Türkei

Die Türkei (amtlich Türkiye Cumhuriyeti (T.C.), deutsch Republik Türkei) ist eine demokratische Republik in Südosteuropa und Westasien. Der Einheitsstaat ist seit seiner Gründung im Jahr 1923 laizistisch und kemalistisch geprägt; er wurde nach dem Ersten Weltkrieg der Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches. Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk war bestrebt, die Türkei durch viele gesellschaftliche Reformen nach dem Vorbild verschiedener europäischer Nationalstaaten zu modernisieren.

 

Türkiye Cumhuriyeti

Republik Türkei

Flagge der Türkei
Wappen der Türkei
Flagge Wappen
Wahlspruch: „Yurtta Sulh, Cihanda Sulh“ (inoffiziell)

(Türkisch für „Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt“)

Amtssprache Türkisch
Hauptstadt Ankara
Staatsform Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt Staatspräsident Abdullah Gül
Regierungschef Ministerpräsident Recep Tayyip Erdo?an
Fläche 814.578 km²
Einwohnerzahl 74.724.269 (Dezember 2011)
Bevölkerungsdichte 90,5 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (PPP)
  • BIP/Einw. (nominal)
  • BIP/Einw. (PPP)
2011
  • $ 778,0 Milliarden
  • $ 1.073 Milliarden
  • $ 10.522
  • $ 14.517
Human Development Index 0.699
Währung Türk Liras? (Türkische Lira)
Gründung 29. Oktober 1923
Nationalhymne ?stiklâl Mar??
Nationalfeiertag 29. Oktober (Feiertag der Republik)
Zeitzone UTC+2 / UTC+3 (März-Oktober)
Kfz-Kennzeichen TR
Internet-TLD .tr
Telefonvorwahl +90
 

Geographie

Lage

Die Türkei erstreckt sich geografisch über zwei Kontinente. Anatolien, der asiatische Teil des türkischen Staatsgebiets, nimmt etwa 97 % der Fläche ein (790.955 km²). Den europäischen Teil bildet das östliche Thrakien (Ostthrakien), er umfasst etwa 3 % der Landesfläche (23.623 km²).

Mit einer Küstenlinie von etwa 7.200 km liegt die Türkei im Westen am Ägäischen Meer, im Süden am Mittelmeer und im Norden am Schwarzen Meer. Die Landgrenze zu den acht Nachbarländern hat eine Gesamtlänge von 2.648 km. Im Nordwesten grenzt die Türkei an Griechenland (206 km Grenze) und Bulgarien (240 km), im Nordosten an Georgien (252 km), Armenien (268 km), Aserbaidschan (Exklave und autonome Republik Nachitschevan, 9 km), im Osten an den Iran (499 km) und im Süden an den Irak (352 km) und Syrien (822 km). Die politisch geteilte Insel Zypern mit der Republik Zypern und der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern befindet sich nicht weit von der Südküste entfernt.

Geologie

Die Türkei liegt größtenteils auf der Anatolischen Platte, die im Norden und Osten an die Eurasische Platte, im Süden an die Arabische Platte und im Südwesten an die Afrikanische Platte grenzt. Durch die Nordanatolische Verwerfung, eine Transformstörung, gehört vor allem der Norden der Türkei zu den am stärksten erdbebengefährdeten Regionen der Erde und wurde in den letzten Jahren immer wieder von Erdbeben erschüttert. Da eine gewisse chronologische Ost-West-Abfolge der Erdbeben in der Nordtürkei festzustellen ist, gehen Experten davon aus, dass in absehbarer Zeit auch ?stanbul von einem großen Beben erschüttert werden könnte. Die letzten großen Beben in der Provinz Kocaeli, wie das Erdbeben von Gölcük, waren weniger als 100 km von ?stanbul entfernt.

Landschaftsbild

Landschaft westlich Ankaras

Die Türkei wird in sieben geographische Gebiete oder Regionen unterteilt: Marmararegion, Ägäisregion, Schwarzmeerregion, Zentralanatolien, Mittelmeerregion, Ost- und Südostanatolien. Diese Regionen unterscheiden sich stark bezüglich Vegetation und Wetterbedingungen.

Thrakien liegt westlich vom Bosporus auf der europäischen Seite. Auf der thrakischen Hochebene bildet der Fluss Meriç die Grenze zu Griechenland. Östlich vom Bosporus liegt die Marmara-Region. Das Marmarameer trennt Europa von Asien und das Ägäische Meer vom Schwarzen Meer. Zum Mittelmeer hin erstrecken sich die Dardanellen auf einer Länge von 60 km. Die beiden Landzungen sind bei Çanakkale mit bis zu 4 km am breitesten. Am Bosporus liegt die Millionen-Metropole ?stanbul. Die Landschaft in dieser Region ist hügelig und von Büschen und Wäldern bedeckt. Der fruchtbare Ackerboden weicht im Osten einer Steppenlandschaft. Die Region bildet das wirtschaftliche Zentrum der Türkei. Die Millionenstadt Bursa ist Kurort und berühmt für ihre Schwefel- und Thermalquellen. Sie liegt zu Füßen des Uluda?-Gebirges. Der Berg ist ganzjährig ein beliebtes Ausflugsziel.

Die Ägäis-Region wird ebenfalls landwirtschaftlich intensiv genutzt. Die stark hügelige Landschaft erstreckt sich entlang der Westküste zwischen Çanakkale und Bodrum. Die Küstenregion gehört zu den touristisch am besten erschlossenen Regionen der Türkei. Neben Zypressen und Ölbäumen prägen Weinreben die Landschaft. In dieser Region finden sich viele antike Stätten aus der Zeit der griechischen Besiedlung, z. B. Troja, Assos (Behramkale), Pergamon (Bergama), Ephesus (Efes), Priene, Milet, Didyma und Euromos.

Die Schwarzmeer-Region umfasst den nördlichen Küstenstreifen der Türkei. Sie ist geprägt durch ein mildes, feuchtes Klima, und auf ihrer bergigen Landschaft erstrecken sich große Wälder. Auf dem sehr fruchtbaren Boden werden Tee, Tabak, Mais und Haselnüsse angebaut.

Die zentralanatolische Region umfasst die inneranatolischen Hochebenen. Hier liegen der Salzsee Tuz Gölü und Gebirgsketten, die stellenweise bis zu 3.900 m hochragen. Im Osten liegt Kappadokien, das wegen seiner in Tuffstein getriebenen Wohnhöhlen und Felsenkirchen in bis zu 2.000 m hohen Bergkegeln berühmt ist. Inneranatolien ist überwiegend durch eine Steppenlandschaft geprägt und gehört zu den trockensten Gebieten Anatoliens; in der Region um den Tuz Gölü nimmt die Landschaft wüstenähnliche Gestalt an. Deshalb ist die landwirtschaftliche Nutzung in dieser Region nicht so stark ausgebildet wie in den zuvor genannten Regionen. Vor allem Weizen, Gerste und Obst werden hier angebaut. Das Klima dieser Region ist geprägt durch heiße, trockene Sommer mit kalten Nächten. Die Winter sind mit Temperaturen bis unter ?20 Grad Celsius sehr kalt.

Burg von Van am Vansee im Osten der Türkei.

In Ostanatolien liegen als Hochgebirgslandschaft einige der höchsten Berge der Türkei, wie der Ararat und der Süphan Da??. Auch sind hier die Quellflüsse des Euphrat zu finden, der Murat und der Karasu, ferner der Oberlauf des Aras, der am Ararat vorbei nach Osten dem Kaspischen Meer zustrebt. Der 1640 Meter hoch gelegene Vansee als größter Binnensee des Landes liegt auch in dieser Region. Größte Städte sind Elaz??, Erzincan, Erzurum, Malatya und Van.

Die Mittelmeerregion wird im Norden vom Taurus- und im Osten vom Amanosgebirge begrenzt. In dieser Region werden überwiegend Zitrusfrüchte, Bananen, Tomaten, Erdnüsse und Baumwolle angebaut.
Südostanatolien ist die älteste Kulturregion der Türkei. Sie wird vom Taurus-Gebirge umschlossen. Hier verlaufen die beiden Flüsse Euphrat und Tigris. Landwirtschaftlich wird diese Region durch Weizen-, Gersten-, Wein-, Oliven- und Pistazienanbau genutzt. Neben Gebirgsverläufen ist die Gegend östlich des Euphrat durch ein Hochplateau geprägt. Zur weiteren landwirtschaftlichen Kultivierung werden im Rahmen des Südostanatolien-Projekts entlang des Euphrat und Tigris über 22 Staudämme errichtet.

Höchste Berge der TürkeiDer Araratist der höchste Berg in der Türkei

  • Großer Ararat (Büyük A?r? Da??) – 5.137 m
  • Buzul Da?? – 4.135 m
  • Süphan Da?? – 4.058 m
  • Kleiner Ararat (Küçük A?r? Da??) – 3.896 m
  • Kaçkar Da?? – 3.932 m
  • Erciyes Da?? – 3.891 m
 

Wichtigste Flüsse der Türkei

  • K?z?l?rmak 1.355 km
  • F?rat (Euphrat)
  • Sakarya
  • Murat und Karasu, die Quellflüsse des Euphrat
  • Dicle (Tigris)
  • Seyhan
  • Ceyhan
  • Göksu
  • Büyük Menderes (Großer Mäander)

Seen der Türkei

  • Van Gölü 3.713 km²
  • Tuz Gölü 1.500 km² (Salzsee)
  • Bey?ehir Gölü 656 km²
  • E?irdir Gölü 468 km²
  • Ak?ehir Gölü 353 km²
  • ?znik Gölü 298 km²

Bedeutende Inseln der Türkei

  • Gökçeada 279 km²
  • Marmara Adas? 117 km²
  • Bozcaada 36 km²
  • Uzunada 25 km²
  • Alibey 23 km²
  • Pa?aliman? 21 km²
  • Av?ar 21 km²

Klima

Die Klimadaten der Türkei je nach Region
RegionDurchschnittliche Temperatur (°C)Höchsttemperatur (°C)Tiefsttemperatur (°C)Durchschnittliche Feuchtigkeit (%)Durchschnittlicher Niederschlag (mm)
Marmararegion 13,5 44,6 -27,8 71,2 569,0
Ägäisregion 15,4 48,5 -45,6 60,9 654,3
Mittelmeerregion 16,4 45,6 -33,5 63,9 706,0
Schwarzmeerregion 12,3 44,2 -32,8 70,9 828,5
Zentralanatolien 10,6 41,8 -36,2 62,6 392,0
Ostanatolien 9,7 44,4 -45,6 60,9 569,0
Südostanatolien 16,5 48,4 -24,3 53,4 584,5

Flora und Fauna

Die Fläche der Türkei wird zu 26,2 % von Wald eingenommen, landwirtschaftlich werden 36,3 % der Gesamtfläche genutzt.

