Mount Everest

Mount Everest
Der Mount Everest ist mit 8848 Metern über dem Meeresspiegel der höchste Berg der Erde. Er ist einer von 14 Achttausendern und als höchster Gipfel Asiens einer der Seven Summits. Der Berg entstand zusammen mit dem übrigen Himalaya-Gebirge als Folge der Kollision der indischen mit der eurasischen Platte. Er ist nach dem britischen Landvermesser Sir George Everest benannt. Auf Nepali heißt er Sagarmatha, auf Tibetisch Qomolangma (deutsche Aussprache „Tschomolangma“; englische Umschrift „Chomolungma“).
Der Mount Everest befindet sich im Mahalangur Himal in der Region Khumbu in Nepal an der Grenze zu China (Autonomes Gebiet Tibet); der westliche und südöstliche seiner drei Gipfelgrate bilden die Grenze. Auf nepalesischer Seite ist er Teil des Sagarmatha-Nationalparks, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Auf der Nordseite gehört er zum „Qomolangma National Nature Reserve“, das mit dem von der UNESCO ausgewiesenen Qomoalangma Biosphärenreservat korrespondiert.
Edmund Hillary und Tenzing Norgay gelang am 29. Mai 1953 die Erstbesteigung des „dritten Pols“. Am 8. Mai 1978 bestiegen Reinhold Messner und Peter Habeler den Gipfel erstmals ohne zusätzlichen Sauerstoff.

Namen des Mount Everest 

Auf Nepali wird der Berg सगरमाथा Sagarmatha („Stirn des Himmels“) und auf Tibetisch ཇོ་མོ་གླང་མ Jo mo klungs ma (in offizieller Transkription: Qomolangma; „Mutter des Universums“) genannt. Der chinesische Name 珠穆朗玛峰 Zhūmùlǎngmǎ Fēng ist eine phonetische Wiedergabe des Tibetischen. Die heute in Europa übliche Transkription ist das englische Chomolungma. Das in deutschsprachigen, vor allem älteren Texten, verwendete Tschomolungma wird zugunsten von Chomolungma aus neueren deutschsprachigen Quellen verdrängt.

Sir George Everest war lange Jahre Leiter der Großen Trigonometrischen Vermessung Indiens und Surveyor General of India. Unter seinem Nachfolger Andrew Scott Waugh wurde der zunächst als „Peak b“ bezeichnete Gipfel 1848 erstmals von Indien aus vermessen, da Nepal den Zugang zu seinem Territorium verweigerte. Nach weiteren Vermessungsarbeiten über Entfernungen bis zu 200 km folgten umfangreiche, komplexe Berechnungen durch Radhanath Sikdar in den Computing Offices in Dehradun, der 1852 zu dem Ergebnis kam, dass der inzwischen als „Peak XV“ („Gipfel 15“) bezeichnete Gipfel mit 29.002 Fuß (8.840 m) höher ist als alle anderen bisher bekannten Berge. Um letzte Zweifel an der Genauigkeit der Vermessungen wegen der großen Entfernungen auszuräumen, gab Andrew Waugh dieses Ergebnis erst 1856 in einem Schreiben an die Royal Geographical Society bekannt. Dabei benannte er den Berg zu Ehren seines Vorgängers als Mount Everest. Die heutzutage gebräuchliche Aussprache von Mount Everest lautet [ˈmaʊnt ˈɛvərɛst], Sir George sprach seinen eigenen Nachnamen allerdings [ˈiːvrɪst] aus.

Vermessung und Benennung des Mount Everest
Die Vermessung und Benennung des Mount Everest war eine Abfolge von Ereignissen, die sich über mehrere Jahre von 1845 bis 1858 hinzog.

Der Himalaya war den Europäern lange so gut wie unbekannt, da Nepal und Tibet für Europäer verschlossen waren. Von Indien aus waren zwar in großer Ferne schneebedeckte Gipfel zu sehen, deren Lage und Höhe aber nicht auszumachen waren und die je nach dem Standpunkt des Betrachters immer wieder anders aussahen. Kam man näher, verschwanden sie schnell hinter anderen Bergen. Die einheimische Bevölkerung und die Händler und Pilger, die den Himalaya auf wenigen, in Höhen von weit über 5.000 m reichenden Pfaden überquerten, kannten zwar die Berge vom Sehen, waren an ihrer exakten Lage aber nicht interessiert. Es gab keinerlei exakte Beschreibung der Lage und keine Karte, in der die Berge verzeichnet waren. Bis ins 19. Jahrhundert war die 1717 von Jean-Baptiste Régis erstellte und von Jean-Baptiste Bourguignon d’Anville 1835 überarbeitete Karte, die auf den Angaben zweier nach Tibet entsandter Lamas beruhte, die beste Karte - aber sie zeigte nur Reihen schematisierter kleiner Bögen anstelle einzelner Berge. Selbst die genaue Lage Lhasas war unbekannt.
Die Große Trigonometrische Vermessung Indiens, die William Lambton 1802 im Auftrag der British East India Company im Süden des Subkontinents begonnen hatte, war unter seinem Nachfolger George Everest 1834 zwar in Dehradun am Fuße des Himalaya angekommen. Everest konzentrierte sich aber auf die Fertigstellung der Messung des großen Meridianbogens von der Südspitze Indiens bis Dehradun. Nach deren Fertigstellung trat er in den Ruhestand und kehrte 1843 nach England zurück. Er hat deshalb die mehr als 900 km entfernten Berge im Osten Nepals nie gesehen.
Vermessung der Himalayagipfel, Entdeckung des Peak XV

Triangulation entlang des Himalaya und Peilungen auf seine Gipfel
Everests Nachfolger Andrew Scott Waugh unternahm Vermessungsarbeiten von Dehradun nach Osten entlang des Himalaya bis in die Region südlich von Darjeeling. Da die nepalesische Regierung keinen Zugang zu ihrem Territorium gewährte, mussten die Arbeiten an der längsten der zahlreichen Triangulationsserien zwischen 1845 und 1850 mit großen Verlusten durch die malariaverseuchten Dschungel- und Sumpfgebiete des Terai am Fuße des Himalaya geführt werden. Dabei starben in einer einzigen Saison vierzig indische Mitarbeiter. Von den britischen Vermessern erkrankte fast die Hälfte am Dschungelfieber und starb vor Ort oder in den folgenden Jahren.
Die verschiedenen Vermessungstrupps nahmen auch Peilungen zu den gelegentlich in weiter Ferne sichtbaren weißen Gipfeln vor. Bei diesen einseitigen Peilungen war es natürlich weder möglich, die Entfernung des anvisierten Gipfels noch seine Höhe festzustellen. Die einzelnen Vermesser gaben den angepeilten Gipfeln in ihren Aufzeichnungen zunächst individuelle Bezeichnungen wie zum Beispiel peak b. Erst bei der Auswertung der Daten und Berichte war es möglich, die Peilungen auf Plänen zu Dreiecken zu verbinden. Während bei den Triangulationsserien meist Dreiecke mit Kantenlängen von etwa 30 bis 50 km (19 bis 31 Meilen) und nicht mehr als 100 km (62 mi.) vermessen wurden, ergaben sich nun Dreiecke mit Kantenlängen zwischen 130 km und mehr als 220 km. Auf diese Weise konnte die Lage von 79 Gipfeln auf einem fast leeren Kartenblatt einigermaßen genau eingezeichnet werden. Nur 31 Gipfel waren namentlich bekannt, die anderen wurden nun mit römischen Ziffern durchnummeriert. Dabei wurde peak b zum Peak XV, der von sieben verschiedenen Vermessungspunkten aus anvisiert worden war, die über eine Strecke von mehr als 220 km verteilt waren. Während man bisher zunächst den Dhaulagiri, später den Kangchendzönga als höchsten bekannten Berg angesehen hatte, entstand nun die Annahme, dass Peak XV noch höher sei.
Der von Everest 1831 als mathematischer Gehilfe eingestellte und mittlerweile zum Chief Computor des Survey of India aufgestiegene Radhanath Sikdar stellte nun umfangreiche und komplexe Berechnungen an, bei denen Fehlerquellen wie die Lichtbeugung sowie Temperatur- und Luftdruckschwankungen so weit wie damals möglich berücksichtigt wurden – zu einer Zeit, als Rechenschieber noch nicht verbreitet waren. 1852 kam er zu dem Ergebnis, dass Peak XV mit 29.002 Fuß der höchste der angepeilten Gipfel und damit wahrscheinlich der höchste Berg der Welt sei. Andrew Waugh scheute jedoch zunächst davor zurück, dieses Ergebnis zu veröffentlichen, da es ihm aufgrund der großen Entfernung nicht ausreichend sicher zu sein schien. Erst nach zahlreichen Überprüfungen und Kontrollrechnungen teilte er schließlich in einem Schreiben an die Royal Geographical Society vom 1. März 1856 mit, dass der Peak XV wahrscheinlich der höchste Berg der Welt sei und eine Höhe von 29.002 Fuß (8.840 m) habe.

Benennung des Mount Everest
Mit den Vermessungen waren zwar die Koordinaten des höchsten aller Berge einigermaßen genau bestimmt worden, aber sein konkretes Umfeld, wie benachbarte Berge, Flüsse, Pfade und die nächsten Dörfer blieben unbekannt.
George Everest hatte es zur Regel gemacht, alle geographischen Objekte mit ihren einheimischen Namen zu benennen. Auch sein Nachfolger Andrew Waugh hielt sich an diese Regel. Er betonte dies auch in seinem Schreiben an die Royal Society, aber im Fall des Peak XV sei aus der großen Entfernung nicht mit Sicherheit festzustellen gewesen, wie die örtliche Bevölkerung ihn nenne. Deshalb habe er ihn zu Ehren seines Vorgängers Mont Everest genannt. Der Versammlung der Royal Geographical Society vom 11. Mai 1857, in der Waughs Schreiben verlesenen wurde, lag auch ein Schreiben von Brian Houghton Hodgson vor, des britischen Gesandten in Kathmandu, Nepal, dass doch der örtliche Name bekannt sei, nämlich Déodúngha bzw. Dévadúngha (Heiliger Berg). Die Versammlung nahm Waughs Vorschlag jedoch zustimmend zur Kenntnis. Der anwesende George Everest zeigte sich dankbar für die Ehre, gab jedoch zu bedenken, dass sein Name in Indien nicht ausgesprochen und weder auf Hindi noch auf Persisch geschrieben werden könne. Es blieb jedoch bei der Benennung mit Mount Everest.
Andrew Waugh wandte sich in einem späteren Schreiben vom 5. August 1857, das in der Sitzung der Royal Geographical Society vom 11. Januar 1858 verlesen wurde, gegen Hodgsons Ansicht, dass der örtliche Name bekannt sei. Hodgson argumentiere nur vom Hörensagen, er selbst habe den Berg nie gesehen. Hodgson spreche nur von einem Berg und nehme nicht zur Kenntnis, dass dort mehrere Berge dicht nebeneinander stünden. Der von Hodgson genannte Name könne daher einen der vermessenen Berge bezeichnen oder aber einen, den man noch gar nicht gesehen habe. Das könne nur durch eine richtige Vermessung vor Ort geklärt werden. Seine Mitarbeiter hätten im Übrigen unabhängig voneinander erklärt, dass es aufgrund der großen Entfernung nicht möglich sei, die Identität von Mount Everest mit dem von Hodgson genannten Deodangha festzustellen.
Das Schreiben wurde in der Sitzung offenbar nicht weiter diskutiert. Der Präsident der Royal Geographical Society schloss mit anerkennenden Worten für die Benennung des höchsten Berges der Welt mit dem Namen Everest.

Durch den hohen Umschließungsdruck und die hohen Temperaturen bei der Versenkung in den oberen Erdmantel wurden die ursprünglichen Krustengesteine metamorph umgewandelt. Im Everest-Massiv besteht die unterste Einheit der Gipfelpyramide (oberhalb 5400 Meter) hauptsächlich aus metamorphen Gesteinen, vor allem dunklen, biotitreichen Gneisen. Die Grenze zu den darüber liegenden Graniten ist durch pegmatitische Gänge relativ deutlich markiert. Der so genannte „Nuptse-Granit“ (benannt nach dem Nachbarberg Nuptse) ist ein heller Granit, der neben Quarz und Feldspat hauptsächlich Muskovit, Biotit und Turmalin enthält. Er verwittert typischerweise zu großen Blöcken. Auf über 7500 Meter Höhe liegen metamorph überprägte Sedimentgesteine. Diese fossilreichen mikritischen Kalksteine bis Tonsteine enthalten Trilobiten, Ostrakoden sowie Seelilien und Haarsterne (Crinoidenkalk). Sie haben eine helle gelbliche Farbe und werden als „Gelbes Band“ bezeichnet. Sie wurden bei der Gebirgsbildung auf den kristallinen Sockel aus Gneisen und Graniten überschoben und fallen nach Südwesten ein. Daher sind die Gesteine an der Südwestseite des Everest niedriger anzutreffen als an der Nordseite. Die oberste Gipfelpyramide des Everest besteht aus grauem Kalkstein mit Einlagerungen von Sand und Schutt, der nur in geringem Maße der Metamorphose unterlag.

Topographie
Die Gipfelpyramide ist durch Erosion und gewaltige Gletscher modelliert. Die drei Hauptkämme – Westgrat, Nord-/Nordostgrat und Südostgrat – untergliedern den Gipfel in drei Hauptwände – Südwestwand, Nordwand und Ostwand (Kangshung-Flanke). Außerdem trennen die Grate die drei sich vom Mount Everest und seinen Nachbargipfeln ergießenden Gletscher: Khumbu-Gletscher, Rongpu-Gletscher (auch Rongbuk-Gletscher) und Kangshung-Gletscher.
Südostgrat und Westgrat sowie deren Fortsetzungen bilden die weitere Grenze zwischen Tibet und Nepal. Der Südostgrat verbindet den Mount Everest mit dem 8.516 Meter hohen Lhotse, der niedrigste Punkt dieses Grats ist der 7.906 Meter hohe Südsattel (South Col). Im weiteren Verlauf setzt sich der Grat vom Lhotse in Richtung Lhotse Shar (8.415 Meter) und Peak 38 (7.591 Meter) fort. Der Westgrat läuft zunächst in einen Nebengipfel – die sogenannte Westschulter – aus, welche zum Lho-La-Pass (6.606 Meter) abfällt und sich dann in die Bergkette aus Khumbutse (6.636 Meter), Lingtren (6.714 Meter) und Pumori (7.138 Meter) fortsetzt. Der auf tibetischer Seite befindliche Nordgrat verbindet den Mount Everest mit dem 7.543 Meter hohen Changtse. Vom Lhotse zieht auf nepalesischer Seite in westliche Richtung der lange Bergkamm des Nuptse (7.861 Meter), der vom Mount Everest durch das Tal des Schweigens und den Khumbu-Gletscher getrennt wird.

Klima
Die klimatischen Bedingungen am Mount Everest sind extrem. Im Januar, dem kältesten Monat, beträgt die Durchschnittstemperatur auf dem Gipfel −36 °C und kann auf Werte bis zu −60 °C fallen. Auch im wärmsten Monat, dem Juli, steigen die Temperaturen nicht über die Frostgrenze, die Durchschnittstemperatur auf dem Gipfel beträgt dann −19 °C
Im Winter und Frühling herrschen Winde aus westlichen Richtungen vor. Die feuchtigkeitsbeladene Luft kondensiert zu einer weißen, nach Osten zeigenden Wolke (verfälschend häufig als „Schneefahne“ bezeichnet). Wegen dieser Wolkenfahnen hielt man den Himalaya ursprünglich für eine Vulkankette. Anhand der Wolkenfahne des Mount Everest schätzen Bergsteiger auch die Windgeschwindigkeit auf dem Gipfel ab: Bei etwa 80 Kilometer pro Stunde steht sie rechtwinklig zum Gipfel, bei höheren neigt sie sich nach unten und bei niedrigeren nach oben. Im Winter prallt der südwestliche Jetstream auf den Gipfel und kann Windgeschwindigkeiten von bis zu 285 Kilometer pro Stunde verursachen. Von Juni bis September gelangt der Berg unter den Einfluss des Indischen Monsuns. In dieser Zeit fallen die meisten Niederschläge, und heftige Schneestürme prägen das Wetter.
Wie in allen alpinen Regionen kann es zu raschen Wetterumschwüngen kommen. Dies gilt auch für die beiden Besteigungssaisonen im Mai und Oktober. Plötzlich einsetzende Temperaturstürze, Stürme und Schneefälle von bis zu drei Meter pro Tag sind nicht außergewöhnlich. Zumeist gibt es in der jeweiligen Saison nur wenige Tage mit stabilem Wetter – die sogenannten „Fenstertage“ –, an denen eine Besteigung am ehesten möglich ist.

