommerbeginn auf dem ‘Sarayiçi’ genannten bewal-deten Platz statt. Tekirdag im Westen Thraziens verfügt über schöne Beispiele osmanischer Architektur sowie über weite Strände und ist für seine Weinreben und Weinfeste bekannt. Kirklareli, das über reiche natürliche und histo-rische Sehenswürdigkeiten verfügt, ist flächenmässig der grösste Bezirk im europäischen Teil der Türkei. Igneada und Kiyiköy an der Schwarzmeerküste sind bekannt für ihre Strände mit feinem Sand.


Die südliche Marmararegion: An der südlichen Seite des Marmarameers befindet sich der Bezirk Çanakkale, der sich sowohl in Asien als auch in Europa befindet und der Meerenge, an der er sich befindet, seinen Namen gibt. Die Festungen Çimenlik und Kilitbahir aus dem 15. Jahrhundert verleihen der Meerenge eine zusätzliche Schönheit. Zu-Gedenken an die gegen 80.000 Soldaten, die während des Ersten Weltkrieges an der Çanakkale-Front gefallen sind, wurde an der südlichen Spitze der Galipoli-Halbinsel im dort eingerichteten Nationalpark das 42 m hohe ‘Çanakkale Gefallenenmahnmal’ erbaut. Dort befinden sich auch Ge-denkstätten der Engländer und Franzosen. Das Anzac-Mahn-mal (Anzac: “Australien New Zeeland Army Corps”) an der Bucht der Küste von Ariburnu, wo die Anzac-Soldaten ihren Landeversuch unternahmen, enthält eine Inschrift mit einer Rede Atatürks, der diese zum Kampf um die Dardanellen hielt. Dieser Text ist ein zeitloses humanistisches Doku-ment.

Im Nordwesten von Çanakkale erstrecken sich vom Norden in südliche Richtung historische Städte. Die antike Stadt Troja, über deren Krieg Homer, ein Dichter anatolischer Her-kunft, in seiner Ilias berichtet, und die für ihr Holzpferd “trojanisches Pferd” berühmt ist, liegt 30 km südwestlich von Çanakkale. Weiter südlich von Troja liegen der Reihe nach die antiken Städte Neandria, Alexandria, Troas, Chryse und Behramkale, in der Antike “Assos” genannt. Auf der Akro-polis von Assos auf einer Höhe von 248 m befindet sich der Tempel der Athene aus dem 6. Jahrhundert vor Christus.

Balikesir, ein weiterer wichtiger Bezirk in der Marmararegion, ist im Norden vom Marmarameer und im Westen von der Ägäis umgeben. Bandirma an der Marmaraküste im Bezirk Balikesir ist nach Istanbul die zweitgrösste Hafenstadt des Marmarameers. Nordöstlich des Manyas-Sees südlich von Bandirma befindet sich der Nationalpark ‘Vogelparadies’. Hierher kommen jährlich rund 3 Millionen Vögel, aus 239 verschiedenen Arten.

Der Golf von Edremit bildet die ägäische Küste des Bezirks Balikesir. Die gesamte Küste des Golfs von Edremit, die über vielfältige natürliche und historische Sehenswürdig-keiten verfügt, ist mit Olivenbäumen bedeckt. Auf dem Berg ‘Kaz’ im Norden von Edremit, wo sich heute ein Nationalpark befindet, wurde der Mythologie zufolge der erste Schön-heitswettbewerb der Welt veranstaltet. Hier lebte der troja-nische Königssohn Paris.

Akçay, Altinoluk, Ören und Ayvalik sind schön gelegene Ferienorte mit breiten Sandstränden in der Umgebung von Edremit. Die Inseln Çamlik und Alibey (Cunda) sind neben ihrer schönen Natur auch für ihre Restaurants mit den köstlichen Fischspeisen bekannt.

Bilecik, durch den der Sakarya-Fluss fliesst, nimmt in der osmanischen Geschichte einen bedeutenden Platz ein. Das Osmanische Reich wurde hier 1299 gegründet. In der für ihre Keramiken bekannten Ortschaft Sögüt, 30 km östlich von Bilecik, lebte einst der frühere türkische Volksstamm der Kayaren.


Bursa: Die ‘göttliche Stadt’ im Grünen: Der französische Dichter Henri de Regnier hat das an den grünen Ab-hängen des Uludag-Berges gelegene Bursa, hinsichtlich der Einwohnerzahl die viertgrösste Stadt der Türkei, als ‘göttliche Stadt’ bezeichnet.

In Bursa, das von der UNESCO zu derjenigen europäischen Stadt gewählt wurde, die ihre Umwelt am besten bewahrt und schützt, sind Landschaft, Geschichte, Pflanzenkleid und Architektur in Harmonie miteinander vereint. Das für seine Seide, Stoffe und Bäder bekannte Bursa ist zugleich eine bedeutende Industriestadt, in der besonders die Automobil- und Textilindustrie entwickelt ist. Im Süden der von osma-nischen Werken geprägten Stadt befindet sich der Uludag- Nationalpark, der mit seinen modernen Anlagen ein ideales Wintersportzentrum ist. Çekirge, der älteste Bezirk der Stadt, bildet das Thermalzentrum der Stadt.

Iznik war in römischer und byzanthinischer Zeit ein wichtiger Ort und wahrte auch in der osmanischen Periode seine Bedeutung. Die weltweit schönsten Beispiele der osmanischen Fayencenkunst entstanden in Iznik.

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