Die Flora der Türkei gilt als die vielfältigste und abwechslungsreichste im Nahen Osten. Es finden sich rund 9.000 Pflanzenarten mit 850 Gattungen; im Süden vor allem Pflanzen, die sich an die trockenen Sommer angepasst haben, z. B. immergrüne Hecken und Sträucher, Eichenbäume, Oliven- und Johannisbrotbäume. In den Hochebenen sind wilde Blumen und Bodendecker heimisch.

Die Steppen werden von Sträuchern, Nadelwäldern und Schwarzkiefern beherrscht, die trockenen Gebiete auch von Disteln und Kakteengewächsen (Dornpolster). Im Norden, vor allem an der Schwarzmeerküste, finden sich ausgedehnte Haselnuss-, Mais- und Teeplantagen, im Süden eher Obst- und Baumwollplantagen.

Auch sind viele Niederwildarten und Wildschweine heimisch, wobei sich ihr Bestand durch die Jagd beständig dezimiert. An Nutztieren finden sich vorrangig Rinder, Pferde, Büffel, Schafe und Ziegen. Der Kamelbestand ging in den letzten Jahrzehnten stetig zurück; sie werden heute in erster Linie für sportliche Wettkämpfe und nicht mehr als Lastenträger gezüchtet.

Die größten Raubtiere, die heute noch in der Türkei leben, sind unter anderem Braunbär, Wolf, Goldschakal und Eurasischer Luchs. Die Streifenhyäne lebt im Südosten des Landes.

Im Jahr 1974 wurde der letzte dokumentierte Anatolische Leopard nahe Beypazar? in der Provinz Ankara getötet. Obwohl diese Unterart nicht ausgestorben ist, ist es unbekannt, ob Leoparden noch in freier Wildbahn in der Türkei leben.

Im Jahr 1970 ist der letzte Kaspische Tiger nahe Uludere in der Provinz Hakkâri getötet worden. In der Türkei ergaben Umfragen, dass im Osten des Landes bis in die 1980er Jahre zwischen ein und acht Tiger getötet wurden, und einzelne Tiere wahrscheinlich bis in die frühen 1990er Jahre überlebt hatten. Mangels Interesse und aus Gründen der Sicherheit wurden jedoch in dieser Region keine Feldstudien durchgeführt. Diese Unterart gilt als ausgestorben.

In der Türkei wurde der letzte Asiatische Löwe im Jahr 1870 getötet.

Die Türkei ist Brut- und Überwinterungsplatz für zahlreiche Vogelarten. Südlich von Band?rma – im Ku?cenneti-Nationalpark – liegt ein bekanntes Vogelparadies, wo Pelikane, Wildenten, Störche, Kormorane, Nachtigallen und Fasane ihre Heimat gefunden haben. Wichtige Kolonien der Rosaflamingos befinden sich im Inneren und im Süden des Landes.

Bevölkerung

Ethnien

Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung in der Türkei ist nicht exakt feststellbar. Bei offiziellen Volkszählungen wird die ethnische Zugehörigkeit nicht erfasst. Ermittelt werden hingegen Muttersprache und Zweitsprache, wobei die Zahlen bei vielen Minderheiten aufgrund der türkischen Assimilationspolitik stark rückläufig sind. Hinzu kommt, dass sich seit Jahrhunderten die verschiedensten Volksgruppen mischen, so dass die Zurechnung zu einer Volksgruppe vielfach schwerfällt.

Die Angaben zu den Ethnien differieren stark, je nachdem, welche Quellen herangezogen werden. Demnach leben in der Türkei folgende Ethnien: 77 bis 81 % Türken, 14 bis 18 % Kurden, 4 % Zaza, 2 % Tscherkessen, 2 % Bosniaken, 1,5 % Araber, 1 % Albaner, 0,5 % Lasen, 0,1 % Georgier sowie diverse andere ethnische Gruppen und Nationalitäten wie Roma, Armenier/Hem?inli, Thrakische Bulgaren/Pomaken, Aramäer, Tschetschenen, Griechen und Türkische Juden.

Die Bevölkerungsgruppe der Türken wird unterschiedlich definiert. Die türkische Regierung zählt seit 1965 Bevölkerungsgruppen dazu, die von anderen Quellen zum Teil als Angehörige anderer Turkvölker angesehen werden. Dies betrifft etwa 600.000 Aserbaidschaner, jeweils bis zu 200.000 Mescheten und Turkmenen, etwa 15.000 Gagausen, jeweils etwa 1.000 Kasachen, Kirgisen, Kumyken, Usbeken und 500 Uiguren.

Sprachen

Die National- und Amtssprache der Türkei ist die Turksprache Türkisch, die von über 80 % der Bevölkerung als Muttersprache und von weiteren 10–15 % als Zweitsprache gesprochen wird. Damit ist das Türkische die mit Abstand wichtigste Sprache in der heutigen Türkei. Die türkische Gebärdensprache wurde im Juli 2005 gesetzlich anerkannt.

Darüber hinaus gibt es etwa zwanzig Sprachen aus insgesamt fünf verschiedenen Sprachfamilien, die heute von nicht-türkischen in der Türkei ansässigen Ethnien und Minderheiten gesprochen werden. In diesem Sinne ist die Türkei ein multiethnischer Staat. Die bedeutendsten dieser Sprachen sind

  • Kurmandschi oder Nordkurdisch mit etwa 14 Mio. Sprechern (indogermanische Sprache des iranischen Zweigs)
  • Zazaisch mit 1,2–2 Mio. Sprechern (indogermanische Sprache des iranischen Zweigs)
  • Arabisch (Nordmesopotamisches Arabisch) mit etwa 1 Mio. Sprechern (afroasiatische Sprache des semitischen Zweigs)
  • Aserbaidschanisch mit 550.000 Sprechern in der Türkei (Turksprache des oghusischen Zweigs)
  • Kabardinisch oder Ost-Tscherkessisch mit 550.000 Sprechern in der Türkei (westkaukasische Sprache)
  • Bulgarisch (Pomakisch) mit 300.000 Sprechern (indogermanische Sprache des slawischen Zweigs)
  • Adygeisch oder West-Tscherkessisch mit knapp 300.000 Sprechern (westkaukasische Sprache)

Im Jahre 1914 gab es im Osmanischen Reich etwa 1,3 Millionen Armenier mit der Muttersprache Armenisch. Ihre Zahl ist durch den Völkermord von 1915-17 und die Vertreibungen auf etwa 40.000 zurückgegangen. Hinzukommen etwa 70.000 illegale armenische Einwanderer. Griechisch wurde um 1914 noch von 1,73 Millionen Menschen gesprochen, davon sind bis heute noch 4.000 Sprecher in Istanbul geblieben. Von den einst weit verbreiteten aramäischen Sprachen - den Dialekten der aramäischen Christen - ist heute außer dem Turoyo (3.000 Sprecher) nur noch die kleine Hertevin-Sprache (1.000 Sprecher) in der Türkei vertreten. Die früheren aramäischen Sprachen Nestorianisch-Neuaramäisch („Assyrisch“), Chaldäisch-Neuaramäisch (Kaldoyo) und Jüdisch-Neuaramäisch (Lishana Deni) werden heute in der Türkei nicht mehr gesprochen.

Zur kartwelischen Gruppe der kaukasischen Sprachen gehören in der Türkei Georgisch (40.000 Sprecher) und Lasisch (30.000). Außer den schon erwähnten Sprachen Kabardinisch und Adygeisch werden die westkaukasischen Sprachen Abchasisch (5.000) und Abasinisch (10.000) in der Türkei gesprochen.

Andere Minderheitensprachen sind die indogermanischen Sprachen Albanisch (15.000 Sprecher in der Türkei), Romani (25.000) und Domari (30.000). Durch aktuelle Flüchtlingsbewegungen gibt es über die etwa zwanzig genannten Landessprachen hinaus heute kleinere Gruppen von Sprechern der Turksprachen Turkmenisch, Kasachisch, Kirgisisch, Usbekisch, Uigurisch, Kumykisch und Krim-Tatarisch; außerdem einige Hundert Sprecher der kaukasischen Sprachen Tschetschenisch, Lakisch und Lesgisch sowie der iranischen Sprachen Ossetisch und Persisch (Farsi). Da es sich hierbei um Flüchtlingsgruppen handelt, werden diese Sprachen nicht zu den „Sprachen der Türkei“ gezählt.

Auf dem Staatsgebiet der heutigen Türkei wurden im Laufe der Geschichte viele bedeutende Sprachen gesprochen, die heute ausgestorben sind. Zu den wichtigsten zählen Hethitisch, Luwisch, Lykisch, Lydisch, Phrygisch, Akkadisch (in der Form des Assyrischen), Urartäisch, Altgriechisch, Byzantinisch, Altarmenisch, Lateinisch und das klassische Syrisch, die Religionssprache der aramäischen Christen.

Religionen

Hagia Sophia- einst Kirche, später in Moschee umgewandelt

Nach offiziellen Statistiken sind beinahe 99 % der türkischen Bevölkerung Muslime. Davon sind etwa 80 bis 85 % Sunniten, die restlichen 15 bis 20 % Aleviten. Außerdem leben in der Türkei 0,2 % Christen (125.000) und 0,04 % Juden (23.000), auch eine kleine Anzahl von Jesiden, Alawiten und der kryptischen Dönme lebt hier. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten jedoch noch etwa 20 % Christen (insbesondere Armenier und Griechen) auf dem Gebiet der heutigen Türkei und 1923 wurden über 120.000 Juden gezählt.

Die Zahlen sind nur bedingt aussagekräftig, weil jeder Einwohner der Türkei, wenn er nicht explizit als einer anderen Religion zugehörig erklärt wird, automatisch als Muslim erfasst wird. Ein Gegenstück zum Kirchenaustritt gibt es nicht, so dass auch Atheisten, Agnostiker sowie keiner Religionsgemeinschaft angehörende Bürger in der amtlichen Statistik als Muslime erfasst werden. Die genaue Anzahl der Muslime und der konfessionslosen Einwohner ist daher nicht bekannt.

Seit der Gründung der Republik gilt die Trennung zwischen Staat und Religion. Die Stellung des Islams als Staatsreligion wurde im Jahr 1928 unter Staatsgründer Atatürk per Verfassungsänderung aufgehoben. Die Türkei sieht sich seither als laizistischen Staat an, der keine religiösen Präferenzen hat. So gilt die Scharia, anders als in vielen muslimischen Staaten, in der Türkei nicht. Doch in den letzten Jahren gewinnen konservativ-religiöse Strömungen in der Bevölkerung immer mehr an Einfluss.