Fauna und Flora
Aufgrund der großen Höhe beträgt der Luftdruck auf dem Mount Everest mit 326 mbar nur knapp ein Drittel des Normaldrucks auf Meeresspiegelniveau (temperaturabhängige barometrische Höhenformel). Hierdurch verschiebt sich der Siedepunkt des Wassers von 100 °C bei Normalbedingungen auf nur 70 °C, und der Sauerstoffpartialdruck der Luft beträgt nur noch ein Drittel des Meeresspiegelniveaus. Hinzu kommen extreme Temperaturschwankungen und starke Winde. An diese äußerst lebensfeindliche Umwelt konnten sich nur wenige Tiere anpassen, Blütenpflanzen sind im Bereich des ewigen Eises nicht mehr zu finden.
Euophrys omnisuperstes, ein kleiner Vertreter der Springspinnen (Salticidae), wurde bereits 1924 von R.W.G. Hingston bis zu einer Höhe von 6.700 Meter beobachtet. Seine Nahrungsgrundlage blieb lange ein Rätsel. Erst 1954 entdeckte man, dass sie sich von Fliegen und Springschwänzen (Collembola) ernähren, die bis zu einer Höhe von 6.000 Meter anzutreffen sind. Letztere leben von Pilzen und Flechten, die herangewehtes organisches Material abbauen. Bei der 1924 durchgeführten Everestexpedition wurden Flechten zwischen 4.600 und 5.500 Meter gesammelt. Darauf basierend konnte R. Paulson 1925 etwa 30 Arten nachweisen.
Von den Wirbeltieren sind nur einige Vögel in der Lage, sich der extremen Höhe dauerhaft anzupassen. Die Streifengans (Anser indicus) hält sich bis in Höhen von 5.600 Meter auf. Alpenkrähen (Pyrrhocorax pyrrhocorax) wurden selbst am 7.920 Meter hohen Südsattel beobachtet, wo sie sich von Abfällen, aber auch von tödlich verunglückten Bergsteigern ernähren. Der Leichnam von George Mallory, den man auf ca. 8.160 Meter fand, wurde vermutlich ebenfalls von Vögeln angefressen.

Mythologische Bedeutung
Wie im Grunde alle markanten Gipfel der Khumbu-Region ist auch der Mount Everest für die Sherpas ein heiliger Berg. Der Buddhismus ist bei diesem Volk mit ursprünglicheren Religionen, insbesondere Animismus und Bön, gepaart. Nach der Auffassung der Sherpas bewohnen Geister und Dämonen Quellen, Bäume und eben auch die Gipfel. Der Mount Everest ist nach Ansicht der Buddhisten der Sitz von Jomo Miyo Lang Sangma, einer der fünf „Schwestern des langen Lebens“, die auf den fünf höchsten Gipfeln des Himalaya wohnen. Jomo Miyo Lang Sangma gibt den Menschen Nahrungsmittel.
Der große Heilige Padmasambhava, der den Buddhismus von Indien nach Tibet brachte, veranstaltete der Sage nach einen Wettlauf zum Gipfel des Mount Everest. Nachdem Padmasambhava einige Zeit auf dem Gipfel meditiert und mit den Dämonen gekämpft hatte, wurde er von einem Lama der Bön-Religion herausgefordert. Es ging um die Frage, wer von beiden mächtiger sei. Der Lama der Bön-Religion machte sich noch in der Nacht auf den Weg, getragen von seiner magischen Trommel, Padmasambhava erst bei Tagesanbruch. Er gewann trotzdem den Wettlauf, weil er, auf einem Stuhl sitzend, von einem Lichtstrahl direkt zum Gipfel gebracht wurde. Nachdem Padmasambhava einige Zeit oben gewartet hatte, ließ er seinen Stuhl zurück und begann mit dem Abstieg. Der Bön-Lama gab sich geschlagen und ließ seine Trommel zurück. Bis heute sagt man, dass die Geister die Trommel schlagen, wenn eine Lawine zu Tale donnert.

Auf Grund dieser Bedeutung wird vor einer Besteigung von den Sherpas eine Opferzeremonie durchgeführt, die sogenannte Puja-Zeremonie. Die Sherpas sind davon überzeugt, dass eine Puja zwingend notwendig ist, um Unheil abzuwenden. Dieses Opferfest ist für ihren Seelenfrieden unabdingbar, und im Allgemeinen nehmen auch alle westlichen Expeditionsteilnehmer daran teil, da sonst, nach dem Glauben der Sherpas, die Berggötter zornig würden, und zwar nicht nur gegenüber den Ausländern, sondern besonders auch gegenüber den Sherpas, die solches zugelassen hätten.
Religiöse Symbole wie Manisteine und ein Stupa mit Gebetsfahnen, die mit Mantras bedruckt sind, finden sich am Fuß des Mount Everest. Auf dem Weg zum Everest-Basislager (Mount Everest Trek), am Thokla-Pass zwischen Dingboche und Lobuche, wurde eine Gedenkstätte für die Opfer des Everest angelegt. Den Toten ist mit einem so genannten Steinmann, einem Stapel aufgetürmter Steine, oder einer Stele die letzte Ehre erwiesen.

Höhenangaben und -messungen
Die Höhe des Mount Everest wurde in vielen Messungen bestimmt. Dabei ergaben sich Höhenangaben zwischen 8844 und 8850 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Auf Grund der Höhe (Todeszone) und der Eisschicht auf dem Gipfel gestaltet sich die Messung schwierig. Die Eisschicht auf dem Gipfel kann nicht in die Höhe mit eingerechnet werden, da sie starken Schwankungen unterliegt. Die exakte Höhe muss sich folglich auf die Höhe des Felssockels darunter beziehen. Bei den ersten Messungen war dies noch nicht möglich. Ein weiteres Problem ist die Bezugsgröße Meeresspiegel. Chinesische Messungen gehen vom Pegel in Qingdao, nepalesische Messungen vom Pegel in Karachi aus. Die Distanz beider Orte beträgt mehr als 6000 Kilometer, und allein aus diesem unterschiedlichen Bezugssystem ergeben sich deutliche Differenzen. Darüber hinaus basieren GPS-Messungen auf einem vereinfachten Modell der Erde, dem mehrfach modifizierten Referenzellipsoid. Bei solchen Messungen muss also noch die Differenz zwischen Geoid und Referenzellipsoid berücksichtigt werden, wie beispielsweise bei der Messung im Mai 2004 geschehen.
Die Angabe für die Gipfelhöhe des Mount Everest ist seit der ersten Messung 1848 mehrfach korrigiert worden. 1856 wurde aus Angaben von sechs verschiedenen Vermessungsstationen 8840 Meter errechnet. Die Stationen befanden sich allerdings über 150 Kilometer vom Everestmassiv entfernt, da die Vermesser des britischen Indian Survey nicht nach Nepal einreisen durften. Bis dahin sah man den Dhaulagiri (8167 Meter), den ersten entdeckten Achttausender, und ab 1838 den Kangchendzönga (8586 Meter) als höchsten Berg an.

Die lange Zeit geltende Höhenangabe von 8848 Meter war 1954 vom Survey of India aus den Messdaten von insgesamt zwölf Vermessungsstationen als Mittelwert errechnet worden. Diese Angabe wurde von einer chinesischen Expedition im Jahre 1975 bestätigt – sie stellte 8848,13 Meter fest.
Auch eine im September 1992 als erste mit modernen Mitteln angestellte Höhenvermessung eines chinesisch-italienischen Expeditionsteams direkt am Berg ergab mit 8848,82 Meter nahezu den gleichen Wert. Die dabei verwendeten Daten stammten sowohl aus Messungen mit herkömmlichen Theodoliten als auch aus Lasermessungen und GPS-Signalen.
Sehr genaue Messungen mit Hilfe mehrerer GPS-Empfänger am 5. Mai 1999 ergaben eine Höhe von 8850 Meter. Jene Angabe basiert auf der Höhe des Felssockels. Die Stärke der Schicht aus Eis und Schnee am Gipfel schwankt je nach Jahreszeit und Niederschlagsmengen der Monsunzeit etwa im Bereich zwischen einem und drei Metern.
Bei einer Messung im Mai 2004 wurden acht Radarprofile am Gipfel verankert und so die Höhe des Felssockels bestimmt. Im Anschluss wurde die jeweilige Höhe der Radarprofile ermittelt. Von dieser Höhe wurde dann die Dicke der Eisschicht abgezogen. Der Everest hatte nach dieser Messung eine Höhe von 8848,82 Meter, mit einer Ungenauigkeit von ±0,23 Meter. Damit konnte die Höhe aus dem Jahr 1992 bestätigt werden.
Die neueste Messung stammt aus dem Mai 2005, durchgeführt wiederum von einer chinesischen Expedition. Sie ergab für den Berg eine Höhe von 8844,43 Metern, bei einer Ungenauigkeit von 21 Zentimetern. Er ist damit etwa 3,70 Meter niedriger als seit der chinesischen Messung von 1975 angenommen. Allerdings bezieht sich die aktuelle Angabe, wie auch schon die von 1999 und 2004, nur auf den reinen Felssockel. Diese letzte Untersuchung wurde von Chinas Nordseite und nicht vom nepalesischen Süden aus unternommen und dauerte ein Jahr. Eingesetzt wurden Radardetektoren sowie Lasermessgeräte und Satellitenortungssysteme.
Ab 2011 will erstmals die Regierung von Nepal den Berg vermessen. Als Nullniveau wurde der Pegel von Kolkata bestimmt, das Ergebnis wird für 2013 erwartet.
Während der Mount Everest die höchste Erhebung über dem Meeresspiegel ist, existieren noch zwei weitere Berge, die den Titel „höchster Berg der Erde“ verdienen. Vom Fuß des Berges aus gemessen ist dies der Vulkan Mauna Kea auf Hawaiʻi, vom Erdmittelpunkt aus gerechnet der Chimborazo in Ecuador.

Besteigungsgeschichte
Der Mount Everest war als höchster Berg der Erde stets ein attraktives Ziel. Die ersten Besteigungsversuche wurden in den 1920er Jahren unternommen, jedoch dauerte es bis zum 29. Mai 1953, als Edmund Hillary und Tenzing Norgay als Erste auf dem Gipfel standen. Seit den 1960er Jahren wurden zahlreiche neue Routen eröffnet. Die Besteigung von der chinesischen Nordseite aus gelang 1960 einer chinesischen Expedition. Am 8. Mai 1978 erreichten Reinhold Messner und Peter Habeler den Gipfel erstmals ohne zusätzlichen Sauerstoff.

Frühe Besteigungsversuche

Die 1920er Jahre
Britische Bergsteiger versuchten erstmals Anfang der 1920er Jahre, den Mount Everest zu besteigen. 1921 wurde eine Erkundungsexpedition in das Gebiet entsandt. Hier stand noch nicht die Besteigung des Berges im Mittelpunkt, sondern geologische Vermessungen, die Kartierung des Gebietes und eine erste Erkundung möglicher Aufstiegsrouten. Teilnehmer der Expedition beendeten die Vermessung von 31.000 Quadratkilometern. Im Verlaufe dieser Expedition entdeckte George Mallory vom Lhakpa La aus eine, seiner Meinung nach, gangbare Route zum Gipfel. Diese wurde später, nach den ersten Begehungen 1960 und 1975, die Standard-Nordroute durch das Tal des Östlichen Rongpu-Gletschers auf den Nordsattel. Ein kurzfristig angegangener Besteigungsversuch scheiterte auf dem Nordsattel am einsetzenden Monsun.

Britische Mount-Everest-Expedition 1922
Die Britische Mount-Everest-Expedition 1922 war die erste Expedition, die ausdrücklich die Erstbesteigung des Mount Everest zum Ziel hatte. Nach zwei gescheiterten Besteigungsversuchen endete die Expedition mit einem schweren Unglück beim dritten Versuch. Diese Expedition war die erste, bei der Sauerstoff aus Druckflaschen als Besteigungshilfe eingesetzt wurde.
Im Vorjahr war eine Erkundungsexpedition bereits in das Gebiet des Mount Everest vorgedrungen. Dabei hatte George Mallory, der sowohl Teilnehmer der Erkundungsexpedition als auch der Expedition von 1922 war, eine seiner Meinung nach gangbare Route zum Gipfel entdeckt.

Die Besteigungsversuche des Mount Everest waren unter anderem Ausdruck des Pioniergeistes, der im britischen Empire herrschte. Nachdem die Briten weder den Nord- noch den Südpol als Erste erreicht hatten, richteten sich nun ihre Anstrengungen auf die Eroberung des sogenannten „Dritten Pols“, also auf die Erstbesteigung des Mount Everest. Zunächst wurden hierzu in den Jahren 1915 und 1916 zwei Expeditionen von Brigadier Cecil Rawling geplant, die aber auf Grund des Ersten Weltkrieges und des Todes von Rawling verschoben werden mussten. Die in den 1920er Jahren unternommenen Expeditionen wurden dann von der Royal Geographical Society und dem Alpine Club vor allem im gemeinsam gebildeten Mount Everest Committee organisiert.
Die Vermessungsarbeiten im Jahr 1921 ermöglichten das Erstellen von Landkarten, die dann der 1922er Expedition zur Verfügung gestellt wurden. John Noel übernahm die Aufgabe, eine Fotoausrüstung zusammenzustellen, um die Expedition bestmöglich zu dokumentieren. So gehörten drei Filmkameras, zwei Panoramakameras, vier Plattenkameras, eine Stereokamera und fünf sogenannte Westentaschen-Kodaks (Vest Pocket Kodak) zur Ausrüstung. Letztere waren Fotokameras, die klein und leicht genug waren, um von den Bergsteigern mit in große Höhen genommen zu werden. Die Bergsteiger sollten damit in der Lage sein, einen möglichen Gipfelerfolg zu dokumentieren. Zudem wurde ein abdunkelndes Zelt zur Entwicklung der Fotos mitgenommen. Noel sind eine große Anzahl an Fotos und ein Film zu verdanken.
Während der Expedition 1921 hatte man erkannt, dass die beste Zeit für eine Besteigung sehr wahrscheinlich die Zeit des Vormonsuns sei. Die Expeditionen in den Jahren 1922 und 1924 wurden diesen Erkenntnissen entsprechend geplant.
Flaschensauerstoff als Besteigungshilfe