Die religiösen Einrichtungen werden vom staatlichen Präsidium für Religionsangelegenheiten (D?B) verwaltet. Trotz der in Artikel 2 der türkischen Verfassung festgelegten Trennung von Staat und Religion (Artikel 2: „Die Republik Türkei ist ein [...] demokratischer, laizistischer und sozialer Rechtsstaat.“) ist das mit weitreichenden Befugnissen ausgestattete sunnitische D?B dem Amt des türkischen Ministerpräsidenten angegliedert und untersteht dem jeweils amtierenden Ministerpräsidenten. Vom D?B werden islamische Rechtsgutachten (Fetva) erstellt und in Auftrag gegeben. Im Jahr 2008 stellte das D?B durch eine Fetva fest, dass eine Abkehr vom Islam hin zu einer anderen Religion erlaubt sei. Der Koran sehe neben einer jenseitigen Strafe keine weltliche Strafe für den Abfall vom Islam vor.

Einwohnerentwicklung und Migration

Seit der Republikgründung im Jahre 1923 wuchs die Bevölkerung der Türkei schnell an. 1927 lebten in der Türkei knapp 14 Millionen Menschen, 2003 waren es knapp 70 Millionen (siehe Grafik). In den letzten Jahren hat sich das Bevölkerungswachstum sehr verlangsamt. Während es 2000 noch 1,7 % betrug, wird für 2004 von einem Bevölkerungswachstum von 1,13 % ausgegangen.

Die Türkei ist gleichzeitig ein Auswanderungs- und Einwanderungsland. Während der 1960er, 1970er und 1980er Jahre verließen Millionen Türken ihr Land als Arbeitsmigranten ("Gastarbeiter") und politische Flüchtlinge und gingen etwa nach Belgien, Frankreich, Schweden, in die Niederlande, die Schweiz, Österreich und Deutschland. Aus dem Balkan, Nahen Osten, Griechenland, Iran, Zentralasien, Krim usw. kamen nach dem Fall des eisernen Vorhanges Aussiedler in die Republik. Aber auch für Deutsche wird die Türkei immer interessanter. Insgesamt verließen 2009 rund 155.000 Deutsche die Bundesrepublik Deutschland, wovon sich rund 4.600 Deutsche für die Türkei als neue Wahlheimat entschieden. Damit wanderten 2009 rund 300 Personen mehr in die Türkei aus, als beispielsweise nach Kanada (mit rund 4.300 Auswanderern im Jahr 2009). Neben dem angenehmen Klima, den schönen Landschaften und der Gastfreundschaft der Einwohner sind vor allem die günstigen Lebenshaltungskosten sowie die geringen bürokratischen Hürden hinsichtlich Einwanderung die wesentlichen Gründe dafür, dass die Türkei für Auswanderer immer interessanter wird. Auf der anderen Seite verließen viele Minderheiten die Türkei, etwa Kurden, Assyrer, Griechen, Juden, Jesiden, Zaza usw. sowie Millionen von eigentlichen Türken.

Nachfolgend sind die Einwohnerzahlen der Türkei in ausgewählten Jahren aufgelistet:

Bevölkerungsentwicklung der Türkei von 1961 bis 2002 (Bevölkerung in Tausend Einwohnern)

JahrEinwohnerzahlJahrEinwohnerzahl
1927 13.648.000 1975 40.347.719
1930 14.448.000 1980 44.736.957
1935 16.158.018 1985 50.664.458
1940 17.820.950 1990 56.473.033
1945 18.790.174 2000 67.844.903
1950 20.947.188 2005 72.900.428
1955 24.064.763 2008 70.586.256
1960 27.754.820 2009 71.517.100
1965 31.391.421 2011 74.724.269
1970 35.605.176

Die Türkei verfügt über eine sehr junge Bevölkerung. Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 27,3 Jahren (Stand 2004). Die Altersstruktur setzte sich 2004 folgendermaßen zusammen: 26,6 % der Staatsbürger sind unter 14 Jahre alt, 66,8 % zwischen 15 und 64 Jahre und nur 6,6 % über 65 Jahre alt.

Soziale Lage

Der Staat stellt für alle Bürger eine medizinische Grundversorgung zur Verfügung. 2007 kamen auf 1000 Einwohner 1,23 Ärzte. Die Lebenserwartung beträgt in der Türkei bei den Männern 70,18 Jahre und bei den Frauen 75,18 Jahre. Der Wohlstandsindikator liegt gemäß dem Human Development Index auf Platz 79 der bewerteten Staaten (als Vergleich: Bundesrepublik Deutschland: Platz 22 aggregierter Durchschnitt der EU: Platz 33).

Bildungssystem

Als einer der Gründerväter des modernen Bildungssystems der Türkei gilt Münif Pascha aus der Tanzimatperiode.

Schulsystem

In der letzten Erziehungsreform von 1997 wurde die gesetzliche Schulpflicht von 5 Jahren auf 8 Jahre erhöht. Danach findet der Übergang in die vierjährige Sekundarstufe II statt, in der alle Schüler seit 2004/05 eine zweite Fremdsprache wählen müssen. 2004 bemühte sich die AKP-Regierung intensiv um den erleichterten Hochschulzugang der Berufsschulabgänger. Ziel der Bemühungen ist es vor allem, den Abgängern der ?mam-Hatip-Schulen den Zugang zu nicht-theologischen Studienfächern zu erleichtern. Die Imam-Hatip-Schulen gelten seit der Erziehungsreform von 1997 als Berufsschulen der Sekundarstufe II, in der Vorbeter (Imame) und Prediger ausgebildet werden. Im Februar 2006 wurde nun dieses Vorhaben der AKP-Regierung durch das Urteil des ersten Verwaltungsgerichts gestoppt. Es urteilte, dass ein Abschluss auf einer religiösen Imam-Hatip-Schule nicht zu einem Studium an einer Universität berechtigt.

Im Schulwesen der Türkei bestehen aufgrund mangelnder Finanzierung und der hohen Zahl schulpflichtiger Kinder erhebliche Defizite. Ca. 25 % der türkischen Bevölkerung sind im schulpflichtigen Alter. Die wirtschaftliche Kluft zwischen dem Osten und dem entwickelteren Westen der Türkei wirkt sich auch auf das Schulsystem aus. So besteht im Osten eine große Zahl von einzügigen Schulen mit mehr als 50 Schülern pro Klasse. 98,7 % aller schulpflichtigen Kinder gehen zur Schule. Im Jahre 2010 waren ungefähr 2,21 % der Männer und 9,87 % der Frauen in der Türkei Analphabeten.

In den letzten PISA-Studien liegt die Türkei im unteren Drittel der teilnehmenden Staaten. Für das Jahr 2006: Mathematik: Platz 29 (vgl. Deutschland Platz 14) Lesefähigkeit: Platz 28 (vgl. Deutschland Platz 14) Naturwissenschaften: Platz 29 (vgl. Deutschland Platz 8)

An den türkischen Schulen und Hochschulen herrschte bis 2011 Kopftuchverbot, sowohl für die Schüler und Studenten als auch für die Lehrkräfte. Dieses Verbot war teils mit Polizeigewalt durchgesetzt und wurde in den letzten Jahren zunehmend Thema hitziger Debatten. Noch 2006 wurde das Verbot durch das erste Verwaltungsgericht in einem Urteil bestätigt und sogar weiter ausgedehnt. Im Oktober 2010 jedoch verfügte der wichtigste Hochschulrat Yök: "Studentinnen dürfen bei Verstößen gegen die Kleiderordnung nicht mehr vom Unterricht ausgeschlossen werden", wodurch Frauen nun sogar nach saudi-arabischem Vorbild ganz verschleiert teilnehmen könnten.

Die türkische Bildungspolitik hat sich nach Erdo?ans Wahl zu seiner dritten Amtszeit stark verändert. Das Mindestalter für den Koranunterricht wurde auf drei Jahre gesenkt und die Anforderungen für die Lehrkräfte in diesem Bereich vermindert, dass nun auch in Saudi-Arabien ausgebildete Imame die Kinder heranziehen dürfen. Im Rahmen der Bildungsreform ist das Schulsystem nun in vier Jahre Grundschule, vier Jahre Mittelschule und vier Jahre Oberschule unterteilt. Damit wird die Schulpflicht auf zwölf Jahre angehoben. Neben dem bestehenden Pflichtfach Religion wurden drei neue Wahlfächer Koran, Arabisch und das Leben des Propheten Mohammed eingeführt. Das Schuleintrittsalter wurde auf fünf Jahre gesenkt. Im Rahmen der Reform sind die Absolventen religiöser Akademien denen von geistes- und naturwissenschaftlichen Schulen bei der Zulassung für Hochschulen gleichgestellt worden. Kritiker befürchten dabei lt. Michael Rubin, einem Experten für den Mittleren Osten, dass Islamisten ohne fundierte Grundlage in den elementären Geisteswissenschaften dadurch Staatsbeamte werden würden und so den Staatlichen Apparat binnen einer Generation verändern könnten. Im Rahmen der Schulreform gibt es für die religiösen Gymnasien (?mam-Hatip-Schulen) jetzt auch Mittelschulen. Alleine in Istanbul wurden zu diesem Zweck 76 Mittelschulen umgewandelt.

Hochschulen

Die Türkei hat 172 Universitäten, darunter 69 staatlich anerkannte private Stiftungsuniversitäten, 4 Militärakademien und 1 Polizeiakademie. An den Universitäten des Landes studieren 3,6 Mio. Studenten und damit 33 % aller Schulabgänger eines Jahrganges. Diese werden von 111.495, Lehrkräften unterrichtet und betreut. Kontrolliert werden die Hochschulen durch den türkischen Hochschulrat (YÖK), dem seit 6. November 1981 alle Hochschulen unterstellt sind. 2007 studierten 2.294.707 Studenten an staatlichen Universitäten und 124.507 Studenten an privaten Universitäten.

Haupteingang der Universität Istanbul; Sie ist die älteste (Gründung 1453)und größte Universität der Türkei.

Der Hochschulrat koordiniert neben den Finanzen und dem Personalplan auch die Lehrinhalte, erarbeitet Pläne zur Eröffnung neuer Hochschulen und regelt den Zugang zu den Hochschulen. Jährlich wird durch die Türkische Zentralstelle für Studentenvermittlung, die dem YÖK unterstellt ist, eine Aufnahmeprüfung (Ö?renci Seçme S?nav?, ÖSS) durchgeführt. Das ÖSS-Ergebnis ist für die Wahl der Hochschule und Studienfach entscheidend.

Die Finanzierung der staatlichen Hochschulen hat 2012 mit einem Anteil von 1,18 % des BSP einen neuen Höchstwert erreicht. Für das Studium an den privaten Universitäten sind Gebühren zwischen 4.100 und 10.000 Euro pro Jahr erforderlich. Bei den staatlichen Universitäten liegen die Gebühren zwischen 300 und 1000 Euro.

Nach zwei Jahren Studium wird der akademische Grad Önlisans vergeben. Dieser berechtigt die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit. Nach vier Jahren Studium erhält der Student den Grad Yüksek Lisans. Nach der Yüksek Lisans ist das Promovieren möglich.

Die meisten der 16.328 ausländischen Studenten kommen vor allem aus den zentralasiatischen Turkstaaten. Ein Teil der Studenten erhält zur Finanzierung des Studiums Studienkredite von der Anstalt für Kredite und Heime für Jugendliche in der Hochschulausbildung (Yurt-Kur). 2004 waren es 220.614 Studenten, 174.374 Studenten haben eine Wohnung in Studentenwohnheimen.

Im Januar 2008 stellte der neue Ministerpräsident Erdo?an eine Initiative zur Aufhebung des Kopftuchverbotes an Hochschulen vor. Am 6. Februar 2008 stimmte das türkische Parlament mit einer Zweidrittelmehrheit der dafür notwendigen Verfassungsänderung in erster Lesung zu. Diese wurde am 5. Juni 2008 vom Verfassungsgericht für nichtig erklärt. Seit Oktober 2010 dürfen Studentinnen nach Bekanntgabe des Hochschulrates der Türkei nicht mehr bei Verstößen gegen die Kleiderordnung vom Unterricht ausgeschlossen werden.

Eine Deutsch-Türkische Universität in Istanbul ist mittlerweile errichtet worden und soll zum Wintersemester 2011/12 den Lehrbetrieb aufnehmen.

Geschichte

Vorgeschichte und Altertum

Bronzezeitliche Mauern in Troja

Das Gebiet der heutigen Türkei ist seit der Altsteinzeit besiedelt. Sehr früh begann in der Osttürkei das Neolithikum. Zeugnisse davon sind in Göbekli Tepe, Nevali Cori und Çatalhöyük zu sehen. Im dritten und zweiten Jahrtausend v. Chr. waren in Anatolien die Hattier (auch Protohattier) ansässig, in Nordmesopotamien die Hurriter.

In der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends wanderten neben den Luwiern die ebenfalls indogermanischen Hethiter ein, ihre Herkunft ist noch ungeklärt. Etwa zu dieser Zeit entstand ein Netz assyrischer Handelskolonien (karum) in Kleinasien. Nach einer Zeit lokaler Fürstentümer gründeten die Hethiter um 1600 v. Chr. ihr Großreich mit der Hauptstadt Hattuša. Ihr Reich endete aus unbekannten Gründen um 1200 v. Chr., ihre Kultur existierte jedoch in Kleinkönigreichen im südöstlichen Anatolien und in Syrien bis etwa 600 v. Chr. weiter. Ein möglicher Anlass für das Ende des Hethiterreiches waren die nach Homer aus Thrakien stammenden Phryger. Über ihre Frühzeit auf kleinasiatischem Gebiet gibt es wenig Zeugnisse, inzwischen zeichnet sich ab, dass sie ihre Hauptstadt Gordion bereits im 12. Jahrhundert v. Chr. besiedelten. Um 750 v. Chr. ist ein phrygisches Großreich um Gordion und Midasstadt nachweisbar, es endete 696 v. Chr. angeblich mit dem Einfall der wahrscheinlich aus Südrussland kommenden Kimmerier. Etwa gleichzeitig entstand mit der Hauptstadt Sardes im westlichen Kleinasien das Reich der Lyder, während im Nordosten vom 9. bis 7. Jahrhundert v. Chr. das Reich von Urartu existierte, das im mehr oder weniger ständigen Kampf mit den Assyrern lag.

Die Westküste Anatoliens (unter anderem Milet) wurde bereits seit Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends von ionischen, aiolischen und dorischen Griechen besiedelt, die von dort aus an die Südküste und die Schwarzmeerküste vordrangen. Auch Relikte der mykenischen Kultur sind an der West- und Südküste gefunden worden, inzwischen auch in Ku?akl? im zentralanatolischen Hochland. Ab 700 v. Chr. drangen von Osten Meder und Perser ein und eroberten Lydien und Teile der griechischen Siedlungen. Ab 334 v. Chr. eroberte Alexander der Große ganz Kleinasien. Nach dessen Tod zerfiel sein Großreich, es begann der Hellenismus mit mehreren rivalisierenden Herrschern makedonischer Abstammung. Die griechische Vorherrschaft wurde gegen Ende des 3. Jahrhunderts von der Expansion des Römischen Reichs beendet, das nach und nach die Macht in Kleinasien übernahm und bis zur Reichsteilung in West- und Ostrom (Byzanz) im 4. nachchristlichen Jahrhundert behielt. Danach gehörte das Land bis zum Eindringen der Araber und später der Seldschuken und Osmanen zu Byzanz.

Parallel zu den vorgenannten bestanden lokale Herrschaftsgebiete

  • der Lukka im 15. bis 13. Jahrhundert v. Chr. in Lykien
  • der Mitanni im 15. und 14. Jahrhundert v. Chr. in Nordmesopotamien und Syrien
  • von Arzawa etwa gleichzeitig mit den Hethitern im Südwesten Kleinasiens
  • der Aramäer etwa 1200 bis 1000 v. Chr. in Nordmesopotamien
  • der Karer und Leleger um das 4. Jahrhundert v. Chr. in Westanatolien um Mylasa und Labranda
  • der Lykier 400 bis 300 v. Chr. (siehe Lykischer Bund)
  • der Parther von 200 v. bis 200 n. Chr. im Nordosten und im heutigen Armenien
  • von Kommagene von 163 vor bis etwa Christi Geburt im östlichen Zentralanatolien

Seldschuken – 11. Jahrhundert n. Chr.

Das Reich der Seldschuken

Die endgültige türkische Besiedlung Anatoliens begann mit dem Eintreffen der Seldschuken im 11. Jahrhundert n. Chr. Die ursprüngliche Heimat der Türken lag in Zentralasien und Westchina.

Die Seldschuken schlugen die byzantinische Armee in der Schlacht von Manzikert im Jahre 1071 vernichtend. 1077 wurde das Sultanat der Rum-Seldschuken gegründet und daraufhin eroberten die Türken große Gebiete Ost- und Mittelanatoliens. Nach dem Überfall der Mongolen wurde das seldschukische Reich geschwächt, so dass sich viele türkische Stämme verselbständigten. Aus einem dieser türkischen Fürstentümer (Beyliken) erwuchs das spätere Osmanische Reich. Seit dem 12. Jahrhundert ist in westlichen Quellen die Bezeichnung des Landes als Turchia belegt.

Osmanisches Reich – ab 1299 n. Chr.

Das Osmanische Reich und die heutige Türkei

Um 1299 begründete Osman I., Gazi (1259–1326) das nach ihm benannte Osmanische Reich (auch Türkisches Reich genannt) und die Osmanen-Dynastie. Anfangs spielte für die Osmanen die Gazi-Ideologie eine große Rolle bei der Kriegsführung. Sie hatten es von Anfang an auf die Eroberung byzantinischer Territorien abgesehen, so dass die ersten Eroberungen an der Grenze zum Byzantinischen Reich (Uc) geschahen und sich Richtung Rumelien fortsetzten. Nach der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 herrschten die Osmanen über große Teile des Nahen Ostens, Nordafrikas, der Krim, des Kaukasus und des Balkans.

Nachdem die Expansion des Osmanischen Reiches nach Europa hinein vor Wien zum Stillstand gebracht, das osmanische Heer dort am Kahlenberg 1683 geschlagen worden war, wurde das Reich immer weiter aus seinen europäischen Gebieten bis auf den Zipfel westlich des Marmarameeres, zwischen Istanbul und Edirne, zurückgedrängt. Die ab dem 19. Jahrhundert aufkommenden Nationalbewegungen führten zu einer allmählichen Zersplitterung des Reichs, die Besetzung des türkischen Nordafrikas durch europäische Mächte und schließlich die Niederlage im Ersten Weltkrieg bewirkten seinen endgültigen Verfall.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Osmanische Reich an der Seite der Mittelmächte. Nachdem Frankreich und Großbritannien den Armeniern einen selbständigen Staat in Ostanatolien versprochen hatten, befürchtete die osmanische Regierung unter den Jungtürken eine Schwächung ihrer territorialen Integrität. Unter dem Vorwand einer Umsiedlungsaktion wurde ein großer Teil der im Reichsgebiet lebenden Armenier ermordet oder starb während der Vertreibung in die syrische Wüste. Insgesamt wurden 1915–17 ca. 300.000 - 1,5 Millionen Armenier getötet. Diese Ereignisse werden international weitgehend als Völkermord angesehen. Der Unterausschuss für die Verhütung von Diskriminierung und den Schutz von Minderheiten der UN-Menschenrechtskommission erkannte die Maßnahmen der osmanischen Regierung im Jahr 1985 als Genozid an.Türkische Regierungen bestritten und bestreiten jedoch bis heute, dass diese Tötungen von der osmanischen Regierung gewollt waren oder gar begangen wurden - und damit die Völkermord-These.

Nach der Niederlage der Mittelmächte verlor das Osmanische Reich infolge des Friedensvertrages von Sèvres seine verbliebenen Gebiete außerhalb von Anatolien und Thrakien. Darüber hinaus sollte das Gebiet der heutigen Türkei weitgehend zerstückelt werden. Griechenland wurden die Stadt Smyrna (türkisch ?zmir) und Teile von Westanatolien zugesprochen, die Region um Adana sollte an die Italiener gehen, und der französische Besitz sollte neben Syrien auch Kilikien umfassen. In den östlichen Landesteilen der heutigen Türkei mit den Städten Kars, Ardahan und Erzurum sollte ein armenischer Staat entstehen. Südlich davon und östlich des Euphrat wurde den Kurden eine autonome Region zugesprochen. Diese Pläne wurden allerdings nicht umgesetzt.

Atatürk – Republik und Reformen

Der erste Präsident der Türkischen Republik Mustafa Kemal Atatürk

Mustafa Kemal Pascha organisierte ab dem 19. Mai 1919 den politischen und militärischen Widerstand gegen diese Pläne. Besonders heftig waren ab 1920 die Kämpfe mit Griechenland. Der Krieg endete am 9. September 1922 mit der Rückeroberung ?zmirs. Nach der Einstellung der Kampfhandlungen kam es zu ethnischen Säuberunge in Griechenland und der Türkei, dabei wurden „Türken“ von griechischem Territorium und „Griechen“ von türkischem Territorium vertrieben.

Nach dem Sieg der Türkei wurden am 24. Juli 1923 mit dem Vertrag von Lausanne die Bestimmungen des Vertrages von Sèvres revidiert. Mit dem Vertrag wurden die bis heute gültigen Grenzen des neuen Staates völkerrechtlich anerkannt. Gleichzeitig wurde die wechselseitige Vertreibung der Minderheiten legalisiert. Nachdem alle ausländischen Militäreinheiten Anatolien verließen, rief Mustafa Kemal Pascha am 29. Oktober 1923 die Republik aus.

Im Laufe seiner Amtszeit führte Mustafa Kemal tiefgreifende Reformen im politischen und gesellschaftlichen System durch, welche die Türkei in einen modernen, säkularen und europäisch orientierten Staat verwandeln sollten. Die Leitlinien seiner Politik werden heute unter dem Begriff Kemalismus zusammengefasst.