Das Jahr 1922 kann auch als Ausgangsjahr der bis heute andauernden Kontroverse über die Verwendung von Flaschensauerstoff beim Bergsteigen in große Höhen angesehen werden. Bei der Britischen Mount-Everest-Expedition 1921 hatte man schon Sauerstoffflaschen dabei, nutzte sie allerdings nicht. Alexander Mitchell Kellas, der seit etwa 1920 als einer der ersten Wissenschaftler überhaupt auf die nützliche Verwendung von Flaschensauerstoff in großen Höhen hingewiesen hatte, nahm zwar an der Expedition von 1921 teil, kam aber beim Anmarsch ums Leben. Wegen der damals noch sehr schweren Systeme war er allerdings selbst skeptisch, ob man sie bis ganz nach oben mitnehmen könne. Kellas’ Erkenntnisse wurden allgemein auch wenig beachtet, was vielleicht daran lag, dass er als Privatperson forschte. Mehr beachtet wurden die Druckkammerexperimente von Professor Georges Dreyer, der im Ersten Weltkrieg als höhenmedizinischer Berater der Royal Air Force tätig war. Nach seinen Untersuchungen, die er unter anderem mit George Ingle Finch betrieb, war er der Auffassung, dass in so großen Höhen das Überleben überhaupt nur mit künstlicher Sauerstoffzufuhr möglich sei. Weiterhin wurden die Beobachtungen von Paul Bert herangezogen, der den Tod von Ballonfahrern in großen Höhen untersuchte. Dass 1922 Sauerstoffflaschen mitgegeben wurden, war Folge dieser Untersuchungen.
Eine solche Flasche enthielt etwa 240 Liter Sauerstoff. Vier solche Flaschen waren auf einem Tragegestell befestigt, das die Bergsteiger auf dem Rücken tragen sollten. Zusammen mit anderen Anbauteilen ergab sich ein Gesamtgewicht von etwa 14,5 kg. Somit hätte jeder Bergsteiger zu Beginn des Tages ein großes Zusatzgewicht zu tragen gehabt. Zehn dieser Systeme wurden der Expedition zur Verfügung gestellt. Obwohl eine Maske über die Nase und den Mund gezogen wurde, sollte zudem ein Schlauch im Mund gehalten werden. Dreyer hatte auch die Fließgeschwindigkeit vorgeschlagen: Auf 7000 m Höhe sollten 2 Liter Sauerstoff pro Minute fließen, beim Anstieg zum Gipfel dagegen 2,4 Liter pro Minute. Daraus ergab sich, dass eine Flasche für etwa 2 Stunden gereicht hätte. Der gesamte Sauerstoffvorrat wäre somit nach spätestens 8 Stunden aufgebraucht gewesen. Heutzutage werden meist 3- oder 4-Liter-Flaschen benutzt, die mit Sauerstoff unter einem Druck von 250 Bar gefüllt sind. Bei einer Fließgeschwindigkeit von 2 Liter pro Minute kann eine kleinere moderne Flasche also über 6 Stunden genutzt werden.
George Finch war auf der Reise für die Geräte verantwortlich, was auch an seiner Ausbildung zum Chemiker und seinem Interesse an dieser Technik lag. Er ordnete tägliche Übungen mit den Geräten an. Dabei traten schnell die Schwächen zu Tage: Die Apparaturen waren sehr störanfällig, wenig robust bei Stößen und sehr schwer bei geringem Inhalt an Sauerstoff. Es entbrannte wegen dieser Geräte ein Streit unter den Expeditionsteilnehmern; viele Bergsteiger wollten lieber ohne sie aufsteigen. Von den Trägern wurde der künstliche Sauerstoff als „englische Luft“ bezeichnet.
Expeditionsteilnehmer

Die Expeditionsteilnehmer wurden nicht nur nach bergsteigerischen Qualitäten ausgewählt. So spielten sowohl die Schichtzugehörigkeit als auch die Zugehörigkeit zum Militär oder zu bestimmten Berufen eine gewichtige Rolle. Insbesondere in der Öffentlichkeit wurde auf die militärischen Ränge oder die Universitätsabschlüsse der einzelnen Expeditionsteilnehmer hingewiesen.

Charles G. Bruce (1855–1939) 84j- Expeditionsleiter - Soldat (Offizier, Rang: Brigadier General)
Edward Lisle Strutt (1874–1948) 74j- Stellvertretender Expeditionsleiter und Bergsteiger - Soldat (Offizier, Rang: Lieutenant-Colonel)
George Mallory (1886–1924) 38j- Bergsteiger - Lehrer
George Ingle Finch (1888–1970) 82j- Bergsteiger - Forscher und Lehrer am Imperial College
Edward „Teddy“ F. Norton (1884–1954) 70j- Bergsteiger - Soldat (Offizier, Rang: Major)
Henry Treise Morshead (1882–1931) 49j- Bergsteiger - Soldat (Offizier, Rang: Major)
Dr. Theodor Howard Somervell (1890–1975) 85j- Bergsteiger - Arzt
Dr. Arthur William Wakefield (1876–1949) 73j- Bergsteiger - Arzt
Lucius Noel (1890–1989) 99j- Fotograf und Filmkameramann - Soldat (Offizier, Rang: Captain)
Dr. Tom George Longstaff (1875–1964) 89j- Expeditionsarzt - Arzt
John Geoffrey Bruce (der Vetter von Charles G. Bruce) (1896–1972) 76j- Dolmetscher und Organisationsaufgaben - Soldat (Offizier, Rang: Captain)
C. John Morris (1895–1980) 85j- Dolmetscher und Organisationsaufgaben - Soldat (Offizier, Rang: Captain)
Colin Grant Crawford (1890–1959) 69j- Dolmetscher und Organisationsaufgaben - Beamter der indischen Zivilverwaltung
Zu den eigentlichen Bergsteigern kam noch eine große Gruppe von Trägern hinzu, sodass die Expedition schließlich aus etwa 160 Männern bestand.

Anreise
Rongpu-Kloster, im Hintergrund der Mount Everest
Der Weg zum Basislager folgte weitgehend der Route, die auch 1921 genommen wurde. Als Ausgangspunkt in Indien diente Darjiling, wo sich die Expeditionsteilnehmer Ende März 1922 sammelten. Einige der Teilnehmer waren bereits einen Monat vorher dorthin angereist, um Träger zu rekrutieren und weitere organisatorische Dinge zu erledigen. Für die meisten Expeditionsteilnehmer begann die Reise zum Mount Everest am 26. März. Crawford und Finch blieben zunächst zurück, um den Transport der Sauerstoffflaschen zu übernehmen. Diese erreichten Kalkutta erst etwa zu dem Zeitpunkt, als die Expedition schon Darjiling verließ. Die weitere Organisation funktionierte und die Flaschen wurden bald weitertransportiert.
Für die Reise durch Tibet lag die Genehmigungen des Dalai Lama Thubten Gyatsho vor. Von Darjiling aus führte die Route über Kalimpong nach Phari Dzong und weiter nach Kampa Dzong, das am 11. April erreicht wurde. Hier rastete die Gruppe drei Tage, sodass Finch und Crawford mit den Sauerstoffflaschen aufholen konnten. Anschließend ging es weiter nach Shekar Dzong, um dann von Norden her zunächst das Rongpu-Kloster und anschließend den für das Basislager vorgesehenen Platz zu erreichen. Um sich besser zu akklimatisieren und um sich bei der vorherrschenden Kälte selbst warmzuhalten, wechselten die Teilnehmer der Expedition oft zwischen Reiten und Wandern. Am 1. Mai 1922 erreichte die Gruppe das Basislager am Rande des Rongpu-Gletschers.
Geplante Aufstiegsroute

Den britischen Expeditionen stand in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg nur der Zugang von Norden zur Verfügung. Mallory hatte im Jahr 1921 vom Lhakpa La aus eine gangbare Route zur Nordseite des Berges und weiter zum Gipfel entdeckt. Diese Route beginnt am Rongpu-Gletscher und verläuft dann über den einmündenden Östlichen Rongpu-Gletscher zunächst zum Nordsattel. Von dort aus ermöglichen die ausgesetzten Gipfelgrate (Nordgrat und Nordostgrat) den weiteren Aufstieg. Ein ernsthaftes, kräftezehrendes und klettertechnisch schwieriges Hindernis ist die mittlere von drei Felsstufen im Nordostgrat, der Second Step in etwa 8610 m Höhe, der vor dieser Expedition aber noch unbekannt war. Er hat eine Kletterhöhe von etwa vierzig Metern, die letzten fünf Meter sind fast senkrecht. Von dort führt die Gratroute mit relativ geringer Neigung zum Gipfel, der Weg ist jedoch noch recht weit und vor dem Gipfelschneefeld muss noch eine dritte, etwa zehn Meter hohe Stufe kletternd überwunden werden. Erstmals gelang chinesischen Bergsteigern im Jahr 1960 die Bewältigung dieser Route. Alternativ dazu erwogen die Briten damals, oberhalb des Nordsattels in die Nordflanke des Berges zu queren und über eine steile Schlucht, die später Norton-Couloir genannt wurde, den Gipfel zu ersteigen. Über diese Route erreichte erst Reinhold Messner im Jahr 1980 den Gipfel.

Besteigungsversuche
Die beiden Hauptrouten des Mount Everest, die 1922er Expedition versuchte den Aufstieg über die North Col - North Ridge Route (gelb)
Ausgehend vom Basislager war der Weg über den Östlichen Rongpu-Gletscher noch weitgehend unbekannt. Deshalb unternahmen Strutt, Longstaff, Morshead und Norton ab dem 5. Mai eine erste eingehende Erkundung des Weges. Das vorgeschobene Basislager (Lager III) wurde am oberen Gletscherrand, unter den Steilhängen des Nordsattels, auf etwa 6350 m Höhe errichtet. Zwischen dem Basislager und dem vorgeschobenen Basislager wurden zwei weitere Lager eingerichtet: Lager I auf etwa 5400 m Höhe und Lager II auf 6000 m Höhe. Die Errichtung und Versorgung dieser Lager wurde von einheimischen Bauern unterstützt, die aber nur kurze Zeit helfen konnten, da sie ihre Felder zu bestellen hatten. Longstaff verausgabte sich bei der Errichtung dieser Lager, wurde krank und fiel für den Rest der Expedition als Bergsteiger aus.
Am 10. Mai verließen Mallory und Somervell das Basislager mit dem Ziel, auf dem Nordsattel das Lager IV zu errichten. Sie erreichten am 15. Mai das Lager III und wagten zwei Tage später den Aufstieg auf den Nordsattel. Das dort auf einer Höhe von etwa 7000 Meter angelegte Lager wurde in der Folge ebenfalls mit Vorräten versorgt. Der weitere Plan sah vor, dass zunächst Mallory und Somervell einen Besteigungsversuch ohne Sauerstoff aus Flaschen unternehmen sollten, gefolgt von einem Versuch mit künstlichem Sauerstoff von Finch und Norton. Da ein Großteil der Bergsteiger aber erkrankte, wurden diese Pläne aufgegeben. Die mehr oder weniger gesunden Bergsteiger Mallory, Somervell, Norton und Morshead sollten deshalb gemeinsam einen Besteigungsversuch unternehmen.

Erster Besteigungsversuch
Dieser erste Besteigungsversuch wurde von Mallory, Somervell, Norton und Morshead, unterstützt von neun Trägern, ohne die Verwendung von künstlichem Sauerstoff ab dem 19. Mai von Lager III aus unternommen. Sie begannen gegen 8.45 Uhr den Aufstieg auf den Nordsattel. Der Tag war laut Mallory schön und sonnig. Gegen 13 Uhr errichteten sie die Zelte. Am folgenden Tag wollten die Bergsteiger nur das Nötigste mitnehmen: zwei der kleinsten Zelte, zwei Doppelschlafsäcke, Essen für eineinhalb Tage, Gaskocher und zwei Thermosflaschen. Die Träger waren jeweils zu dritt in Zelten untergebracht und zu diesem Zeitpunkt noch völlig fit.
Am folgenden Tag, dem 20. Mai, weckte Mallory die Gruppe gegen 5 Uhr morgens. Die Träger hatten die Nacht schlecht überstanden, da die Zelte kaum Sauerstoff ins Innere ließen. Nur fünf von ihnen wollten weiter steigen. Ihr Zustand besserte sich aber schnell, nachdem sie die Zelte verlassen hatten. Da auch das Zubereiten von Essen Probleme bereitete, wurde der Aufstieg erst gegen 7 Uhr fortgesetzt. Allerdings war das Wetter an diesem Tag nicht so gut wie am Vortag. Es war wesentlich kälter. Oberhalb des Nordsattels begingen sie unbekanntes Gelände: Noch nie war ein Bergsteiger auf dem Gipfelaufbau des Berges geklettert. Die begleitenden Träger hatten keine warme Kleidung und froren immer stärker. Da zudem das Schlagen von Stufen im harten Firn sehr anstrengend war, wurde der Plan aufgegeben, auf 8200 m Höhe ein Lager zu errichten. Stattdessen errichteten sie bereits auf 7600 m Höhe ein kleines Lager, das Lager V. Somervell und Morshead konnten ihr Zelt relativ gerade aufbauen, während Mallory und Norton ihr Zelt auf einer schrägen Fläche errichten mussten. Die Träger wurden nun wieder den Berg hinab geschickt. An diesem Abend zeigten sich bei den Bergsteigern erste Anzeichen von Erfrierungen.
Am 21. Mai verließen die vier Bergsteiger gegen 6:30 Uhr ihre Schlafsäcke und waren um 8 Uhr startbereit. Während dieser Vorbereitungsphase fiel ein Rucksack mit Proviant den Berg hinunter. Morshead, der stark unter der Kälte litt, da er am Vortag seine warme Kleidung nicht angezogen hatte, konnte den Rucksack zurückholen. Allerdings war er danach so erschöpft, dass er den Besteigungsversuch nicht fortsetzen konnte. Der Aufstieg von Mallory, Somervell und Norton erfolgte entlang des Nordgrates Richtung Nordostgrat. Die Bedingungen waren erneut nicht ideal, da eine leichte Schneedecke die Route bedeckte. Sie war nach Aussagen Mallorys aber nicht schwer zu begehen. Kurz nach 14 Uhr entschieden sich die Bergsteiger zur Umkehr. Sie waren zu diesem Zeitpunkt etwa 150 m unterhalb des Nordostgrates. Die von ihnen erreichte Höhe von 8225 m bedeutete einen neuen Höhenweltrekord für Bergsteiger. Gegen 16 Uhr erreichten sie Morshead beim letzten Lager und stiegen dann gemeinsam weiter ab. Dabei kam es fast zu einem schweren Unglück, als außer Mallory alle Bergsteiger ausrutschten. Mallory konnte sie aber sichern. Die Rückkehr ins Lager IV wurde durch die Dunkelheit der Nacht erschwert. Am Morgen des 22. Mai begannen sie gegen 6 Uhr den Abstieg vom Nordsattel.

Zweiter Besteigungsversuch
Nordwand des Mt.Everest, die grüne Linie ist der damals versuchte Weg mit Hochlagern; die rote Linie kennzeichnet das Norton-Couloir; ? ist der 2nd Step; a) ist der Punkt, bis zu dem Finch kam
Der zweite Besteigungsversuch wurde von George Ingle Finch, Geoffrey Bruce und dem Gurkha Tejbir mit Sauerstoff-Unterstützung durchgeführt. Nachdem Finch wieder gesund war, musste er feststellen, dass außer ihm keine wirklichen Bergsteiger mehr zur Verfügung standen. Deshalb suchte er andere, die seiner Meinung nach fit genug für die Besteigung sein könnten. Bruce und Tejbir schienen ihm am ehesten qualifiziert. In der Zeit zuvor waren die Sauerstoffflaschen bis in das Lager III transportiert worden, sodass ausreichend Flaschen am Berg zur Verfügung standen. Die drei Bergsteiger erreichten dieses Lager am 20. Mai, konnten während der folgenden Tage die Sauerstoffflaschen testen und befanden sie für gut.
Am 24. Mai stiegen sie mit Noel auf den Nordsattel. Von dort begannen Finch, Bruce und Tejbir am darauffolgenden Tag bei mäßigem Wetter (es war sehr windig) gegen 8 Uhr mit dem Aufstieg über den Nordgrat zum Nordostgrat. Zwölf Träger transportierten die Sauerstoffflaschen und das weitere Material. Dabei zeigte sich erneut, dass die Verwendung von künstlichem Sauerstoff Vorteile brachte: Die drei Bergsteiger konnten, trotz ihrer größeren Last, wesentlich schneller aufsteigen als die Träger. Da der Wind immer stärker wurde, mussten sie das Lager bereits auf 7460 m Höhe errichten. Am folgenden Tag, dem 26. Mai, verschlechterte sich das Wetter weiter und die Gruppe konnte nicht mehr weiter aufsteigen.
Der Aufstieg konnte somit erst am 27. Mai fortgesetzt werden. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch die Lebensmittelvorräte fast aufgebraucht, da kein so langer Aufenthalt geplant gewesen war. Trotzdem machten sie sich gegen 6:30 Uhr auf den Weg. Die Sonne schien, das Bergsteigen wurde aber durch einen stärker werdenden Wind erschwert. Tejbir, der keine winddichte Kleidung besaß, wurde bald langsamer und brach dann auf 7925 m Höhe zusammen. Finch und Bruce schickten ihn zurück zum Lager und setzten ihren Aufstieg zum Nordostgrat fort, von jetzt an nicht mehr angeseilt. Auf etwa 7950 m Höhe änderte Finch wegen des Windes die geplante Route und wich in die Nordflanke des Berges in Richtung der steilen, später Norton-Couloir genannten, Schlucht aus. Dabei kamen sie in horizontaler Richtung gut voran, an Höhe gewannen sie aber kaum. Auf etwa 8326 m Höhe bekam Bruce plötzlich ein Problem mit dem Sauerstoffgerät. Finch bemerkte nun, dass Bruce sehr erschöpft war, und sie drehten um. Auch bei diesem Besteigungsversuch wurde somit der Höhenrekord erneut gebrochen. Gegen 16 Uhr erreichten die Bergsteiger das Lager auf dem Nordsattel und nur anderthalb Stunden später das Lager III.