Unter anderem wurde im Jahre 1922 das Sultanat abgeschafft und am 3. März 1924 folgte die Abschaffung des Kalifats. Im selben Jahr schaffte die Türkei die Scharia ab, 1925 wurden im Zuge einer umfassenden Kleiderreform Fez (traditionelle türkische Kopfbedeckung der Männer) und Schleier für die Frau verboten und die Koedukation eingeführt. 1926 wurde die islamische Zeitrechnung durch den Gregorianischen Kalender ersetzt sowie das metrische System eingeführt. Letzteres galt für staatliche Einrichtungen schon seit 1871.

In den folgenden Jahren wurden ganze Rechtssysteme aus europäischen Ländern übernommen und den türkischen Verhältnissen angepasst. 1926 wurde zunächst das Schweizer Zivilrecht – und damit die Einehe mit der Gleichstellung von Mann und Frau – übernommen (Die Gleichstellung der Geschlechter gelang im täglichen Leben allerdings nur teilweise). Es folgten das deutsche Handelsrecht und das italienische Strafrecht. 1928 wurde die Säkularisierung ausgerufen und im selben Jahr die Arabische Schrift durch die Lateinische ersetzt (siehe Neues türkisches Alphabet). Im Zuge weiterer Reformen wurden in der Türkei 1930 das aktive Frauenwahlrecht eingeführt, und seit 1934 dürfen sich Frauen auch selbst zur Wahl stellen (passives Frauenwahlrecht). Außerdem ließ er das Familiennamensgesetz verabschieden, wobei er von der Nationalversammlung den Namen Atatürk (Vater der Türken) erhielt. Nur wenige der Reformen – etwa Atatürks Idee, in den Moscheen statt auf Arabisch nur noch auf Türkisch zu beten – wurden (nach seinem Tode) zurückgenommen, da man es nicht ganz durchführen und kontrollieren konnte.

Nachdem Atatürk am 10. November 1938 starb, wurde sein enger Weggefährte Ismet Inönü zweiter türkischer Staatspräsident. Inönü war bestrebt, die Modernisierung der Türkei fortzuführen und die außenpolitische Neutralität beizubehalten. 1939 schloss sich der Staat Hatay der Türkei an und ging in der gleichnamigen Provinz mit der Hauptstadt Iskenderun auf.

Zweiter Weltkrieg und danach

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bewahrte die Türkei zunächst ihre außenpolitische Neutralität. Erst am 23. Februar 1945 erklärte sie auf der Seite der Alliierten Deutschland und Japan symbolisch den Krieg. Am 26. Juni 1945 unterschrieb sie die Charta der Vereinten Nationen. Somit zählt die Türkei zu den 51 Gründungsmitgliedern der Vereinten Nationen.

1946 wurden in der Türkei erstmals weitere politische Parteien zugelassen. Die DP (Demokratische Partei) errang bei den Wahlen am 14. Mai 1950, unter der Führung von Adnan Menderes, die Mehrheit der Sitze im Parlament. Damit endete die seit Republikgründung währende Einparteienherrschaft der CHP.

Der sich abzeichnende Ost-West-Konflikt und die Versuche der Sowjetunion, Einfluss auf die Türkei auszuüben, führten zur endgültigen Aufgabe der außenpolitischen Neutralität der Türkei. 1950 nahm die Türkei als Teil eines UNO-Kontingents am Korea-Krieg teil und trat 1952 in die NATO ein.

1960 proklamierte der regierende Ministerpräsident Adnan Menderes ein Ermächtigungsgesetz, um die politische Opposition auszuschalten. Gegen diese Maßnahmen putschte 1960 das Militär. Menderes und andere Politiker wurden zum Tode verurteilt und am 17. September 1961 auf ?mral? erhängt. Nachdem das Militär 1961 eine neue Verfassung eingeführt hatte, gab es die Macht an eine Zivilregierung ab.

?smet ?nönü, der das Amt schon vor dem Zweiten Weltkrieg 1923 bis 1924 und 1925 bis 1937 innehatte, wurde erneut Ministerpräsident und regierte von 1961 bis 1965. 1963 schloss die Türkei mit der damaligen EWG ein Assoziierungsabkommen ab. Aber auch die Folgeregierung konnte die Probleme nicht in den Griff bekommen. Linke und rechte Terror-Aktivitäten nahmen zu und die Wirtschaftslage verschlechterte sich rapide. 1971 griff die Armee, ohne zu putschen, erneut in die Politik ein. Unter dem militärischen Einfluss wurden repressive Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung durchgesetzt.

1974 stürzte die damalige griechische Militärdiktatur den zypriotischen Präsidenten Makarios. Der türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit entsandte daraufhin Truppenverbände nach Zypern, um einerseits die türkische Minderheit auf der Insel zu schützen, und andererseits einen Zusammenschluss zwischen dem damals faschistoid orientierten Griechenland und Zypern zu verhindern. Diese Militäroperation trug den Namen Friedensoperation Zypern (K?br?s bar?? harekât? / K?br?s Sava??). Nach schweren Kämpfen wurde ein Waffenstillstand vereinbart, der zur bis heute andauernden Teilung der Insel in zwei selbständige Teile führte. Am 15. November 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ) unter Rauf Denkta? proklamiert, die allerdings bis heute völkerrechtlich nicht anerkannt wird.

Das Militär putschte sich am 12. September 1980 zum dritten Mal an die Macht. Auslöser war die sehr instabile Phase in den 70er-Jahren, die durch wechselnde politische Koalitionen, politische und wirtschaftliche Instabilität und Terrorakte durch das extrem rechte und linke politische Spektrum geprägt war. Das Militär unter General Kenan Evren verhängte über das Land das Kriegsrecht und verbot alle politischen Parteien. Die Junta ging heftig gegen die kurdischen Separatisten und linke Oppositionelle vor. Am 7. November 1982 wurde die von den Militärs vorgelegte und bis heute gültige Verfassung der Republik Türkei durch ein Referendum angenommen und trat am 9. November 1982 in Kraft.

Ab Mitte der 1980er bestimmte der Kurdenkonflikt die innenpolitische Debatte in der Türkei. Die Kurdenproblematik wurde bis dahin von der Politik totgeschwiegen und war nicht im Bewusstsein der türkischen Gesellschaft. Die Assimilierungspolitik der Türkei führte zur Unterdrückung der kurdischen Kultur und Identität. Als Reaktion darauf entstand im Jahre 1978 die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) mit Abdullah Öcalan an ihrer Spitze. Sie nahm 1984 im Südosten den bewaffneten Kampf für einen unabhängigen sozialistischen Staat Kurdistan auf. Bis 2007 sind bei den Anschlägen und Kämpfen zwischen dem türkischen Militär und der PKK 40.000 Menschen ums Leben gekommen. Am 16. Februar 1998 nahm der türkische Geheimdienst Abdullah Öcalan, den Führer der PKK, in Kenia gefangen und brachte ihn in die Türkei. Daraufhin erklärte die PKK einen einseitigen Waffenstillstand, der erst wieder 2004 gebrochen wurde.

Unter der Regierung Bülent Ecevits (1999–2002) begannen umfassende Reformen im Zivilrecht, welche die Menschen- und Freiheitsrechte stärkten (z. B. Versammlungs- und Demonstrationsrecht). Diese Reformen wurden unter der AKP (seit 2001) fortgesetzt. Unter anderem wurde die Todesstrafe abgeschafft, Folter verboten und die kulturellen Freiheiten der kurdischen Bevölkerung gestärkt. So sind seitdem der Gebrauch der kurdischen Dialekte, Kurdischunterricht und kurdische Radio- und Fernsehkanäle erlaubt. Auch der staatliche Sender TRT 3 strahlt Sendungen in Arabisch, Zazaki, Kumanci, Bosnisch usw. aus.

Am 15. November 2003 und 20. November 2003 verübte eine Zelle der Al-Qaida mehrere Bombenanschläge in Istanbul. Ziele der Anschläge, bei denen 60 Menschen starben, waren zwei Synagogen, das britische Konsulat und die Filiale der britischen HSBC-Bank. Seit 2004 sind die Kämpfe zwischen den türkischen Streitkräften und der Untergrundorganisation PKK wieder aufgeflammt und nahmen 2005 und 2007 an Intensität nochmals zu. Bei einem Besuch am 12. August 2005 in Diyarbak?r bezeichnete der jetzige Premier Erdo?an die Probleme im Osten als ein spezifisch kurdisches Problem (kürt sorunu). Zum ersten Mal in der türkischen Geschichte wurde der spezifisch kurdische Charakter des Konfliktes im Osten der Türkei anerkannt.

Nach 40-jähriger Bemühung erreichte die Türkei am 3. Oktober 2005 die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union. Neben wirtschaftlichen Kriterien und politischen Verpflichtungen stehen dabei auch Forderungen der EU zur Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und den Menschenrechten, dem Schutz von Minderheiten in der Türkei sowie der Verbesserung der Beziehungen zu den Nachbarstaaten im Mittelpunkt. In einem Referendum im September 2010 sprach sich die türkische Bevölkerung für umfassende Verfassungsänderungen aus. Eine Reihe der neuen Regelungen soll die türkische Verfassung an Rechtsnormen der Europäischen Union anpassen. Die EU erklärte jedoch, dass es unter der islamisch-konservativen AKP-Regierung Erdogans keine Fortschritte im Hinblick auf die Grundrechte gab, sondern stattdessen die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird und die Gerichte nicht unparteiisch urteilen.

Politik

Politisches System

In der Türkei herrscht eine Gewaltenteilung zwischen der Legislative, Exekutive und der Judikative. Nach der Verfassung aus dem Jahr 1982 ist die Türkei eine parlamentarische Demokratie mit einem relativ mächtigen Ministerpräsidenten und einer unabhängigen Justiz. Im September 2010 wurde in einem Referendum über die umfassendste Verfassungsänderung seit 1982 entschieden.

Staatsoberhaupt ist der vom Volk für fünf Jahre gewählte Staatspräsident. Eine Wiederwahl des Staatspräsidenten ist für eine weitere Amtszeit möglich (5+5). Der Staatspräsident beauftragt den Parteivorsitzenden der Mehrheitspartei mit der Bildung der Regierung. Regierungschef ist der Ministerpräsident, welcher die Mehrheitspartei oder die Regierungskoalition repräsentiert. Der Staatspräsident segnet die Minister der Regierung ab.

Das Verfassungsgericht ist einer der obersten Gerichtshöfe der Türkei. Es entscheidet über die Verfassungsmäßigkeit der vom Parlament verabschiedeten Gesetze. Erstmals wurde 2005 mit Tülay Tu?cu eine Frau zur Vorsitzenden des Verfassungsgerichts gewählt, die das Amt bis zum 12. Juni 2007 bekleidete.