Dritter Besteigungsversuch
Nach dem Willen des Expeditionsarztes Longstaff hätte es keinen dritten Besteigungsversuch mehr gegeben: Sämtliche Bergsteiger hatten Erfrierungen oder waren anderweitig erkrankt und zudem völlig erschöpft. Da aber die anderen Ärzte, Somervell und Wakefield, kein großes Risiko sahen, wurde der dritte Versuch trotzdem unternommen.
Am 3. Juni 1922 starteten Mallory, Somervell, Finch, Wakefield und Crawford mit 14 Trägern am Basislager. Finch musste bereits am Lager I aufgeben. Die anderen kamen am 5. Juni in Lager III an und verbrachten dort einen Tag. Mallory war beeindruckt von den Leistungen Finchs – dieser war höher als er selbst gekommen und auch horizontal näher am Gipfel gewesen – und wollte nun ebenfalls Sauerstoffflaschen mitnehmen.
Am 7. Juni wurden die Träger oberhalb von Lager III von Mallory, Somervell und Crawford durch die Flanke des Nordsattels geführt. Die 17 Männer hatten 4 Seilschaften gebildet, wobei die europäischen Bergsteiger alle in der ersten Seilschaft gingen und die Spur traten. Auf halber Strecke löste sich plötzlich ein Schneebrett. Mallory, Somervell und Crawford wurden nur leicht verschüttet und konnten sich schnell befreien. Die Gruppe hinter ihnen wurde jedoch etwa 30 m weit mitgerissen, während die übrigen neun Träger der restlichen zwei Seilschaften in eine Spalte fielen. Zwei der Träger konnten lebend, sechs weitere tot geborgen werden. Einer der Toten wurde nicht gefunden. Dieses Unglück bedeutete das Ende der Expedition. Bereits am 2. August waren alle Expeditionsteilnehmer zurück in Darjiling.

Nach der Expedition
Nach der Rückkehr nach England unternahmen Mallory und Finch eine Vortragsreise und berichteten über die Expedition. Diese Reise hatte zwei Ziele: Zunächst sollte die interessierte Öffentlichkeit über die Ereignisse und Ergebnisse informiert werden, zum anderen sollte mit den Einnahmen eine weitere Expedition finanziert werden. Mallory führte zudem im Jahr 1923 eine dreimonatige Vortragsreise in Nordamerika durch. Während dieser Reise wurde Mallory gefragt, warum er auf den Mount Everest steigen wolle. Die berühmt gewordene Antwort Mallorys lautete: „Because it is there“ (Weil er da ist). Die für das Jahr 1923 geplante Expedition zum Mount Everest musste aus finanziellen und organisatorischen Gründen um ein Jahr verschoben werden; unter anderem war die Vorbereitungszeit für eine erneute Expedition zu kurz.
Der Film, den Noel während der Expedition gedreht hatte, wurde ebenfalls veröffentlicht. Climbing Mount Everest lief zehn Wochen lang in der Philharmonic Hall in London und war nach einer misslungenen Premiere und dem nachträglichen Hinzufügen von Musik ein großer Erfolg.
Die Mitglieder der Expedition erhielten für ihre Leistungen den Prix olympique d'alpinisme bei den Olympischen Winterspielen von 1924. Allen 13 Teilnehmern wurde von Pierre de Coubertin persönlich je eine vergoldete Silbermedaille verliehen.
Im Jahr 2001 wurde das ehemalige Lager III auf einer Höhe von etwa 6350 m entdeckt. Dort wurden drei Sauerstoffflaschen, Konservendosen, Trockenbrennstoff-Kocher und Batterien gefunden. Weiterhin wurde eine Sauerstoffflasche des zweiten Besteigungsversuches vom Nordgrat aus in etwa 7570 m Höhe geborgen.

1922 waren keine topographischen Untersuchungen mehr geplant und die Expedition in die Vormonsunzeit gelegt. Die Besteigungsversuche wurden in kleinen Gruppen unternommen. Den ersten Versuch machten Mallory, Somervell, Norton und Morshead ohne die Verwendung von zusätzlichem Sauerstoff. Sie errichteten auf 7600 m Höhe ein kleines Lager und setzten am folgenden Tag den Aufstieg fort. Morshead musste die Besteigung recht schnell abbrechen, die anderen Bergsteiger kamen an diesem Tag auf eine Höhe von 8225 m. Dies war ein neuer Höhenweltrekord für Bergsteiger.
Der zweite Versuch wurde von George Ingle Finch, Geoffrey Bruce und dem Gurkha Tejbir mit Sauerstoffflaschen durchgeführt. Obwohl sie zunächst gut vorankamen, konnten sie auf Grund starker Winde das Lager nur auf 7460 m errichten. Den Aufstieg konnten sie erst zwei Tage später fortsetzen. Da Tejbir keine winddichte Kleidung besaß, begann er früh zu erlahmen. Auf 7925 m brach er zusammen. Finch und Bruce schickten ihn zurück zum Lager und setzten ihren Aufstieg fort. Sie kamen bis auf eine Höhe von 8326 m, ein erneuter Höhenrekord.

Den dritten Besteigungsversuch führten Mallory, Somervell und Crawford durch. Mallory war beeindruckt von den Leistungen Finchs – dieser war höher als er selbst gekommen und auch horizontal näher am Gipfel gewesen – und wollte nun ebenfalls Sauerstoff mitnehmen. Beim Aufstieg von Lager III löste sich eine Lawine und riss sieben Träger mit sich, die nicht gerettet werden konnten. Die Expedition war damit beendet.

Britische Mount-Everest-Expedition 1924
Die Nordflanke des Mount Everest
Die Britische Mount-Everest-Expedition 1924 war nach der ebenfalls britischen Expedition im Jahr 1922 die zweite Expedition, die ausdrücklich die Erstbesteigung des 8.848 m hohen Mount Everest zum Ziel hatte. Im Jahr 1921 hatte eine Erkundungsexpedition stattgefunden. Weil das Königreich Nepal für Ausländer gesperrt war, stand den britischen Expeditionen in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg nur der Zugang von der tibetischen Nordseite her offen.
Während der Expedition wurden drei Besteigungsversuche unternommen. Der erste scheiterte früh an der Mitarbeit der Träger, den zweiten brach Edward Norton auf Grund der späten Uhrzeit ab, er erreichte aber mit 8573 m eine neue Rekordhöhe für Bergsteiger. Beim dritten und letzten Besteigungsversuch verschwanden die Bergsteiger George Mallory und Andrew „Sandy“ Irvine. Bis heute wird darüber spekuliert, ob sie den Gipfel erreicht hatten. Die Leiche Mallorys wurde im Jahre 1999 gefunden und identifiziert.

Motivation und Ausgangslage
Briten waren Anfang des 20. Jahrhunderts an den Wettläufen zur Erreichung des Nordpols und des Südpols beteiligt, jedoch nicht erfolgreich gewesen. Die Erstbesteigung des höchsten Bergs der Erde wurde seither unter dem Motto „Eroberung des Dritten Pols“ intensiv diskutiert und auch mit nationalem Prestige verknüpft. Die Schmach, an den geografischen Polen zu spät gekommen zu sein, sollte am „Dritten Pol“ getilgt werden. Hinzu kamen nationalistisch orientierte Motive, da der Everest, bedingt durch die politische Präsenz der Engländer in Tibet, quasi als Grenzgipfel des britischen Empires angesehen wurde.
Die Südseite des Berges, über die die heutige Standard-Südroute zum Gipfel führt, war weder erkundet noch für eine Erkundung offen: Nepal galt für westliche Ausländer als „Verbotenes Land“. Auch der Weg über die Nordseite war mit politischen Problemen behaftet: Erst nach besonderen Anstrengungen englischer Regierungsvertreter erlaubte der Dalai Lama die englischen Expeditionsaktivitäten. Tibet war Teil des von den damaligen Großmächten Russland und England in ganz Mittelasien betriebenen „Großen Spiels“ um Macht, Einfluss und wirtschaftlichen Vorrang.
Ein großes Handicap aller Expeditionen zur Nordseite des Mount Everest war das enge Zeitfenster nach der Winterzeit vor dem Einsetzen des Monsunregens. Um vom indisch-englischen Kolonialreich aus von Darjiling über Sikkim nach Tibet zu gelangen, war das Begehen hoher und winterlich lange verschneit bleibender Pässe östlich der Region des Kangchendzönga notwendig. Dieser ersten Etappe folgte eine langwierige Anreise durch das Arun-Tal bis zum Rongpu-Tal an die Nordwand des Everest. Die mit Pferden, Eseln und Yaks transportierenden Expeditionen erreichten jeweils erst im späten April die Zielregion; und im Juni setzt der Monsun ein.

Vorbereitungen
Vor dieser Expedition 1924 gab es bereits zwei andere. Alle drei Expeditionen wurden von der Royal Geographical Society und dem Alpine Club gemeinsam durch das Mount Everest Committee nach überwiegend militärischen Prinzipien, und auch mit Beteiligung des Militärs, organisiert.
Bei der ersten Expedition im Jahr 1921 stand die Vermessung der Region um den Mount Everest im Vordergrund, die Erstbesteigung war nicht ausdrückliches Ziel. Während des Aufenthaltes wurde aber auch über mögliche Aufstiegsrouten spekuliert. Zunächst glaubte der damalige bergsteigerische Leiter, Harold Raeburn, eine gangbare Route zum Gipfel entdeckt zu haben. Sie hätte über den kompletten Nordostgrat geführt. Später schlug Mallory, der bei allen Mount-Everest-Expeditionen der 1920er Jahre dabei war, eine modifizierte Route vor, die ihm leichter erschien. Diese führte zunächst über den Nordsattel und den Nordgrat und erst dann auf den zum Gipfel führenden Nordostgrat. Nach Auffinden des östlichen Zugangs zum Nordsattel war seit 1921 der gesamte Weg ausgekundschaftet und im Wesentlichen klar – er musste „nur noch“ begangen werden.
Während der Britischen Mount-Everest-Expedition 1922 wurden auf der von Mallory vorgeschlagenen Route erfolglos mehrere Besteigungsversuche unternommen. Nach deren Rückkehr reichten die Vorbereitungszeit und vor allem die finanziellen Mittel aber nicht mehr aus, auch im Jahr 1923 eine Expedition zu entsenden. Dies war vor allem der Pleite der Alliance Bank in Simla geschuldet, bei der das Committee 700 Pfund verlor. Daher wurde der erneute Besteigungsversuch auf das Jahr 1924 verschoben.
Vor allem die Rolle der Träger wurde im Vorfeld der Expedition neu überdacht. 1922 hatte man festgestellt, dass sie ihre Lasten in größere Höhen tragen konnten als angenommen und somit im Plan der Besteigung wesentlich mehr einbezogen werden könnten.

Sauerstoff
Das Mount-Everest-Committee war sich nicht einig, ob Flaschensauerstoff mitgeführt werden sollte. 1922 hatten George Ingle Finch und Geoffrey Bruce mit Flaschensauerstoff zwar einen Höhenweltrekord für Bergsteiger aufgestellt, ihre Leistungen wurden im Nachhinein aber weniger anerkannt als die von Mallory, Norton und Somervell. Diese Bergsteiger waren dem Gipfel zwar nicht so nahe gekommen, dafür aber ohne Sauerstoffflaschen aufgestiegen. Das Aufsteigen mit Flaschensauerstoff wurde von manchen als unehrenhaft abgelehnt.
Obwohl man vom Nutzen nicht wirklich überzeugt war, wurde die Expedition mit Sauerstoff in Flaschen ausgerüstet. In den zwei Jahren zwischen den Expeditionen waren die Sauerstoffgeräte technisch verbessert worden, der entscheidende Unterschied lag im Fassungsvermögen der Zylinder. Passten 1922 nur 240 Liter Sauerstoff in eine Flasche, waren es im Jahr 1924 schon 535 Liter. Das Bruttogewicht der Geräte von ca. 15 kg konnte zwar nicht reduziert werden, die Sauerstoffmenge aber war nun mehr als doppelt so groß.
Noel Odell sollte auf dieser Expedition der für die Geräte Verantwortliche sein. Da sich Odell jedoch bei der Abreise aus England noch im Ausland befand, machte sich Irvine mit den Geräten vertraut. Schon vor der Abreise hatte er der Herstellerfirma Verbesserungsvorschläge per Brief zukommen lassen, doch waren diese nicht berücksichtigt worden. So machte sich Irvine im Laufe der Expedition daran, die Geräte selbst zu verbessern. Seine modifizierten Geräte waren wohl wesentlich leichter und weniger störungsempfindlich geworden, dennoch hatten die Sauerstoffzylinder oftmals Defekte und leckten. Die Unzuverlässigkeit der Geräte war neben der Diskussion um die Ethik des Bergsteigens der Grund, warum es auch unter den Expeditionsteilnehmern keine einheitliche Meinung zu ihrer Verwendung gab.

Teilnehmer
Verantwortlich für die Leitung sollte wie zwei Jahre zuvor wieder Brigadier-General Charles G. Bruce sein. Er war verantwortlich für die Beschaffung von Material, die Anwerbung von Trägern und die Wahl der Anmarschroute.
Zudem war die Auswahl der Bergsteiger schwierig. Während des Ersten Weltkriegs waren einige junge Männer gestorben, die zu diesem Unternehmen in der Lage gewesen wären. Fest stand, dass Mallory erneut mit dabei sein sollte, ebenso Howard Somervell, Edward “Teddy” Norton und Geoffrey Bruce. George Ingle Finchs Teilnahme war auf Grund seiner Klassenzugehörigkeit umstritten. Er suchte nicht, wie andere Bergsteiger, die Nähe zum elitären Auswahlkomitee. Auch seine Präferenz für Flaschensauerstoff stieß auf Kritik. Das Auswahlteam war nicht der Meinung, dass man nur mit künstlichem Sauerstoff Erfolg haben könne.
Neu ins Team kamen Noel Odell, Bentley Beetham und John de Vere Hazard. Andrew Sandy Irvine, ein Maschinenbaustudent, den Odell von einer Expedition nach Spitzbergen kannte, war so etwas wie das „Experiment“ des Unternehmens und gleichzeitig ein Versuch, „junges Blut“ zum Everest zu bringen. Auf Grund seines technischen Verständnisses konnte Irvine im Laufe der Expedition die mitgenommenen Sauerstoffgeräte wie erwähnt stark verbessern sowie viele Reparaturen durchführen.
Die Expeditionsteilnehmer wurden nicht allein nach bergsteigerischen Qualitäten ausgewählt. Es spielten sowohl die Schichtzugehörigkeit als auch die Zugehörigkeit zum Militär und die zu bestimmten Berufen eine wichtige Rolle. Insbesondere für die Öffentlichkeit wurden militärische Ränge oder Universitätsabschlüsse der einzelnen Expeditionsteilnehmer hervorgehoben.
Somit setzte sich das Expeditionsteam, neben einer großen Anzahl von Trägern, aus folgenden Personen zusammen:

Name Funktion Beruf
Charles G. Bruce (1866–1939) 73J - Expeditionsleiter - Offizier, Rang: Brigadier
Edward F. Norton (1884–1954) 70- Stellvertretender Expeditionsleiter und Bergsteiger - Offizier, Rang: Lieutenant-Colonel
George L. Mallory (1886–1924) 38- Bergsteiger - Lehrer
Bentley Beetham (1886–1963) 77j- Bergsteiger - Lehrer
J. Geoffrey Bruce (1896–1972) 76j- Bergsteiger, Verantwortlicher für die Träger - Offizier, Rang: Captain
John de Vere Hazard (1885–1968) 83j- Bergsteiger, Landvermesser - Ingenieur
Richard W.G. Hingston (1887–1966) 79j- Expeditionsarzt, Naturalist - Arzt und Offizier, Rang: Major
Andrew C. Irvine (1902–1924) 22j- Bergsteiger - Student
John B.L. Noel (1890–1989) 99j- Fotograf, Filmkameramann - Offizier, Rang: Captain
Noel E. Odell (1890–1987) 97j- Bergsteiger Geologe
Edward O. Shebbeare (1884–1964) 80j- Transportoffizier Verwaltungsbeamter im indischen Ministerium für Forstwirtschaft
Dr. T. Howard Somervell (1890–1975) 85j- Bergsteiger - Arzt

Anreise
Ende Februar 1924 trafen Charles und Geoffrey Bruce, Norton und Shebbeare in Darjiling ein. Dort wählten sie aus einer Reihe von Tibetern und Sherpas die Träger aus. Zudem wurden wie zwei Jahre zuvor der gebürtige Tibeter Karma Paul als Dolmetscher und Gyalzen als Sirdar (Führer der Träger) angestellt. Auch die Auswahl der Ausrüstungsgegenstände und Nahrungsmittel ging kontinuierlich voran, sodass Ende März 1924, als alle Expeditionsteilnehmer versammelt waren, der Anmarsch zum Mount Everest begann. Man folgte weitgehend der Route, die 1921 und 1922 genommen worden war. Um die Unterkünfte nicht zu überfüllen, marschierte und nächtigte man in zwei Gruppen. Anfang April wurde Yatung erreicht, Phari Dzong am 5. April. Dort gab es Schwierigkeiten mit den Behörden, die sich über zwei Tage hinzogen. Der Hauptteil der Expedition wanderte dann auf dem bekannten Weg Richtung Kampa Dzong, während Charles Bruce und einige andere eine leichtere, aber deutlich längere Route wählten. Auf diesem Weg erkrankte Bruce so schwer an Malaria, dass er die Expeditionsleitung nicht weiter ausüben konnte und sie an Norton übergab, der diese Aufgabe zur völligen Zufriedenheit aller erfüllen sollte. Am 23. April kam die Expedition in Shekar Dzong an; am 28. April erreichte sie das Rongpu-Kloster, nur wenige Kilometer vom geplanten Basislager entfernt. Der Lama des Klosters war krank und konnte weder die Briten begrüßen noch die Träger segnen, wie er es zwei Jahre zuvor getan hatte. Am folgenden Tag erreichten sie das Basislager vor der Gletscherzunge im Haupt-Rongpu-Tal. Nachdem das Wetter während des Anmarsches akzeptabel gewesen war, war es hier sehr kalt und es fiel Schnee.

Mallory hatte im Jahr 1921 vom Lhakpa La aus eine gangbare Route zur Nordseite des Berges und weiter zum Gipfel entdeckt. Diese Route beginnt am Rongpu-Gletscher und verläuft dann über den einmündenden Östlichen Rongpu-Gletscher zunächst zum Nordsattel. Von dort aus ermöglichen die ausgesetzten Gipfelgrate (Nordgrat und Nordostgrat) den weiteren Aufstieg. Ein ernsthaftes, kräftezehrendes und klettertechnisch schwieriges Hindernis ist die zweite Felsstufe im Nordostgrat, der Second Step in etwa 8610 m Höhe, deren Schwierigkeit vor der Expedition aber noch unbekannt war. Vielmehr wurde der Berg oberhalb des Nordsattels als einfacher Felsberg angesehen. Der Second Step hat eine Kletterhöhe von etwa vierzig Metern, die letzten fünf Meter sind fast senkrecht. Von dort führt die zumeist auf dem Grat verlaufende Route noch recht weit und auch über das bis zu 50 Grad steile Gipfelschneefeld. Erstmals gelang chinesischen Bergsteigern im Jahr 1960 die Bewältigung dieser Route. Abweichend zu dieser späteren Erstbegehung erwogen die Briten, oberhalb des Nordsattels in die Nordflanke des Berges zu queren und über eine steile Schlucht, die später Norton-Couloir genannt wurde, den Gipfel zu ersteigen. Über diese Route erreichte erst Reinhold Messner im Jahr 1980 den Gipfel.

Aufbau der Lager
Die Positionen der ersten Hochlager waren schon vor der Expedition geplant worden. Das Lager I wurde auf etwa 5500 m am Zusammenfluss des Östlichen Rongpu-Gletschers mit dem Hauptarm errichtet. Das Lager II wurde auf halbem Weg zu den Steilhängen des Nordsattels auf etwa 5900 m aufgebaut. Direkt unter dem vereisten Steilhang wurde das vorgeschobene Basislager (auch Lager III genannt) auf 6400 m errichtet. Die Ausrüstungsgegenstände wurden vor allem von etwa 150 neu angeworbenen Trägern vom Basislager zu den Hochlagern transportiert. Sie bekamen für ihre Arbeit etwa einen Schilling pro Tag. Allerdings verschwanden viele der Träger nach kurzer Zeit, da sie auf ihren Feldern arbeiten mussten. Ende April 1924 wurde begonnen die Lager I bis III aufzubauen; nach einigen Schwierigkeiten war ihr Ausbau in der ersten Maiwoche abgeschlossen.
Der weitere Aufstieg verschob sich auf Grund eines Schneesturmes. Am 15. Mai nahmen die Expeditionsteilnehmer den Segen des Lamas im Kloster Rongpu entgegen. Von nun an besserte sich das Wetter; Norton, Mallory, Somervell und Odell kamen am 19. Mai im Lager III an. Nur einen Tag später begannen sie mit dem Sichern des Aufstiegs auf den Nordsattel, kehrten jedoch am Abend zunächst zum Lager III zurück. Das Lager IV konnte schließlich am 21. Mai auf dem Nordsattel (etwa 7000 m) errichtet werden.
Während der folgenden Tage verschlechterte sich das Wetter erneut. Hazard wurde mit zwölf Trägern und nur wenigen Nahrungsmitteln im Lager IV zurückgelassen. Später gelang es ihm mit acht Trägern abzusteigen. Die verbliebenen vier Träger bekamen Angst und kehrten, nachdem sie Hazard zunächst gefolgt waren, ins Lager IV zurück. Dort waren jedoch kaum noch Lebensmittel vorhanden und es wurden Schneefälle erwartet. Die vier Träger wurden anschließend von Norton, Mallory und Somervell gerettet, obwohl diese drei selbst alle krank waren. Nun versammelte sich die gesamte Mannschaft im Lager I. Dort wurden 15 Träger ausgewählt, die sich als besonders geeignet für das Bergsteigen erwiesen hatten. Diese Elitegruppe bekam die Bezeichnung the tigers (die Tiger).

Besteigungsversuche
Den ersten Besteigungsversuch unternahmen Mallory und Bruce. Danach bekamen Somervell und Norton eine Chance. Odell und Irvine unterstützten die ersten beiden Gipfelteams von Lager IV aus, Hazard von Lager III. Die Unterstützer waren die Reserve für einen dritten Besteigungsversuch. Beim ersten und zweiten Besteigungsversuch war auf Flaschensauerstoff verzichtet worden.

Der erste Besteigungsversuch
Am 1. Juni 1924 begannen Mallory und Bruce, unterstützt von neun Trägern, mit dem weiteren Aufstieg vom Nordsattel aus. Das Lager IV lag relativ windgeschützt 50 m unter der Nordsattelkante; als die beiden den Schutz verließen, waren sie sehr starkem Wind ausgesetzt. Bevor das Lager V auf etwa 7700 m errichtet werden konnte, hatten vier Träger ihre Lasten abgelegt. Während Mallory die Plattformen für die Zelte errichtete, musste Bruce zusammen mit einem Träger diese abgelegten Lasten holen. Am folgenden Tag weigerten sich drei weitere Träger, den Aufstieg fortzusetzen; der Besteigungsversuch wurde abgebrochen, ohne das Lager VI errichtet zu haben. Auf halbem Weg zum Lager IV trafen sie auf Norton und Somervell, die gerade mit dem zweiten Besteigungsversuch begannen.

Der zweite Besteigungsversuch
Der zweite Besteigungsversuch wurde bereits ab dem 2. Juni von Norton und Somervell mit Unterstützung von sechs Trägern unternommen. Sie waren erstaunt, Mallory und Bruce so schnell absteigen zu sehen, und machten sich Sorgen, ob ihre Träger ebenfalls nicht über Lager V hinaussteigen würden. Diese Sorge sollte sich als unbegründet erweisen. So wurden am Abend zwei Träger zurück ins Lager IV geschickt, während sich die verbliebenen vier Träger in ein und die zwei Briten in ein anderes Zelt legten. Am folgenden Tag waren drei Träger bereit, ihre Lasten weiter den Berg hinauf zu tragen. Lager VI wurde auf etwa 8140 m in einer kleinen Felsnische errichtet. Nun wurden die Träger zum Nordsattel zurückgeschickt. Am 4. Juni konnten sich die Bergsteiger erst gegen 6:40 Uhr auf den Weg machen, weil eine Thermosflasche mit Trinkwasser ausgelaufen war und erst neuer Schnee geschmolzen werden musste. Das Wetter schien ideal. Nach etwa 200 die Nordwand traversierenden Höhenmetern setzte aber beiden die Höhe so zu, dass sie viele Pausen einlegen mussten.
Gegen Mittag konnte Somervell nicht mehr weiter aufsteigen; Norton ging allein weiter. Dabei peilte er nicht den Nordostgrat an, sondern blieb deutlich unter der Grathöhe und querte in die Nordwand in Richtung einer Steilschlucht, die sich bis zum östlichen Fuß der Gipfelpyramide zieht. Diese Steilschlucht wird seitdem Norton-Couloir genannt. Dabei machte Somervell eine der bekanntesten Aufnahmen der Expedition: Sie zeigt Norton, wie er auf 8573 m Höhe vorsichtig über steile, von frischem Schnee bedeckte Platten stieg. Bis ins Jahr 1952 konnte kein Bergsteiger nachweisen, eine größere Höhe erreicht zu haben. Die leichteren Hänge der Gipfelpyramide waren nur noch 60 Meter über ihm, als er sich zur Umkehr entschloss. Er begründete dies mit der fehlenden Zeit und Zweifeln an der eigenen Leistungsfähigkeit. Er erreichte Somervell gegen 14 Uhr; sie stiegen gemeinsam weiter ab. Somervell ging hinter Norton. Er hatte sich selbst bereits aufgegeben, als er sich auf den Boden setzte, und drohte an einem Schleimpfropf in seiner Luftröhre zu ersticken. In einem letzten verzweifelten Versuch presste er mit den Armen seinen Oberkörper zusammen und schaffte es schließlich doch noch, den Pfropf zu lösen. Kurz darauf ging es ihm wesentlich besser.
Unterhalb von Lager V wurde es dunkel, dennoch erreichten sie Lager IV. Hier wurden ihnen Sauerstoffflaschen gebracht, die sie aber ablehnten. Stattdessen verlangten sie nach Getränken. In der Nacht eröffnete Mallory Norton seinen Plan, einen Versuch mit Sauerstoffflaschen zu unternehmen. Norton hatte an den folgenden Tagen mit einer Schneeblindheit zu kämpfen.

Der dritte Besteigungsversuch
Mallory und Bruce waren während des Besteigungsversuches von Somervell und Norton in das Lager III abgestiegen und mit Sauerstoffflaschen erneut aufgestiegen. Als Begleitung für den dritten Besteigungsversuch hatte Mallory Irvine ausgewählt. Bei der Wahl Mallorys für Irvine waren vermutlich weniger dessen bergsteigerische Qualitäten als vielmehr seine Kenntnisse der Sauerstoffgeräte ausschlaggebend. Zudem hatten sich Mallory und Irvine bereits während der Anreise angefreundet.
Den 5. Juni verbrachten die Bergsteiger in Lager IV. Um 8:40 Uhr des folgenden Tages machten sich Mallory und Irvine zusammen mit acht Trägern auf den Weg zu Lager V, wo sie vier Träger wieder hinabschickten. Am 7. Juni erreichten sie Lager VI. Odell ging derweil mit einem Träger ins Lager V. Kurz nach seinem Eintreffen dort kamen auch die restlichen vier Träger von Mallory und Irvine im Lager V an; Mallory hatte sie hinuntergeschickt. Sie übergaben Odell unter anderem eine Nachricht von Mallory an John Noel.

Lieber Noel,
wir werden morgen (am 8.) vermutlich sehr früh aufbrechen, um klares Wetter zu haben. Es wird nicht zu früh sein, um 8 p.m. nach uns Ausschau zu halten, entweder beim Queren des Felsbandes unter der Gipfelpyramide oder beim Aufstieg am Grat.
Ihr
G Mallory

Mallory meinte hier nicht 8 p.m. (also abends), sondern 8 a.m. (morgens).
Odell machte sich am Morgen des 8. Juni auf den Weg, um einen guten Aussichtspunkt zu erreichen. Um ihn herum war der Berg in Wolken gehüllt, weshalb er Mallory und Irvine nicht sehen konnte. Er kümmerte sich dabei vor allem um geologische Forschungen und wollte den anderen bei Gelegenheit beim Abstieg helfen. Er erkletterte auf etwa 7900 m einen Felszacken. Dort riss gegen 12:50 Uhr der Nebel kurz auf. Odell vermerkte in seinem Tagebuch, dass er „M & I am Grat sah, wie sie auf den Fuß der Gipfelpyramide gingen“. In einer ersten Nachricht am 5. Juli an die Times beschrieb er dies genauer. Demnach sah er den ganzen Gipfel, Kamm und Gipfelpyramide des Everests. Seine „Augen erfassten einen winzigen schwarzen Punkt, der sich auf einer kleinen Firnschneide unter einer Felsstufe im Kamm als Silhouette abhob, und der Punkt bewegte sich. Ein zweiter schwarzer Punkt bewegte sich hinauf zu dem anderen auf dem Grat. Der erste ging dann die große Felsstufe an und tauchte im Nu oben auf; die zweite folgte“. Odell meinte zunächst, dass er beide Bergsteiger am Second Step gesehen habe.
Odell war zum Zeitpunkt der Beobachtung allerdings besorgt, weil sich beide erheblich hinter ihrem Zeitplan befanden. Odell stieg nach der Beobachtung hinauf in das Lager VI, in dem er ein großes Chaos vorfand. Kleidung, Nahrungsmittel, Sauerstoffflaschen und Teile der zugehörigen Apparaturen lagen verstreut im Zelt. Nach kurzem Aufenthalt stieg er noch etwas höher und versuchte, durch Rufen und Pfeifen im einsetzenden Schneesturm auf sich aufmerksam zu machen und den Bergsteigern den Abstieg zu erleichtern. Als Odell wieder zurück ins Lager VI kam, hörte der Schneefall auf. Er suchte den Berg nach Mallory und Irvine ab, konnte sie aber nicht entdecken.
Da Mallory schnell absteigen wollte und im Lager VI nur Platz für zwei Personen war, hatte er Odell angewiesen, bis zum Abend ins Lager IV zurückzukehren, das dieser gegen 18:45 Uhr erreichte. Am 9. Juni machte sich Odell mit zwei Trägern erneut auf den Weg nach oben, da bisher kein Zeichen von Mallory oder Irvine entdeckt worden war. Gegen 15:30 Uhr kamen sie im Lager V an, wo sie die Nacht verbrachten. Am folgenden Tag ging Odell allein zum Lager VI und fand es unverändert vor. Dann stieg er vermutlich bis auf 8300 m, doch auch von dort aus konnte er keine Spur der vermissten Bergsteiger entdecken. Im Lager VI legte er zwei Schlafsäcke in Form eines „T“ aus, was das verabredete Zeichen für Keine Spur zu finden; Hoffnung aufgegeben an die weiter unten am Berg wartenden Expeditionsteilnehmer war. Anschließend stieg Odell bis zum Lager IV ab. Am Morgen des 11. Juni wurde mit dem Abstieg vom Nordsattel begonnen und die Expedition beendet. Fünf Tage später verabschiedeten sich die Bergsteiger vom Lama des Klosters Rongpu.