Der Inlandsnachrichtendienst Millî ?stihbarat Te?kilât? wacht mittels umfangreicher Ermächtigungen u.a. über die innere Ordnung, Verfassung und Sicherheit des Landes. Die zahlenmäßig größten Gewerkschaftsbünde sind Türk-?? (gemäßigt, mit ca. 2,13 Mio. Mitgliedern), D?SK (links-orientiert, mit ca. 0,35 Mio. Mitgliedern) sowie Hak-?? (islamisch-konservativ, mit ca. 0,36 Mio. Mitgliedern).

Parlament

Gesetzgebendes Organ ist in der Türkei die Große Nationalversammlung der Türkei (Türkiye Büyük Millet Meclisi). Sie besteht aus 550 Parlamentariern, die vom Volk direkt für vier Jahre gewählt werden. Ab dem 18. Lebensjahr ist jeder Staatsbürger der Türkei wahlberechtigt und auch wahlpflichtig. Eine Stimmabgabe an türkischen Grenzübergängen ist möglich. Am 12. Juni 2011 fanden Wahlen zum Parlament statt. Drei Parteien schafften den Einzug in das Parlament: Die Adalet ve Kalkinma Partisi (AKP), die Cumhuriyet Halk Partisi (CHP) und die Milliyetçi Hareket Partisi (MHP). Jedoch sind momentan fünf Parteien im Parlament vertreten. Dies hat folgende Gründe:

  • Der Vorsitzende der Katilimci Demokrasi Partisi (ÖDP) Serafettin Elçi trat vor der Wahl aus taktischen Gründen aus seiner Partei aus, da klar zu erwarten war, dass seine Partei die landesweit geltende Sperrklausel von 10 Prozent nicht schaffen würde. Nachdem der Vorsitzende als unabhängiger Kandidat in das Parlament gewählt wurde, trat er wieder in seine Partei ein, die dadurch mit nur einem Sitz vertreten ist.
  • Die Baris ve Demokrasi Partisi (BDP) wählte einen ähnlichen Weg. Sie trat aufgrund der 10-Prozent-Sperrklausel nicht als Partei zur Wahl an, sondern stellte unabhängige Kandidaten auf. So wurden 29 Kandidaten in das Parlament gewählt. Nach der Wahl traten alle Kandidaten in die BDP ein und konnten sogar eine Fraktion gründen, da die dafür erforderliche Mindestzahl von 20 Abgeordneten erreicht war.

Das türkische Parlament

Die Zusammensetzung des Parlaments sieht wie folgt aus
LogoFraktionBeginn der
Legislaturperiode
Stand
Januar 2012
AbgängeZugängeSaldo
AKP.svg
Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) 327 326 Harun Çak?r (†) ? -1
Chp-logo.svg
Republikanische Volkspartei (CHP) 135 135 ? ? 0
MHP flag.svg
Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) 52 51 1. Yusuf Ziya ?rbeç ? -1
Baris ve Demokrasi Partisi logo.PNG
Partei des Friedens und der Demokratie (BDP) 29 29 ? ? 0
KADEP.jpg
Partei der Partizipatorischen Demokratie (KDP) 1 1 ? ? 0
Fraktionslose Abgeordnete 6 7 ? 1. Yusuf Ziya ?rbeç +1
Gesamt 550 549     -1

Menschenrechte

Die Regelung, dass formell alle Bürger ungeachtet der Sprache, Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung vor dem Gesetz gleich sind, wurde vom ersten Staatspräsidenten Mustafa Kemal Atatürk in der Verfassung von 1924 eingeführt. Die aktuelle Türkische Verfassung von 1982 garantiert den türkischen Bürgern demnach eine weite Palette an Grundrechten und individuellen Freiheitsrechten. Die Hauptproblemfelder hinsichtlich der Menschenrechte sind heute allerdings die verfassungsmäßige Umsetzung der Meinungs-, Informations- und Religionsfreiheit, hinzu kommen noch Mängel im Schutz der ethnischen Minderheiten und in der Durchsetzung der Gewerkschaftsrechte. Der Türkische Menschenrechtsverein berichtete in seinem Jahresbericht im Jahr 2006 detailliert über alle Vorwürfe und Vorgänge im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen:

  • Es gab im Jahre 2006 türkeiweit insgesamt 708 Vorwürfe von Folter, Misshandlung und sexueller Belästigung seitens der türkischen Behörden, 179 davon bezogen sich auf Polizeihaft.
  • Es gibt in diesem Zusammenhang elf laufende Gerichtsverfahren, eines wurde im Jahre 2006 neu eröffnet.
  • Insgesamt wurden nur vier Verfahren wegen Folter abgeschlossen, drei endeten mit zum Teil hohen Haftstrafen, ein weiteres endete jedoch mit Freispruch.

Ein kontrovers diskutiertes Thema ist die Situation der Rede- und Pressefreiheit. Der umstrittene Artikel 301 des türkischen Strafgesetzbuches stellt die „Beleidigung der türkischen Nation, der türkischen Republik und der Institutionen und Organe des Staates“ unter Strafe. Kritische oder gar beleidigende Stimmen gegenüber dem Staatsgründer Atatürk werden nach dem Gesetz über strafbare Handlungen gegen Atatürk ebenfalls nicht geduldet. Das Gesetz zur Bekämpfung des Terrorismus ("Terörle Mücadele Kanunu", Gesetz Nr. 3713) räumt dem türkischen Staat die Möglichkeit ein, vorübergehend Zeitungen zu verbieten.

Die Türkei im Bereich der Frauenrechte gilt unter den islamisch geprägten Ländern als am fortschrittlichsten. Seit der Gründung der Republik wurde unter Atatürk versucht, die Stellung der Frau in der türkischen Gesellschaft zu verbessern.Die Türkei gehörte sogar zu den ersten Staaten überhaupt, die das Frauenwahlrecht einführten. Seit 1930 dürfen Frauen in der Türkei wählen und seit 1934 können sie sich auch zur Wahl stellen. Erst 2004 jedoch wurde durch das Parlament ein Gesetz beschlossen, das sogenannte „Ehrenmorde“ an Mädchen und Frauen wie vorsätzlichen Mord mit lebenslanger Haftstrafe ahndet. Davor wurden bei solchen Morden unter dem Motiv der Familienehre vor den Gerichten mit Erfolg mildernde Umstände geltend gemacht. Diese mildernden Umstände wurden mit dieser Strafrechtsreform nichtig.

Die Behandlung der religiösen Minderheiten wird zunehmend umstrittener und ist mittlerweile international kritisiert. Das Prinzip der in der Türkei praktizierten Version des Laizismus (eines der sechs Grundprinzipien des Kemalismus) schreibt eine strenge Trennung von Religion und Staat vor, in der Realität ist die islamische Religion dem Staat untergeordnet. Der Islam ist seit 1928 nicht mehr die bestimmende politische Kraft im Land. Artikel 24 der Verfassung von 1982 beschränkt die Glaubensfreiheit auf das Individuum. Religionsgemeinschaften können aus dem Verfassungsabschnitt keine Rechte geltend machen. Dies betrifft vor allem die Christen in der Türkei, deren Kirchen keinen Rechtsstatus besitzen.

Es gibt auch Berichte von Folter im Zusammenhang mit dem Kurdenkonflikt. Mitte der 1990er Jahre, in der Blütezeit der verbotenen Terrororganisation PKK, erreichte die im ganzen Land auf Polizeiwachen durchgeführte Folter mit Todesfolge, ihren bisherigen Höhepunkt. Die Folter richtete sich hauptsächlich gegen die PKK. In der Straftatenliste türkischer Polizisten gehörte um 1995 der sexuelle Missbrauch von Männern, Jugendlichen und Frauen „zur Tagesordnung“ (Human Rights Watch). Dank ausländischer Überwachung (besonders durch die EU) der türkischen Polizeistationen und neuer, allerdings nur langsam umgesetzter Gesetze, sank die Zahl der Folter- und Todesopfer bis heute erheblich. Weiterhin werden auch Kinder, die zum Teil nicht älter als 12 Jahre sind, allein wegen ihrer mutmaßlichen Teilnahme an Protesten gegen die türkischen Behörden der Mitgliedschaft in terroristischen Vereinigungen beschuldigt, verhaftet und körperlich misshandelt.

Außenpolitik

Zu den außenpolitischen Konstanten gehören für die Türkei der Wunsch nach einem Beitritt zur Europäischen Union, die Westbindung und das Verhindern eines eigenständigen kurdischen Staates. Die Türkei betrachtet sich auch als Schutzmacht der Turkmenen auf dem Balkan und im Nord-Irak. Darüber hinaus versucht die Türkei eine Führungsrolle bei den Turkstaaten (Türkische Republik Nordzypern, Aserbaidschan, Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan und Kasachstan) Zentralasiens einzunehmen und ihre Beziehungen zu den autonomen türkischen Republiken und Regionen zu verbessern.

Ungewöhnlich für einen mehrheitlich von Muslimen bewohnten Staat sind die guten Beziehungen der Türkei zu Israel; es werden u. a. regelmäßig gemeinsame Militärmanöver durchgeführt. Allerdings bahnt sich seit dem Gazakrieg von Ende 2008 eine Beziehungskrise an. 2009 und nach dem Ship-to-Gaza-Zwischenfall 2010 haben sich die Beziehungen zu Israel weiter verschlechtert. Dafür haben sich die Beziehungen zu den islamischen Ländern verbessert.

Internationale Organisationen

Die Türkei ist seit 1952 Mitglied der NATO und seit 1963 assoziiertes Mitglied in den Vorläuferorganisationen der EU und strebt seit über vier Jahrzehnten Verhandlungen über eine Vollmitgliedschaft zuerst in der EWG, später der EG und zuletzt in der Europäischen Union an. Am 16./17. Dezember 2004 beschloss der Europäische Rat die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zum 3. Oktober 2005. Zuvor hatten dies sowohl die Europäische Kommission als auch das Europäische Parlament befürwortet. Obwohl die Verhandlungen pünktlich begonnen hatten, streben Beitrittsgegner weiterhin eine Privilegierte Partnerschaft an. Diese wird jedoch von türkischer Seite und den meisten EU-Mitgliedstaaten abgelehnt.

Recep Tayyip Erdo?an bei einem Treffen mit Barack Obama im Weißen Haus.