Nach der Expedition
Die verbliebenen Expeditionsteilnehmer errichteten zu Ehren der in den 1920er Jahren am Mount Everest verstorbenen Menschen eine Gedenkpyramide. Mallory und Irvine wurden nach ihrem Tod zu Nationalhelden. Die Universität Oxford, an der Irvine studiert hatte, widmete ihm einen Gedenkstein. In der Saint Paul’s Cathedral wurde im Beisein des Königs und anderer Adliger sowie langjähriger Weggefährten ein Gedenkgottesdienst abgehalten. Erst im Jahr 1933 wurde eine erneute Expedition entsandt – nach den Todesfällen der Sherpas 1922 und der Briten 1924 hatte der Dalai Lama weitere Expeditionen nicht genehmigt. Auch waren Regelverletzungen der Engländer bekannt geworden, z. B. im Rongpu-Tal keine Tiere jagen zu dürfen.

Odells Sichtung
Odell hielt es nach der Expedition für sehr wahrscheinlich, dass Mallory und Irvine den Gipfel des Mount Everest erreicht hatten. Grundlage für diese Beurteilung war der Ort, an dem er die beiden schwarzen Punkte gesehen hatte, und seine Einschätzung der Bergsteiger. Dabei ist festzuhalten, dass Odell den Ort, an dem er sie gesehen haben will, immer wieder variierte. Direkt nach der Expedition war er der Ansicht, die Bergsteiger am Fuß der Gipfelpyramide, also zwischen dem Second und dem Third Step, gesehen zu haben. Die letzte Stufe ist für Bergsteiger kein ernsthaftes Hindernis, weil sie leicht umgangen werden kann. Im Expeditionsbericht schreibt er, dass die Bergsteiger an der letzten Stufe unter der Gipfelpyramide waren, was auf den Second Step hinweist (der Third Step war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Mount-Everest-Nomenklatur bekannt). Später hielt er es auch für möglich, dass er die Bergsteiger am First Step gesehen hatte. Weiterhin waren seine Angaben zur Wetterlage schwankend. So beschreibt Odell zunächst, dass er den ganzen Gipfel sehen konnte, später, dass nur ein Teil des Gipfelgrates frei von Nebel war. Als Odell ein Foto der Expedition 1933 sah, meinte er erneut, er könne die beiden auch am Second Step gesehen haben. 1986 räumte er ein, dass er sich seit damals nie klar darüber war, an welcher Stufe er Mallory und Irvine gesehen hatte.

Funde
Nordwand des Mt.Everest, die grüne Linie ist der damals versuchte Weg mit Hochlagern; die rote Linie kennzeichnet das Norton-Couloir; †1 Fundort Mallorys; ? ist der 2nd Step; b) bezeichnet den Punkt, bis zu dem Norton 1924 kam

Kangshung-Wand, Nahbereich des Mount Everest von Osten, grün die heutige Normalroute Nord und zu weiten Teilen identisch mit dem Anstieg von Mallory und Irvine
Die ersten bedeutsamen Funde, die Aufschluss über den Verbleib von Mallory und Irvine geben können, machte Odell in den Lagern V und VI. In Lager V fand er Mallorys Kompass, der eigentlich als unverzichtbar galt. Zudem entdeckte er mehrere Sauerstoffflaschen und Zubehörteile, sodass er sich zunächst nicht sicher war, ob die beiden verschollenen Bergsteiger überhaupt Sauerstoffflaschen mitgeführt hatten. Dies deutet darauf hin, dass es im Lager ein Problem mit diesen Flaschen gegeben hatte, das Irvine dann zu beheben versuchte oder dass beide den Sauerstoff zum Schlafen nutzten. Auch eine elektrische Taschenlampe verblieb im Zelt – sie funktionierte noch neun Jahre später, als die Expedition von 1933 auf die Reste des Zeltes stieß.
Harris und Wager, Teilnehmer der Britischen Mount-Everest-Expedition 1933, fanden bei ihrem Besteigungsversuch den Eispickel von Irvine etwa 230 Meter östlich vom First Step und 20 Meter unterhalb des Grates. Der Fundort gibt bis heute Rätsel auf. Das Gelände dort ist nicht so schwer, dass man einen Sturz annehmen müsste, allerdings würde kein Bergsteiger am Mount Everest seinen Eispickel freiwillig dort hinlegen.
Der chinesische Bergsteiger Xu Jing entdeckte bei der Erstbegehung des Berges über die Nordroute im Jahr 1960 einen Toten im Gelben Band, einem Felsband aus gelblichem Gestein. Ähnlich beschrieb Chhiring Dorje den Fund eines alten Toten. Bei diesem Toten kann es sich nach heutigen Erkenntnissen nur um Irvine gehandelt haben. Bei der zweiten Besteigung des Berges über die Nordroute im Jahr 1975 entdeckte der chinesische Bergsteiger Wang Hong-bao auf 8100 m einen englischen Toten. Diese Nachricht wurde zwar nie offiziell freigegeben, dennoch war diese Schilderung der Ausgangspunkt für die erste Mallory-und-Irvine-Suchexpedition im Jahr 1986, die jedoch unter schlechten Wetterbedingungen im Nachmonsun stattfand und keine Ergebnisse brachte. 1999 wurde eine erneute Suchexpedition unternommen. Sie wurde von Eric Simonson geleitet, der nach eigenen Angaben unweit des First Step im Jahr 1991 einige sehr alte Sauerstoffflaschen gesehen hatte. Eine dieser Flaschen wurde 1999 gefunden und konnte Mallory und Irvine zugeordnet werden. Zudem wurde versucht, die Position von Odell einzunehmen, als dieser Mallory und Irvine zuletzt beobachtet hatte. Der Bergsteiger Andy Politz schilderte später, dass alle drei Stufen problemlos zu unterscheiden waren. Die wohl bedeutendste Entdeckung in diesem Jahr war aber der Fund der Leiche Mallorys auf einer Höhe von 8155 m. Der Zustand der Leiche lässt darauf schließen, dass er nicht sehr weit gestürzt ist. Ein Sturz vom Grat ist somit unwahrscheinlich, vielmehr kann das Gelbe Band als Unglücksort angenommen werden. Der Leichnam selbst liegt bis heute auf einem nur leicht geneigten Schuttband. Der Fundort des Eispickels von Irvine kann nicht direkt mit dem Fundort der Leiche Mallorys in Verbindung gebracht werden, dazu sind seine Verletzungen nicht schwer genug. Sicher scheint zu sein, dass Mallory stürzte und ein Stück rutschte. Die dabei erlittenen Verletzungen reichten zwar aus, einen Abstieg unmöglich zu machen (Kopfverletzung und ein Bein war gebrochen), er war aber vermutlich nach dem Sturz noch bei Bewusstsein. Anders ist die beinschonende Haltung kaum zu erklären, in der er aufgefunden wurde. Mallory hatte zum Zeitpunkt des Todes keine Schneebrille auf. Das Bild seiner Frau, das er auf dem Gipfel ablegen wollte, war 1999 nicht mehr in seiner Tasche. Da auch die Kamera fehlte, kann nicht gesagt werden, wie hoch er kam. Um seinen Leib war ein gerissenes Seil gebunden.
Bei der bisher letzten Suchexpedition im Jahr 2001 konnte ein Handschuh gefunden werden, der vermutlich ebenfalls von einem der beiden vermissten Bergsteiger stammt. Er lag in der Nähe des Grates auf 8440 m Höhe und könnte als Markierung dort hingelegt worden sein, da hier ein Abstieg zum Nordsattel möglich ist. Weiterhin wurde das letzte Hochlager von Mallory und Irvine auf etwa 8140 m Höhe gefunden.
Die amerikanische Bergsteigerin Sue Gillner fand im Jahr 1981 an der Kangshung-Wand ein Stück Metall mit einer Art Riemen. Dies könnte nach ihren Aussagen Teil einer alten Tragekraxe der Sauerstoffgeräte gewesen sein.

Vermutungen über den möglichen Gipfelerfolg
Bis heute gibt es Mutmaßungen, dass Mallory und Irvine es bis auf den Gipfel des Mount Everest geschafft haben könnten und sie somit die Erstbesteiger des Berges wären. Eine wichtige Frage ist, ob die Kleidung der beiden Bergsteiger für den Gipfel geeignet war. Im Jahr 2000 schafften es spanische Bergsteiger in Reproduktionen der Originalkleidung bis auf eine Höhe von 8550 m. Sechs Jahre später kam der Fernsehproduzent Graham Hoyland in einer Reproduktion der Originalkleidung bis ins vorgeschobene Basislager auf 6400 m. Fälschlicherweise wird oft angegeben, er sei in der Kleidung, die aus mehreren Schichten von Schafwoll-, Baumwoll- und Seidenstoffen unter einer Gabardinejacke bestand, bis auf den Gipfel gekommen. Die aus den Originalmaterialien nachgeschneiderte Kleidung Mallorys wurde auch schon mit modernen Testverfahren auf Winddichtigkeit und Isolationsvermögen geprüft. Sie entspricht demnach etwa einer Lage moderner Thermounterwäsche unter zwei Lagen Fleece und einem Überanzug aus Gore-Tex – bei guten Bedingungen für den Gipfel ausreichend, aber nicht für ein Notbiwak oder starken Schneefall.
Besonders Odells Sichtung wird bis heute viel Beachtung geschenkt. Die Schilderung Odells und das heutige Wissen lassen den Second Step als Ort der Sichtung unwahrscheinlich erscheinen. Dieser ist in so kurzer Zeit, wie von Odell beschrieben, nicht zu erklettern. Nur der First Step und der heute bekannte Third Step sind in so kurzer Zeit erkletterbar. Gegen den First Step spricht, dass Odell sie in seiner ersten Schilderung als kurz unterhalb der Gipfelpyramide kletternd beschrieb. Der First Step ist von dieser sehr weit entfernt; eine Verwechselung ist kaum möglich. Der Third Step scheint aber ebenfalls unwahrscheinlich, denn sein Erreichen hätte eine viel frühere Aufbruchszeit als geplant vorausgesetzt. Trotzdem wurden in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Theorien aufgestellt, ob und wie Mallory und Irvine den Second Step hätten erklettern können. Oscar Cadiach war 1985 der erste, der die Stufe frei kletterte. Er bewertete die Schlusswand mit V+ und damit innerhalb von Mallorys Können. Theo Fritsche bestätigte diese Einschätzung nach seiner Besteigung im Jahr 2001. Conrad Anker ließ die seit 1975 am Step befestigte Leiter im Jahr 2007 abnehmen, um diese Stufe ohne deren Hilfe zu erklettern. Leo Houlding kletterte dabei im Nachstieg und bewertete sie mit VI.
Gegenstand vieler Theorien zum möglichen Gipfelerfolg Mallorys ist auch, dass dieser sich von seinem jungen Partner getrennt haben könnte. So könnte Irvine Mallory mit einem Schulterstand am Second Step geholfen haben, diesen zu überwinden. Oberhalb des Steps könnte Mallory dann alleine bis zum Gipfel gekommen sein. Dafür sprach bis zum Auffinden der Leiche Mallorys der von Wang Hong-bao gesichtete englische Tote, bei dem es sich um Irvine handeln sollte. Dieser sollte laut dieser Theorien beim Warten auf Mallory gestorben sein. Viele attestieren Mallory aber ein ausreichendes Maß an Bergsteigerethik und können sich nicht vorstellen, dass ein Gentleman wie Mallory seinen Schützling alleine lassen würde. Das um Mallorys Leib gebundene, gerissene Seil lässt darauf schließen, dass beide Bergsteiger zum Zeitpunkt des Unglücks angeseilt waren, sie sich also vorher nicht getrennt hatten.
Gegen die Annahme, dass der Gipfel erreicht wurde, spricht auch, dass der Weg von unten her betrachtet sehr viel kürzer erscheint als er eigentlich ist und sie somit vor Einbruch der Dunkelheit kaum auf dem Gipfel gewesen sein könnten. Erst im Jahr 1990 konnte Edmund Viesturs den Gipfel von einer ähnlich weit entfernten Stelle erreichen, wie Mallory und Irvine es vorhatten. Viesturs kannte aber den Weg, während Mallory und Irvine auf völlig unbekanntem Terrain gingen. Zudem war Irvine kein erfahrener Bergsteiger, sondern ein Anfänger, und es erscheint nicht plausibel, dass Mallory seinen neuen Freund derartig in Gefahr gebracht hätte und zum Gipfel stieg, ohne an eine sichere Rückkehr zu denken. Wie und unter welchen Umständen beide Bergsteiger ums Leben kamen, konnte bis heute nicht geklärt werden.
Heutige Ersteiger der im Wesentlichen gleichen Route brechen wegen des sehr langen Hin- und Rückweges und zur Meidung einer zweiten Nacht mit Biwak beim Abstieg in aller Regel bereits um Mitternacht aus dem letzten Hochlager auf 8200 m auf; sie nutzen bis zum Morgengrauen beim Anstieg das Licht elektrischer Stirnlampen – eine Technik, die den Engländern damals nicht verfügbar war.
Die Erstbesteiger Tenzing Norgay und Edmund Hillary fanden auch keinerlei Spuren auf dem Gipfel, die auf eine frühere Besteigung hätten hindeuten können.

1924 wurden das letzte Mal in diesem Jahrzehnt Bergsteiger zum Mount Everest geschickt. Auf dieser Expedition sollte eine Gruppe von acht Bergsteigern versuchen, den Gipfel zu erreichen (Somervell, Norton, Bruce, Mallory, Odell, Beetham, Hazard, Irvine).
Am 1. Juni unternahmen Mallory und Bruce einen Besteigungsversuch, den sie jedoch recht schnell abbrachen. Norton und Somervell kamen im nächsten Versuch besser voran, jedoch konnte Somervell mit der Zeit nicht mehr folgen. Norton drehte auf 8573 m um – eine Höhe, die bis 1952 kein anderer Bergsteiger nachweislich erreichte.
Den letzten Besteigungsversuch unternahm wiederum Mallory, diesmal aber mit Irvine. Sie wollten diesmal mit künstlichem Sauerstoff steigen. Odell sah die beiden nach eigenen Angaben am 8. Juni gegen 12:50 Uhr, wie sie eine Felsstufe am Grat erkletterten. Über den weiteren Verbleib von Mallory und Irvine ist nichts bekannt, da sie von ihrem Besteigungsversuch nicht zurückkehrten. Mallorys Leiche wurde 1999 ohne eindeutigen Beweis für eine Gipfelbesteigung gefunden, Irvine ist nach wie vor verschollen.
Die 1930er und 1940er Jahre

Erste Besteigungsversuche
Die britische Armee-Expedition von Francis Younghusband bahnte sich im Jahre 1904 gewaltsam ihren Weg durch Tibet, um das Land zur Öffnung seiner Grenzen und Gewährung von Handelsprivilegien zu zwingen. Dabei wurde von J. Claude White auch die erste detaillierte Fotografie der Ostflanke von Kampa Dzong aus (etwa 150 Kilometer Entfernung) angefertigt. Bei den eigentlichen Erkundungs- und Besteigungsexpeditionen wurde dagegen versucht, eine Genehmigung durch den Dalai Lama zu erhalten. Es dauerte bis zum Jahr 1921, ehe er der Royal Geographical Society diese Erlaubnis aussprach, welche daraufhin 1921, 1922 und 1924 Expeditionen entsandte (→Britische Mount-Everest-Expedition).