Daneben ist die Türkei u. a. Mitglied bei den folgenden überstaatlichen Organisationen:

  • Vereinte Nationen mit Sonderorganisationen (UNO, 1945)
  • Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD, 1948)
  • Europarat (1949)
  • EG-Assoziierungs-Abkommen (1963)
  • Organisation der Islamischen Konferenz (OIC, 1969)
  • Europäische Bank für Wiederaufbau- und Entwicklungshilfe (EBRD, 1990)
  • Zentralasien-Gipfel der Türkischen Republiken (OATCT, 1992)
  • Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation (BSEC, 1992)
  • Internationaler Währungsfonds (IWF)
  • Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE, 1973)
  • Europäische Zollunion mit der EU (1996)
  • Gruppe der acht Entwicklungsländer (1997)
  • G-20
  • EU-Beitrittskandidat (seit 3. Oktober 2005)

Beziehungen zu Nachbarstaaten

  • Griechenland: Regionale Konfliktfelder sind die Herrschaftsräume in der Ägäis und der Zypernkonflikt. In der Ägäis geht es um den Verlauf der Grenze zwischen beiden Ländern. Die Festlegung des Grenzverlaufs ist sehr umstritten, weil wirtschaftliche und militärische Interessen auf dem Spiel stehen. Wirtschaftlich geht es um potentielle Ölvorkommen, die beide Länder ausbeuten wollen. In letzter Zeit kam es aber zu einer deutlichen Entspannung zwischen den Staaten, obwohl die Unstimmigkeiten noch nicht geklärt sind (Stand 2004).
  • Zypern: Unstimmigkeiten gibt es wegen der in Nordzypern stationierten türkischen Soldaten. Der Versuch der Republik Zypern, Flugabwehr-Raketen auf der Insel zu stationieren, führte Mitte der 1990er Jahre fast zu einem Krieg. Die Raketen wurden letztlich nicht stationiert. Während des EU-Ratsvorsitzes Zyperns kündigte die Türkei an, alle Beziehungen zur Republik Zypern einzufrieren.
  • Irak: Die Türkei sieht im Falle eines Sieges der Kurden in Kirkuk bei den Wahlen am 30. Januar 2005 und dessen Eingliederung in die autonome Kurdenregion in Irak einen möglichen Kriegsgrund. Hintergrund ist, dass durch die reichen Ölfelder in Kirkuk ein wirtschaftlich überlebensfähiger, selbständiger kurdischer Staat denkbar wäre. Durch einen Kurdenstaat im Nordirak könnte der Kurdenkonflikt in der Türkei erneut aufflammen. Vielen Unstimmigkeiten zum Trotz hat sich im irakischen Kurdengebiet ein Investitionsschub türkischer Unternehmen entwickelt. Des Weiteren hat Ankara ein Konsulat in Arbil eröffnet.
  • Syrien: Es gibt Streitigkeiten wegen des Euphratwassers. Der Bau von Staudämmen im Rahmen des Südostanatolien-Projekts führt auf Seiten von Syrien zu der Befürchtung, dass die Türkei eines Tages das Wasser als Machtinstrument benutzen könnte. Die Unterstützung der PKK durch Syrien veranlasste die Türkei in den späten 1990ern zu einer Kriegsdrohung gegenüber Damaskus. Syrien fühlt sich zudem durch die enge militärische Kooperation zwischen Israel und der Türkei bedroht. Heutzutage sind die Beziehungen zu Syrien wegen der Gewalt gegen die Menschen im eigenen Land sehr angespannt. Ankara verhängte Sanktionen gegen das Assad Regime, alle Konten von regimenahen Personen wurden eingefroren. Auch Waffenlieferungen wurden untersagt. Ein seit Jahrzehnten bestehendes Streitobjekt zwischen beiden Staaten ist zudem die türkische Provinz Hatay, welche bis 1938 zum damaligen französischen Mandatsgebiet Syrien gehörte und 1939 der Türkei angeschlossen wurde. Nach einer Zeit der Annäherung beider Länder kam es im Zuge des Bürgerkriegs in Syrien zu einer massiven Verschlechterung der Beziehungen. So berief die türkische Regierung ihren Botschafter aus Damaskus ein und forderte Baschar al-Assad mehrmals zum Rücktritt auf. Spätestens seit dem Mai 2012 wurden Kämpfer der syrischen Opposition vom türkischen Geheimdienst trainiert und bewaffnet.
  • Bulgarien: Die massive Unterdrückung der türkischen Minderheit in Bulgarien, die zur Zeit des Osmanischen Reiches nach Bulgarien eingewandert war, sorgte insbesondere während des Kalten Krieges für Spannungen zwischen den beiden Ländern. Mitunter kam es im Zuge des Widerstandes gegen das frühere kommunistische Regime in Bulgarien zu terroristischen Anschlägen durch die unterdrückte türkische Minderheit gegen Ziele in Bulgarien (u. a. Bombenanschlag auf einen voll besetzen Reisezug während einer Tunnelfahrt 1988). Darüber hinaus weigert sich die Türkei Entschädigungen in Milliardenhöhe an Nachkommen der aus dem Gebiet der heutigen Türkei vertriebenen Bulgaren zu zahlen. Trotzdem pflegen heute die Regierungen beider Länder gute Beziehungen, nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Bedeutung der Türkei.
  • Armenien: Die heutige türkische Regierung bestreitet den Völkermord an den Armeniern von 1915/16 und versucht auf diplomatischen Wegen andere Staaten davon abzuhalten, den Völkermord offiziell anzuerkennen. International ist der Völkermord bis auf wenige Ausnahmen (u.a. Georgien und Aserbaidschan) als solcher anerkannt. Die Besetzung der völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehörenden Region Berg-Karabach durch Armenien belastet das Verhältnis zur Türkei, da die Türkei sich selbst als Schutzmacht Aserbaidschans versteht. Armenien anerkennt die Grenze mit der Türkei, nach dem Vertrag von Kars (1921), bis heute nicht. Im Oktober 2009 unterzeichneten die Türkei und Armenien eine Vereinbarung über die Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Militär

Parade am Tag des Sieges (Zafer Bayram?) in Istanbul.

Im Wehretat für 2011 sind 25 Milliarden US-Dollar eingeplant. Hinzu kommen Aufwendungen, die nicht im Etat aufgeführt werden. Die Türkei ist seit 1952 Mitglied der NATO und stellt innerhalb des Bündnisses mit ca. 612.000 Soldaten nach den USA das zweitgrößte Heer. Das türkische Militär wird auch im Landesinneren beim Katastrophenschutz eingesetzt. Aufgrund vieler strategisch wichtiger Stützpunkte dient die Türkei als Drehscheibe für die Militärinterventionen im Nahen Osten.

Die Dauer der Wehrpflicht ist 2005 von 18 Monaten auf 15 Monate reduziert worden. Damit sinkt auch die Zahl der Wehrpflichtigen um etwa 85.000. In der Türkei besteht für jeden Mann ab dem 20. Lebensjahr die allgemeine Wehrpflicht. Ein Ersatzdienst für Wehrdienstverweigerer besteht nicht. Für Staatsangehörige, die im Ausland leben, besteht die Möglichkeit, den Wehrdienst durch Geldzahlung (umgerechnet 5.000 €) auf einen Monat zu verkürzen. Ein in der Türkei abgeschlossenes Hochschulstudium verkürzt die Wehrpflicht auf 5,5 Monate als einfacher Soldat oder auf 12 Monate als Unterleutnant.

Politische Rolle

Die türkischen Streitkräfte sehen sich als Hüter der Demokratie und des Kemalismus und haben sich schon zweimal, um politische Krisen zu beenden, an die Macht geputscht, und zwar 1960 und 1980 (1971 wurde außerdem die Regierung Demirel zum Rücktritt gezwungen). Der Ablauf beider Putsche ist ähnlich, das Militär blieb wenige Jahre an der Macht und gab sie, nach einer Verfassungsreform, wieder an eine Zivilregierung ab. Die Zielrichtung des Militärs war jedoch bei den zwei Putschen unterschiedlich. Der Staatsstreich vom Mai 1960 wurde von eher links orientierten Offizieren mittleren Ranges getragen und führte zu einer demokratischeren Verfassung. Der Putsch von September 1980 kam aus der Generalität und dem rechten Lager und führte zu einer neuen Verfassung. Das letzte Mal führte die Intervention des Militärs 1997 zum Rücktritt der Regierung von Necmettin Erbakan und seiner Refah Partisi. Allerdings lief dieser letzte Umsturz immerhin völlig ohne Waffengewalt ab.

Im Rahmen der EU-Beitrittsbemühungen begrenzte das Parlament 2003 die politische Macht der Militärs. Im Nationalen Sicherheitsrat hatte das Militär vor den Reformen die entscheidende Macht. Der Rat tagte monatlich unter dem Vorsitz des Staatspräsidenten und behandelte alle aktuellen innen- und außenpolitischen Themen. Offiziell hatte der Rat nur beratende Funktion. Inoffiziell kam das aber einer Weisungsbefugnis des Militärs gegenüber der Politik gleich. Nach der Reform wird die Funktion des Rates auf die Politikberatung reduziert und zudem die Zahl der Militärs im Rat auf einen einzigen Generalstabschef gesenkt. Auch steht dem Rat nun ein Zivilist als Generalsekretär vor, der dem stellvertretenden Ministerpräsidenten untergeordnet ist. Zudem wird ab 2003 der gesamte militärische Etat der parlamentarischen Kontrolle unterstellt, was vor der Reform nicht der Fall war. Das Militär konnte die Ausgaben für das Militär selbst bestimmen und unterhielt versteckte Posten für Militärausgaben im Gesamthaushalt. Seit dem Regierungsantritt von Erdo?an kam es zu zahlreichen Anklagen und Rücktritten höchster Militärs, was als Zurückdrängung des Einflusses der Militärführung interpretiert wird.

Auslandseinsätze

Standarte der türkischen Brigade während des Koreakriegs

Auslandseinsätze des türkischen Militärs nach dem Zweiten Weltkrieg:

  • UNO-Einsatz im Koreakrieg (1950–1953)
  • Invasion in Zypern (1974): Seit der Invasion ist im Norden der Insel Zypern eine größere Streitmacht stationiert (2005 waren es ca. 30.000 Soldaten).
  • Unterstützung der UNO-Mission in Somalia (1993–1994)
  • SFOR NATO-Einsatz in Bosnien-Herzegowina (seit 1995)
  • KFOR NATO-Einsatz im Kosovo (1999)
  • Irak: Ende der 1990er und Anfang des 21. Jahrhunderts immer wieder Operationen auf irakischem Boden gegen die PKK. Seit 2005 sind einige Tausend türkische Soldaten in Nord-Irak stationiert. Sie sollen Übergriffe von PKK-Kämpfern in die Türkei verhindern.
  • ISAF NATO-Einsatz in Afghanistan (seit 2001): Von Juni 2002 bis Februar 2003 stand der Einsatz unter türkischer Leitung. Derzeit sind 1795 türkische Soldaten im Einsatz. Von Februar bis August 2005 stand das Kommando erneut für sechs Monate unter türkischer Führung.