Die erste Britische Erkundungsexpedition wurde 1921 in das Gebiet entsendet. Hier ging es aber noch nicht primär um die Besteigung des Berges, sondern um geologische Vermessungen, die Kartierung des Gebietes und eine erste Erkundung möglicher Aufstiegsrouten. Teilnehmer der Expedition beendeten die Vermessung von 31.000 Quadratkilometern. Im Verlaufe dieser Expedition entdeckte George Mallory vom Lhakpa La aus eine gangbare Route zum Gipfel, die seitherige Standard-Nordroute durch das Tal des östlichen Rongpu-Gletschers auf den Nordsattel. Ein kurzfristig angegangener Besteigungsversuch scheiterte auf dem Nordsattel am einsetzenden Monsun.
In den Jahren 1922 und 1924 wurden mehrere Besteigungsversuche unternommen, die vor allem mit dem Namen Mallory verbunden sind. Beim dritten Versuch der 1922er Expedition löste sich am 7. Juni während des Aufstiegs vom Lager III eine Lawine und riss sieben Träger in den Tod. Im Mai/Juni 1924 unternahm eine Expedition mehrere Anläufe, musste sie aber wegen schlechten Wetters immer wieder aufgeben. Mallory und Andrew Irvine kehrten von ihrem Aufstiegsversuch nicht mehr zurück. Bis heute gibt es Diskussionen um die Frage, ob sie auf dem Gipfel waren oder bereits vorher zu Tode kamen. Mallorys Leiche wurde 1999 ohne eindeutigen Beweis für das Erreichen des Gipfels gefunden, Irvine ist nach wie vor verschollen.
Auch in den 1930er Jahren versuchten mehrere britische Expeditionen, den Gipfel des Mount Everest zu erreichen, bei denen erstmals auch Tenzing Norgay als Träger dabei war. In den 1940er Jahren gab es keine ernsthaften Besteigungsversuche.
In den 1950er Jahren gab es einen Wettlauf zweier Nationen um den Gipfel. Infolge der chinesischen Okkupation war Tibet für Ausländer nicht mehr zugänglich, jedoch hatte das Königreich Nepal, das zwischen 1815 und 1945 Ausländern die Einreise und damit die Erkundung des Himalaya verwehrt hatte, seine Blockadehaltung inzwischen aufgegeben und einzelne Expeditionen genehmigt. Die Südwestseite des Everest war kaum bekannt, Mallory konnte zwar 1921 vom Lho La aus einen Blick auf die Südseite und in das Western Cwm werfen, ob von dort aus aber der Berg besteigbar oder zumindest der Südsattel erreichbar sei, blieb unbekannt. 1951 erkundete eine britische Expedition diesen Zugangsweg. 1952 wurden zwei Schweizer Expeditionen genehmigt, die aber ebenfalls scheiterten.

Die erfolgreiche Erstbesteigung
1953 wurde die neunte britische Expedition zum Mount Everest, diesmal unter der Leitung von John Hunt ausgerichtet. Nachdem mehrere Hochlager errichtet worden waren, wurden zwei Seilschaften gebildet. Die erste Seilschaft sollte quasi einen Schnellschuss wagen, die zweite dann bei Misserfolg das letzte Hochlager weiter nach oben verlegen. So sollte der Erfolg sichergestellt werden.
Die erste Seilschaft bestand aus Tom Bourdillon und Charles Evans. Sie erreichten am 26. Mai den Südgipfel, mussten aber aufgeben, weil die von Bourdillon und seinem Vater entwickelten geschlossenen Sauerstoffsysteme infolge Vereisung versagten. Dies kostete sie so viel Zeit, dass ein weiterer Aufstieg keine Chance für einen sicheren Abstieg gelassen hätte. Die zweite Seilschaft verwendete nun ein traditionelles, offenes Sauerstoffsystem. An den folgenden zwei Tagen schafften es der Neuseeländer Edmund Hillary und die Sherpas Tenzing Norgay und Ang Nyima, das letzte Lager auf eine Höhe von 8510 Meter zu verlegen. Ang Nyima stieg dann wieder ab, während Hillary und Norgay am 29. Mai um 6:30 Uhr Richtung Gipfel aufbrachen. Da sie weiter oben am Berg losstiegen, erreichten sie den Südgipfel bereits um 9:00 Uhr. Gegen 10:00 Uhr erreichten sie eine Felsstufe, die später Hillary Step genannt wurde und die das letzte bergsteigerische Hindernis darstellt. Gegen 11:30 Uhr standen sie auf dem Gipfel.
Hillarys erste Worte an seinen langjährigen Freund George Lowe nach seiner Rückkehr waren: “Well George, we finally knocked the bastard off.” (deutsch: „George, wir haben den Bastard letztlich doch bezwungen.“) Die Meldung von der erfolgreichen Erstbesteigung erreichte London am Morgen der Krönung von Elisabeth II. Am 16. Juli 1953 wurde Hillary der Order of the British Empire verliehen, der gleichzeitig seine Erhebung in den Adelsstand des britischen Königreichs bedeutete. Norgay wurde von Elisabeth II. durch die Verleihung der George Medal geehrt. Die Erstbesteigung löste ein großes internationales Echo aus und wurde als Eroberung des „dritten Pols“ (nach Nord- und Südpol) gefeiert.
Wer von beiden zuerst auf dem Gipfel stand, war Gegenstand eines heftigen Disputs. Ein Gipfelfoto existiert nur von Tenzing Norgay, da dieser nicht in der Lage war, die Kamera zu bedienen und somit Hillary abzulichten. Norgay wurde von asiatischer Seite als Erstbesteiger gefeiert und ihm sogar eine Unterschrift unter ein entsprechendes Dokument abgenötigt. Er gab aber 1955 zu, dass Hillary zuerst seinen Fuß auf den Gipfel setzte. Beide betonten aber, dass die erfolgreiche Erstbesteigung die eines gemeinsamen Teams war, und blieben lebenslang befreundet.

1950er und 1960er Jahre
1956 war erneut eine Schweizer Expedition am Berg. Den Bergsteigern Ernst Schmied und Jürg Marmet am 23. Mai sowie einen Tag später Dölf Reist und Hansruedi von Gunten gelang die zweite beziehungsweise dritte Besteigung auf der Route der Erstbesteiger. Ernst Reiss und Fritz Luchsinger gelang im Rahmen dieser Expedition am 18. Mai die Erstbesteigung des benachbarten Lhotse.

1960 wurde der Mount Everest erstmals von tibetischer Seite aus (Nordostgrat) durch eine chinesische Expedition bestiegen. Die Bergsteiger Wang Fu-chou, Konbu und Chu Ying-hua waren vermutlich die ersten, die den Second Step erklettern konnten. Das letzte Stück soll Chu Ying-hua sogar barfüßig von den Schultern eines Teamkollegen gemeistert haben. Diese Besteigung wurde jedoch vereinzelt angezweifelt, da es keine sichere Dokumentation für den Gipfelsieg gibt. Ein damals veröffentlichtes Foto zeigt aber den Berg oberhalb des Second Step. Mittlerweile wird diese Besteigung offiziell anerkannt. Besser dokumentiert und daher vereinzelt noch als Erstbesteigung dieser Route angesehen ist die einer ebenfalls chinesischen Expedition im Jahr 1975.
1963 eröffnete die erste amerikanische Expedition unter der Leitung von Norman Dyhrenfurth eine neue Route über den Westgrat. Tom Hornbein und Willi Unsoeld stiegen vom Tal des Schweigens aus auf die Westschulter, folgten dem Westgrat, mussten dann aber wegen zu großer technischer Schwierigkeiten auf dem Grat in die Nordwand ausweichen. Sie stiegen in der seither „Hornbein-Couloir“ genannten Schlucht der Nordwand zum Gipfel und führten dann die erste Überschreitung des Mount Everest durch, indem sie ihren auf der Südroute angestiegenen Kameraden im Abstieg folgten. Diese Überschreitung war zugleich die erste Überschreitung eines Achttausenders überhaupt.

Die 1970er Jahre
Am 16. Mai 1975 stand mit der Japanerin Junko Tabei die erste Frau auf dem Gipfel. Wenig später erreichte die Tibeterin Phantog als Teilnehmerin der chinesischen Nordgrat-Expedition als zweite Frau den Gipfel. Im selben Jahr wurde die Südwestwand, die sich 2500 m aus dem Tal des Schweigens erhebt, von einer britischen Expedition unter Leitung von Chris Bonington durch Doug Scott und Dougal Haston zum ersten Mal bewältigt. An dieser Wand waren zuvor bereits sechs Expeditionen gescheitert. Die Schlüsselstelle in der Route ist die Überwindung eines gewaltigen Felsbandes oberhalb der schneegefüllten Rinne. Doug Scott und Dougal Haston biwakierten beim Abstieg eine Nacht in einer Schneehöhle am Südgipfel (8750 Meter).
Am 3. Mai 1978 war mit Robert Schauer der erste Österreicher auf dem Gipfel. Schauer glückte 18 Jahre später eine zweite und 2004 eine dritte Besteigung. Nur fünf Tage später, am 8. Mai 1978, bezwangen Reinhold Messner und Peter Habeler den Gipfel erstmals ohne zusätzlichen Sauerstoff. Weitere drei Tage später erreichte Reinhard Karl aus derselben Expedition als erster Deutscher den Gipfel. Weitaus weniger bekannt ist, dass im Herbst desselben Jahres Hans Engl als erster Deutscher den Gipfel ebenfalls ohne zusätzlichen Sauerstoff erklomm. Dem Österreicher Franz Oppurg gelang am 14. Mai 1978 die erste Solobesteigung des Mount Everest. Die erste deutsche Frau stand 1979 auf dem Gipfel: Hannelore Schmatz kam aber beim Abstieg ums Leben. Die wohl schwierigste Grat-Route, der direkte Westgrat, wurde ebenfalls 1979 durch eine jugoslawische Expedition gemeistert. Andrej Štremfelj und Jernej Zaplotnik überwanden schwierigste Felspassagen.

1980er und 1990er Jahre
In den 1980er Jahren gelangen die erste Winter- und die erste Alleinbegehung sowie neue, schwierige Routen auf den Gipfel. Die erste Winterbegehung der Südsattelroute praktizierte 1980 eine polnische Expedition. Am 17. Februar erreichten Leszek Cichy und Krzysztof Wielicki den Gipfel, wobei sie mit Temperaturen von bis zu −45 °C und Windgeschwindigkeiten von fast 200 Kilometern pro Stunde zu kämpfen hatten. Im selben Jahr gelang Reinhold Messner die erste Alleinbegehung des Berges im reinen Alpinstil. Zudem wurde die Nordwand von den Japanern Takashi Ozaki und Tsuneo Shigehiro erstmals vollständig durchstiegen. Jerzy Kukuczka war mit einer polnischen Expedition am Südpfeiler erfolgreich. 1982 eröffnete eine sowjetische Expedition eine neue Route über den Südwestpfeiler. Die Ostwand wurde 1983 durch die US-Amerikaner Louis Reichardt, Kim Momb und Carlos Buhler bezwungen. 1986 durchstiegen Erhard Loretan und Jean Troillet das Hornbein-Couloir.
Im Jahr 1995 wurde der lange Nordostgrat vollständig bis zum Gipfel begangen. Im selben Jahr schaffte es die Schottin Alison Hargreaves als erste Frau ohne zusätzlichen Sauerstoff auf den Gipfel.
1996 wurde die Saison durch zwölf Todesfälle überschattet, bisher (Stand 2012) die tödlichste Saison am Everest. In einem am Mittag aufziehenden Höhensturm kamen mehrere Bergsteiger aus der Gipfelzone nicht mehr zurück zu ihren Zelten, unter anderem sehr erfahrene Expeditionsleiter, die zuvor schon mehrfach oben gewesen waren. Siehe auch Unglück am Mount Everest (1996).
Am 27. Mai 1999 schaffte Helga Hengge über die Nordroute als erste Deutsche die erfolgreiche Besteigung.

Ab 2000
Evelyne Binsack erreichte am 23. Mai 2001 als erste Schweizerin den Gipfel. 2004 eröffnete eine russische Expedition eine neue Route durch die Nordwand, die weitgehend eine Direttissima darstellt. Am 30. Mai erreichten Pawel Schabalin, Ilja Tuchvatullin und Andrej Mariew den Gipfel.
Anlässlich der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking wurde die Olympische Fackel während des Fackellaufes am 8. Mai 2008 von Bergsteigern von der tibetischen Seite auf den Gipfel gebracht. Um dies medial besser präsentieren zu können, wurde die Straße zum nördlichen Basislager im Rongpu-Tal befestigt, und der Mobilfunkanbieter China Mobile installierte im Jahr 2007 insgesamt drei Sendemasten (auf 5.200 Metern, 5.800 Metern und 6.500 Metern Höhe). Vor und während der Besteigung mit der Fackel war der Berg für alle anderen Bergsteiger gesperrt.
2007 hat Bear Grylls als erster Mensch mit einem Motorschirm erfolgreich den Mount Everest überflogen. Damals sagte er, dass er niemals zum Mount Everest zurückkehren werde.
Die Südkoreaner Park Young-Seok, Kang Ki-seok, Jin Jae-chang und Shin Dong-min eröffneten im Jahr 2009 eine neue Route in der Westwand.

Kommerzielle Besteigungen
Seit den 1980er Jahren ist eine regelrechte Everest-Euphorie ausgebrochen, was zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der Gipfelbesteigungen geführt hat. Während bis 1979 – also innerhalb von 27 Jahren seit der Erstbesteigung – nur 99 Menschen auf dem Gipfel waren (drei von ihnen zweimal), verdoppelte sich die Zahl der Gipfelbesteigungen zwischen 1980 und 1985 – innerhalb von nur sechs Jahren. 1993 erreichten erstmals mehr als 100 Menschen in einem Jahr den Gipfel. Im Jahr 2003 konnten mit 266 erstmals mehr als 200 Besteigungen gezählt werden. In der Rekordsaison 2007 wurde der höchste Punkt von 604 Bergsteigern erreicht. Da in diesem Jahr einige Bergsteiger mehrmals auf dem Gipfel standen, konnten sogar 630 Besteigungen gezählt werden. Das Spektrum der Gipfelaspiranten reicht von erfahrenen Alpinisten bis zu weniger geübten, die sich auf die von ihren Bergführern gelegten Fixseile verlassen müssen. Die Kosten hierfür betragen zwischen 13.000 und 65.000 Dollar. Im Jahre 2010 stiegen von der nepalesischen Seite 30 Teams auf, mit denen 170 Bergsteiger den Gipfel erreichten. Alleine die staatlichen Permits für diese 30 Teams betrugen 2.343.000 Dollar, das sind 77 Prozent aller vom Staat eingenommenen Besteigungsgebühren im Jahre 2010 (für einige Berge in Nepal werden die Permits nicht vom Staat, sondern von der „Nepal Mountineering Association“ vergeben). Etwa ein Drittel aller Bergsteiger am Everest gehören zu einer kommerziellen Expedition. Nach wie vor sind Besteigungen ohne Flaschensauerstoff selten.
Das Expeditions-Bergsteigen am Everest in der klassischen „Himalaya-Belagerungstaktik“ wird seit den Erfolgen Messners (1978 Besteigung mit Habeler, 1980 Alleingang, beide Male ohne künstlichen Sauerstoff) immer kritischer betrachtet: Die Anziehungskraft des höchsten Berges der Erde lockt zu viele, die sich dieser Herausforderung nur stellen können, wenn sie sich umfangreich Hilfe kaufen; Träger, die sie vom Schleppen aller Lasten außer der minimalen persönlichen Ausrüstung entbinden, sogar die Zelte und die Schlafsäcke werden von Sherpas getragen, damit der teuer zahlende Kunde seine Kräfte für den Gipfel aufsparen kann. Von vielen renommierten Bergsteigern wird der Mount Everest wegen des großen Andrangs mittlerweile gemieden.

Die Probleme rund um den Everest kulminierten in der Katastrophensaison 1996, als auf beiden Seiten des Everest zwölf Menschen ihr Leben ließen, weil sie von plötzlichen Wetterumschwüngen hoch oben überrascht wurden (→ Unglück am Mount Everest 1996). Diese Ereignisse sind in dem IMAX-Film Everest – Gipfel ohne Gnade und in den Büchern von Jon Krakauer (In eisige Höhen) und Anatoli Bukrejew (Der Gipfel. Tragödie am Mount Everest) markant beschrieben. Die Routen auf den hohen Hängen des Mount Everest sind von den Leichen gestorbener Bergsteiger gesäumt: Über 200 Menschen ließen beim Versuch der Besteigung ihr Leben. Zu groß ist ganz offenkundig die Versuchung für viele nicht ausreichend Erfahrene, unbedingt auf dem höchsten festen Punkt der Erdoberfläche stehen zu wollen. Obendrein wird die Entscheidung zur Umkehr bei widrigen Verhältnissen wegen der schlechteren Reaktion und des eingeschränkten Denkvermögens infolge Anstrengung und Sauerstoffmangels erschwert. An manchen der jeweils sehr wenigen „Fenstertage“ im Jahr (im Mai, vor dem Aufkommen des Monsuns) stauen sich an den klettertechnisch schwierigeren, mit Fixseilen gesicherten Stellen die Aufstiegswilligen teils mehrere Stunden lang: Die Zeit verrinnt, man kühlt beim Warten aus und die Gefahr steigt, nicht mehr bei Tageslicht absteigen zu können. Wer hoch oben am Everest in die zweite Nacht gerät (der Endaufstieg muss in der Nacht davor vor Mitternacht beginnen), hat extrem schlechte Aussichten, ohne schwere körperliche Schäden (erfrorene Zehen, Füße, Finger, Nase) wieder vom Berg herabzukommen. Auch die Hilfsmöglichkeiten der Bergführer sind in der extremen Umgebung auf den letzten zweitausend Höhenmetern sehr begrenzt. Hilfeleistung unterbleibt oft auch wegen des Risikos eigener gesundheitlicher Schäden oder wegen der Vereitelung der eigenen Gipfelchancen.

Umweltverschmutzung durch den Bergsport
Ein weiteres Problem dieser Art von „Tourismus“ ist, dass die Umweltverschmutzung der Lager durch Müll (Zelte, Sauerstoffflaschen, Speisereste, Dosen und Medikamente) rapide zugenommen hat. Der Südsattel wurde schon als „höchste Müllkippe der Erde“ tituliert. Mittlerweile wird von administrativer Seite verstärkt versucht, diese Begleiterscheinungen zu reduzieren. Jede Expedition muss ein Müllpfand hinterlegen, das nur zurückbezahlt wird, wenn die gesamte Ausrüstung und sogar die Fäkalien aus dem Basislager wieder abtransportiert werden. Zudem werden in regelmäßigen Abständen Expeditionen ausgerichtet, die Müll aus den Hochlagern vom Berg herunterholen. Auch private Initiativen versuchen das Problem zu mildern. Der Japaner Ken Noguchi hat bereits fünf Säuberungsexpeditionen ausgerichtet und dabei neun Tonnen Abfälle abtransportiert. Im Jahr 2010 startete eine Initiative von 20 Sherpas unter Leitung von Namgyal Sherpa, die das Ziel hatte, den Berg von mindestens 3.000 kg Bergsteiger-Müll (alte Zelte, Seile, Sauerstoffflaschen, Nahrungsmittelverpackungen, u. a.) zu säubern. Nebenbei sollten auch die Leichen von mehreren Bergsteigern (u. a. Scott Fischer † 1996, Gianni Goltz † 2008, Rob Hall † 1996) geborgen werden. Eine weitere Herausforderung für die fragile Hochgebirgsökologie und für die Einheimischen resultiert aus dem Bauboom am Everest, der ein neues Kapitel des dortigen Fremdenverkehrs einleitet. Hotelähnliche Komfort-Lodges setzen bisher nicht gekannte Maßstäbe, sie befinden sich nicht mehr an den traditionellen Siedlungsschwerpunkten und bieten für den „Komforttrekker“ einen an die örtlichen Verhältnisse unangepassten Luxus (siehe auch Mount Everest Trek).

Statistik
Vor den anvisierten Gipfeltagen steigen die Bergsteiger an Fixseilen entlang durch die Lhotse-Wand. Oben auf der Moräne ist Lager II zu erkennen.
Seit der Entdeckung von 1852, dass der Everest der höchste Berg der Erde ist, mussten 21 Menschen ihr Leben lassen, 15 Expeditionen aufbrechen und 101 Jahre vergehen, bis der höchste Punkt des Everest schließlich zum ersten Mal betreten wurde.
Die Statistik listet bis Ende 2006 über 14.000 Besteigungsversuche, von denen 3057 erfolgreich waren. Nur etwa einer von fünf Aspiranten schafft es also, den Gipfel zu erreichen. Bis Ende 2010 können insgesamt 5104 Gipfelerfolge gezählt werden. Davon wurden nur 173 Besteigungen ohne Zusatzsauerstoff durchgeführt. Demzufolge sind die Hälfte aller erfolgreichen Besteigungen bis Ende 2010 innerhalb von fünf Jahren (2006–2010) durchgeführt worden.
Bis Mai 2011 starben am Everest insgesamt 219 Menschen. Häufige Todesursachen sind Abstürze, Erfrierung, Erschöpfung, Höhenkrankheit und Lawinen. Die meisten Bergsteiger verunglücken oberhalb von 8000 Metern während des Abstiegs. Besteigungen ohne Flaschensauerstoff sind durchschnittlich nur halb so oft erfolgreich und mit einem doppelt so großen Todesrisiko behaftet wie Besteigungen mit Flaschensauerstoff.
Am 23. Mai 2010, dem bisher größten Ansturm, standen 169 Menschen auf dem höchsten Berg der Erde. Die schnellste Besteigung gelang dem Sherpa Pemba Dorjee, der am 21. Mai 2004 den Aufstieg vom Basislager zum Gipfel in nur 8:10 Stunden schaffte. Auf der Nordroute hält Christian Stangl seit dem Jahr 2006 mit 16:42 den Rekord, wobei er allerdings am vorgeschobenen Basislager startete. Hans Kammerlander brauchte auf derselben Route zehn Jahre zuvor nur wenige Minuten länger. Bei diesen Schnellbesteigungen ist aber zu beachten, dass der genaue Startpunkt bei jeder Besteigung anders war und sie deshalb kaum miteinander verglichen werden können. Die meisten Besteigungen hat bisher der Sherpa Appa durchgeführt, der mittlerweile 21 Mal (Stand: Mai 2011) auf dem Gipfel stand.
Der jüngste Besteiger war der US-Amerikaner Jordan Romero, der im Jahr 2010 im Alter von 13 Jahren den Gipfel erreichte. Mit einem Alter von 76 Jahren und 341 Tagen war der Nepalese Min Bahadur Sherchan am 25. Mai 2008 der älteste Mensch auf dem Gipfel. Er war damit auch der älteste Mensch überhaupt, der je auf einem Achttausender stand. Die bisher älteste Frau, die auf dem Everest war, ist die Japanerin Tamae Watanabe. Sie erreichte erstmals am 16. Mai 2002 als schon damals mit 63 Jahren älteste Besteigerin den Gipfel über die Südostroute von Nepal aus. Durch eine erneute Begehung des Gipfels am 19. Mai 2012 über die Nordroute von Tibet aus erhöhte sie ihren eigenen, bis dahin ungeschlagenen Altersrekord auf 73 Jahre.

Routen
Am Everest gibt es bis heute insgesamt 20 Routen. Die beiden Standardrouten sind die Südroute und die Nordroute. Die weiteren Routen sind technisch deutlich schwieriger und zum größten Teil nur einmalig begangen worden.
Endpunkt aller Routen ist ein nur etwa zwei Quadratmeter großes Gipfelplateau. Die chinesische Nordroute ist im Vergleich zur nepalesischen Südroute mit etwa 40.000 US-$ (Stand 2005) für den zahlenden Kunden um ein Drittel „preiswerter“, wenn man sich einer der zahlreichen geführten Expeditionen anschließt. Der Grund dafür sind logistische Vorteile (niedrigere Gebühren für die staatliche Genehmigung einer Expedition, Zahl der notwendigen Yaks und Träger, Zahl der Sauerstoffflaschen und weiteres). Die prozentuale Erfolgsrate der Nordroute ist jedoch aufgrund der sehr weiten Wege geringer als auf der Südroute. In jedem Fall muss man sich der Gefahren des geringen Sauerstoffgehalts der Luft, plötzlicher Wetterumschwünge und heftiger, äußerst kalter Winde auf den Graten bewusst sein. Der Aufenthalt in der so genannten „Todeszone“ oberhalb 7500 Meter ist auf der Nordroute um ein bis zwei Tage länger; dementsprechend ist das Risiko, wegen widrigen Wetters oben festzusitzen oder gar unterwegs in Nebel oder Schneesturm zu geraten, auf der Nordseite höher.

Südroute
Die Südroute gilt als Standardroute und wurde auch bei der Erstbesteigung gewählt. Vom Basislager auf der nepalesischen Südseite auf etwa 5400 Meter führt sie zunächst durch den Khumbu-Eisbruch (Khumbu Icefall): eine steile Passage, in der das Gletschereis aus dem Tal des Schweigens 600 Meter abfällt und in große Blöcke – sogenannte Séracs – zerbricht, die den Aufstieg sehr erschweren. Da sie aufgrund der Eisbewegung jederzeit umstürzen können, ist es nur zu kühlen Tageszeiten ratsam, sie zu durchklettern. Der Khumbu-Eisbruch wird jeweils zu Saisonbeginn von einem Team aus Sherpas mit Leitern und Fixseilen gesichert. Diese gesicherte Route wird von allen Expeditionen gemeinsam genutzt.
Der weitere Verlauf der Route führt durch das Tal des Schweigens (Western Cwm, „kuum“ gesprochen, aus dem Walisischen). Das Western Cwm ist ein von Mount Everest, Lhotse und Nuptse eingeschlossenes Kar mit etwa 3000 Meter Länge und das höchstgelegene Kar der Erde. Nach Durchquerung dieses Talkessels setzt sich der Weg über die vergletscherte westliche Lhotse-Flanke fort. Sie ist etwa 60 Grad steil und umfasst 1000 Höhenmeter. Im oberen Teil der Wand führt die Route über den Genfer Sporn zum zwischen Lhotse und Everest gelegenen Südsattel (South Col) auf etwa 8000 Meter Höhe, wo fast alle Expeditionen das Hochlager für die Gipfeletappe einrichten. Es wurden allerdings auch schon noch höher gelegene Lager eingerichtet. Vom Südsattel aus führt der Weg den Grat des Everest hinauf bis zum Südgipfel etwa 100 Höhenmeter unterhalb des eigentlichen Gipfels, dann über das letzte große Hindernis, eine etwa zwölf Meter hohe, fast senkrechte Felskante, den Hillary Step.

Nordroute
Die Alternative zur Südroute ist die Nordroute von der chinesischen Seite aus. Sie beginnt im Rongpu-Tal mit einem Basislager in etwa 5300 Meter Höhe und führt in einem Zweitagestrek mit Yak-Transport in das Tal des östlichen Rongpu-Gletschers, wo sich am Fuß der Nordsattel-Wand das vorgeschobene Basislager (ABC, advanced base camp) befindet. Dann geht die Tour den Steilhang hinauf auf den Nordsattel (North Col) mit etwa 7000 Meter Höhe, von wo aus die ausgesetzten Gipfelgrate (Nordgrat und Nordostgrat) den weiteren Aufstieg über geringer geneigte Grate (im Vergleich zur steileren Südroute) ermöglichen. Ernsthaftes kräftezehrendes und klettertechnisches Hindernis ist hinter dem letzten Lager in etwa 8300 Meter Höhe hoch auf dem oberen Grat die mittlere der drei Felsstufen (Second Step) mit einer Fußhöhe auf etwa 8610 Meter. Der Second Step weist eine Kletterhöhe von etwa vierzig Metern auf, die letzten fünf Meter sind fast senkrecht. Hier wurde von einer chinesischen Expedition im Jahr 1975 eine Leiter befestigt. Von dort führt die zumeist auf dem Grat verlaufende Route noch recht weit und auch über das bis zu 50 Grad steile Gipfelschneefeld. Bei seiner Alleinbegehung des Mount Everest umging Reinhold Messner den Second Step und wählte einen Weg durch das Norton-Couloir.

Direttissime
Zwei der drei Hauptwände wurden bereits in etwa direkter Falllinie zum Gipfel (Direttissima) bezwungen: 1975 die Südwestwand und 2004 die Nordwand. An der Ostwand (Kangshung-Wand) gibt es zwei erstiegene Routen, die jedoch nicht als Direttissime gezählt werden können. Die Ostwand- oder Kangshung-Direttissima ist somit bislang unbewältigt. Unternähme man diese, so müsste man in einer der – vom Fuß zum Gipfel gerechnet – höchsten Wände der Erde weit mehr als 3500 Meter steilen, lawinengefährdeten Felsens durchsteigen.

Luftfahrzeuge am Everest
Am 3. April 1933 wurde der Mount Everest erstmals von einem Flugzeug überflogen, einer Westland PV-3 (Kennung: G-ACAZ) und einer sie begleitenden Westland PV-6 (G-ACBR), beide ausgerüstet mit einem Bristol-Pegasus-Motor. Unter der Leitung von Douglas Douglas-Hamilton, Lord Clydesdale und späterer 14. Duke of Hamilton, wurden während des Fluges mit offenen Doppeldeckern wichtige Erkenntnisse über Flüge in großer Höhe gesammelt, die zur weiteren Entwicklung der Druckkabine beitrugen.
Der Franzose Didier Delsalle landete als erster Mensch mit einem Hubschrauber vom Typ Eurocopter AS 350 B-3 am 14. und am 15. Mai 2005 auf dem Gipfel des Mount Everests.

Dokumentationen und Spielfilme (Auswahl)
Wings Over Everest – Oscarprämierter Kurzfilm mit Aufnahmen des ersten Überfluges. 1934
Dokumentarfilm "Mount Everest" über die Schweizer Expedition im Jahr 1952
National Geographic Video – Rückkehr zum Mount Everest. 1984
Robert Markowitz: In eisige Höhen – Sterben am Mount Everest. 1997
Reinhold Messner, Peter Habeler: Mount Everest – Todeszone. 2002
National Geographic – Einzigartiger Everest. 2003
Barny Revill: Everest – Spiel mit dem Tod. Discovery Channel, 2006–2007
Graeme Campbell: Everest – Wettlauf in den Tod. 2007
Victor Grandits: Mount Everest – Der Friedhof meiner Freunde. SWR, 2007
Erster auf dem Everest – Universum. ORF, 2010
Sherpas: Die wahren Helden am Everest, SF

Literatur
Anatoli Boukreev, G. Weston DeWalt: Der Gipfel – Tragödie am Mount Everest. Wilhelm Heyne Verlag 1998, ISBN 3-453-15052-X
David Breashears, Audrey Salkeld: Mallorys Geheimnis. Was geschah am Mount Everest? Steiger 2000, ISBN 3-89652-220-5
Jochen Hemmleb, Larry A. Johnson, Eric R. Simonson: Die Geister des Mount Everest. Die Suche nach Mallory und Irvine. Frederking & Thaler 2001, ISBN 3-89405-108-6
Jochen Hemmleb: Everest. Göttinmutter der Erde. AS Verlag & Buchkonzept, Zürich 2002, ISBN 3-905111-82-9
Sir Edmund Hillary: Wer wagt, gewinnt. Frederking & Thaler 2004 (2. Auflage), ISBN 3-89405-122-1
Peter Meier-Hüsing: Wo die Schneelöwen tanzen – Maurice Wilsons vergessene Everest-Besteigung. Piper 2003, ISBN 3-89029-249-6
Jon Krakauer: In eisige Höhen. Das Drama am Mount Everest. Piper 2000, ISBN 3-492-22970-0
Reinhold Messner: Everest – Expedition zum Endpunkt. National Geographic Taschenbuch (März 2008), ISBN 3-89405-857-9
Reinhold Messner: Überlebt – Alle 14 Achttausender. BLV Verlagsgesellschaft (8. Auflage), ISBN 3-405-15788-9
Goverment of Nepal, Ministry of Tourism & Civil Aviation: Mountaineering in Nepal. Facts & Figures. Kathmandu 2010. (S. 5 – 83).
Judy und Tashi Tenzing: Im Schatten des Everest. Die Geschichte der Sherpa. Frederking & Thaler 2003, ISBN 3-89405-601-0
Stephen Venables: Everest: Die Geschichte seiner Erkundung. Frederking & Thaler, München 2007. ISBN 978-3-89405-544-8.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mount_Everest

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