Verwaltungsgliederung

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Ankara
K?rklareli
Edirne
Tekirda?
Çanakkale
Bal?kesir
Bursa
Yalova
?stanbul
Kocaeli
Sakarya
Düzce
Zonguldak
Bolu
Bilecik
Eski?ehir
Kütahya
Manisa
?zmir
Ayd?n
Mu?la
Denizli
Burdur
U?ak
Afyonkarahisar
Isparta
Antalya
Konya
Mersin
Karaman
Aksaray
K?r?ehir
K?r?kkale
Çank?r?
Karabük
Bart?n
Kastamonu
Sinop
Çorum
Yozgat
Nev?ehir
Ni?de
Adana
Hatay
Osmaniye
K. Mara?
Kayseri
Sivas
Tokat
Amasya
Samsun
Ordu
Giresun
Erzincan
Malatya
Gaziantep
Kilis
?anl?urfa
Ad?yaman
Gümü?hane
Trabzon
Rize
Bayburt
Erzurum
Artvin
Ardahan
Kars
A?r?
I?d?r
Tunceli
Elaz??
Diyarbak?r
Mardin
Batman
Siirt
??rnak
Bitlis
Bingöl
Mu?
Van
Hakkari

Die Kommunalverwaltung ist in der Türkei in 81 Provinzen (?l oder valilik) unterteilt, die durch einen Gouverneur (Vali) verwaltet werden. Die einzelnen Provinzen sind weiter in einzelne Landkreise und Gemeinden unterteilt. Die Landkreise (ilçe oder kaymakaml?k) werden von einem Kaymakam geleitet, der vom Innenminister ernannt wird. Die Bürgermeister (Belediye Ba?kan?) und Dorfvorsteher (Muhtar) werden vom Volk gewählt.

Die größte Stadt der Türkei - Istanbul

Städte

Die Verstädterung ist in der Türkei weit vorangeschritten, 74 % der Gesamtbevölkerung leben in einer Stadt. Der Südosten und Nordosten des Landes sind sehr dünn besiedelt, der Großteil lebt und arbeitet in den großen Ballungszentren an der Westküste und die Region um das Viereck Ankara, Sivas, Kayseri und Konya in der Zentral-Türkei.

Hauptstadt und Regierungssitz ist das in Zentralanatolien gelegene Ankara mit 4.466.756 Einwohnern. Hier hat zudem die Große Nationalversammlung ihren Sitz, sowie die Führungskommandos aller Teilstreitkräfte. Ankara ist eines der großen Industrie- und Dienstleistungsballungszentren der Türkei und Universitätsstadt, u.a. sitzt hier die 1936 von Mustafa Kemal gegründete Ankara Üniversitesi, die älteste Universität Ankaras.

Mega-Metropole, größte Stadt des Landes und zugleich wichtigstes wirtschaftliches und kulturelles Ballungszentrum des Landes ist das am Bosporus gelegene Istanbul (früher Konstantinopel) das von der Meerenge geteilt wird und sich so auf zwei Kontinenten über eine Fläche von ca. 1.269 km² erstreckt. Die eigentliche Stadt hat 11.174.257 Einwohner; in der gesamten Metropolregion, die sich vollständig auf der Bodenfläche der Provinz Istanbul erstreckt, leben auf einer Fläche von ca. 5.220 km² ca. 12.573.836 Menschen. Damit ist Istanbul eine der größten Städte der Welt.

?zmir ist mit 3.739.353 Einwohnern die drittgrößte türkische Stadt und verfügt nach Istanbul über den zweitgrößten Handelshafen. Bursa (2.439.876 Einwohner), die ehemalige Hauptstadt des Osmanischen Reiches, ist heute ein wichtiger Wirtschaftsstandort für die Automobil- und Textilindustrie. Die wichtigste Stadt im Südosten der Türkei ist Diyarbak?r. Diyarbak?r (799.447 Einwohner) besitzt nach der Chinesischen Mauer die größte und besterhaltene Befestigungsanlage der Welt. Sie besteht zum größten Teil aus Basalt. Die Anlage wird in einen inneren und einen äußeren Abschnitt unterteilt. Weitere wichtige Städte sind Adana (2.006.650 Einwohner), Gaziantep (1.560.023 Einwohner), Konya und die Touristenhochburg Antalya (Stand 2007).

Wirtschaft

Die türkische Wirtschaft erreichte in den letzten Jahren hohe Wachstumsraten. Aufgrund der schnellen Erholung konnte die Türkei als einziges OECD-Land während der Wirtschaftskrise ihr Kredit-Rating verbessern.Zuletzt erreichte die staatliche Bonitätsbewertung für die in Lira notierenden Papiere erstmals in ihrer Geschichte die Einstufung „Investment Grade“. Die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und der Inflationsrate der Türkei in den Jahren von 1998 bis 2009 zeigt die Tabelle rechts. Die Türkei hat seit vielen Jahren ein Außenhandelsdefizit. Öl, Vorprodukte und Getreide müssen eingeführt werden.

Entwicklung des BIP und der Inflation
Jahr BIP (real) Inflation
in %; gg.Vorjahr
1994 -5,1 ~120
1995 8,1 ~120
1996 7,9 ~80
1997 -7,5 ~80
1998 2,8 101,6
1999 -4,7 64,9
2000 7,4 54,9
2001 -7,5 54,4
2002 7,8 45,0
2003 5,8 25,3
2004 8,9 12,0
2005 8,4 8,18
2006 6,9 9,6
2007 4,7 8,76
2008 0,7 10,44
2009 -4,7 6,25
2010 9,0 6,4
2011 8,5 9,1
Quelle: 94-97 98-99 IWF. 00-04 EU 05-09 Eurostat

10-11 Türk. Zentralbank Türk. Finanzministerium

Die wirtschaftliche Situation der Türkei ist immer noch sehr widersprüchlich. Es besteht eine sehr große Kluft zwischen dem industrialisierten Westen und seiner modernen Industrie (insbesondere in den großen Metropolen) einerseits und dem agrarisch strukturierten und wenig entwickelten Osten andererseits.

Der Großraum Istanbul erreicht beispielsweise 41 % des durchschnittlichen Einkommens der 15 alten EU-Staaten, der Osten hingegen nur 7 %. Diverse Projekte, u. a. die großen Staudamm-Projekte (Südostanatolien-Projekt (GAP)) sollen dem Osten helfen, sich besser zu entwickeln. Zudem gibt es innerhalb der türkischen Volkswirtschaft erhebliche strukturelle Probleme. So trägt die Landwirtschaft zum BSP lediglich 11,9 % bei, beschäftigt aber 30,6 % der Arbeitskräfte. Die Industrie trägt 29,6 % zum BSP bei und der Dienstleistungssektor 58,5 %. In der Industrie arbeiten 19,3 % aller Erwerbstätigen und in der Dienstleistung 44,5 %. Seit 1996 besteht zwischen der Türkei und der EU eine Zollunion (51,6 % der Exporte gehen in die EU, 46 % der Importe stammen aus der EU).

Die Türkei scheint ihre chronische Inflation mittlerweile in den Griff zu bekommen. Die Inflation erreichte zeitweise dreistellige, beinahe hyperinflationäre Zahlen (1994/1995 betrug sie in einigen Quartalen 150 %), 2003 sank sie auf 18,4 %, nach Schätzungen betrug sie 2004 ca. 9,4 %. Am 1. Januar 2005 wurde die alte Türkische Lira durch die Neue Türkische Lira (Yeni Türk Liras?) ersetzt. Damit verlor die Türkische Lira 6 Nullen. Außerdem wurde die Untereinheit der Lira, der Kuru?, wieder eingeführt.

Die wichtigsten Wirtschaftssektoren sind die Textilindustrie, Tourismus, Automobilindustrie und die Elektronikbranche. Die Investitionen von ausländischen Unternehmen in der Türkei liegen bei ca. 4,6 Mrd. Euro (2002), davon alleine 3,3 Milliarden aus Deutschland. 2002 gab es 5.129 ausländische Kapitalgesellschaften, die in der Türkei aktiv waren, die meisten davon aus EU-Staaten. 2005 erzielte der Staat durch Privatisierungen von Staatsunternehmen 20 Mrd. $. Die folgenden Tabellen zeigen den sich lebhaft entwickelnden Außenhandel der Türkei der letzten Jahre und die Haupthandelspartner.

Entwicklung des Außenhandels
(in Mrd. US-Dollar und in % gegenüber dem Vorjahr)
  20032004200520062007
  Mrd. US$  % gg. Vj. Mrd. US$  % gg. Vj. Mrd. US$  % gg. Vj. Mrd. US$  % gg.Vj. Mrd. US$  % gg.Vj.
Ausfuhr 47,3 30 63,2 34 73,1 16 85,3 16 107,2 26
Einfuhr 69,3 33 97,5 41 116,0 19 137,3 18 170,0 24
Quelle: bfai.[75]
Haupthandelspartner (2005)
Ausfuhr (in %) nachEinfuhr (in %) von
Deutschland 13 Deutschland 12
Vereinigtes Königreich 8 Russland 11
Italien 8 Italien 7
USA 7 Volksrepublik China 6
Frankreich 5 Frankreich 5
Spanien 4 USA 5
Irak 4 Vereinigtes Königreich 4
sonstige Länder 52 sonstige Länder 51
alle EU Länder zusammen 52 alle EU Länder zusammen 42
Quelle: bfai[75]
Hauptprodukte des Außenhandels (2005)
Ausfuhrgüter (Anteil in %)Einfuhrgüter (Anteil in %)
Bekleidung 16 Maschinen 18
Kraftfahrzeuge 13 Erdöl und -erzeugnisse 11
Maschinen 10 Kraftfahrzeuge 9
Textilien 10 Erdgas 6
Quelle: bfai

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2010 Ausgaben von umgerechnet 195,4 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von 169,3 Mrd. US-Dollar gegenüber. Daraus ergab sich ein gesamtstaatliches Haushaltsdefizit von 2,8 % des BIP nach ESVG. Die gesamtstaatliche Verschuldung erreichte 2010 umgerechnet 301,3 Mrd. US-Dollar oder 42,2 % des BIP.

Jahr 2001200220032004200520062007200820092010201120122013
Staatsverschuldung 77,9 % 74,0 % 67,7 % 59,6 % 52,7 % 46,5 % 39,9 % 40,0 % 46,1 % 42,2 % 40,6 % 38,8 % 36,8 %
Haushaltssaldo -24,5 % -13,9 % -10,0 % -3,9 % -0,2 % 0,0 % -1,6 % -2,4 % -5,6 % -2,8 % -0,9 % -0,9 % -0,7 %
Quellen: Staatssekretariat für Schatzwesen; 2011-2013: Haushaltsplan, IMF

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

  • Gesundheit: 4,8 %
  • Bildung: 4,0 % (2004)
  • Militär: 5,3 % (2005)

Infrastruktur

Aufgrund seiner Lage als Knotenpunkt zwischen Asien und Europa ist der Verkehrssektor eine wichtige Einnahmequelle der Türkei. Die Transportdienstleistungen umfassen neben den Straßen- auch See-, Luft- und Schienenverkehr sowie Transporte über Rohrleitungen. Mit internationalem Personen- und Güterverkehr auf Straßen erwirtschaftete die Türkei 1999 1,2 Milliarden Euro.

Der inländische Gütertransport und Personenverkehr erfolgt fast ausschließlich auf der Straße. Der Güterverkehr mit dem Ausland erfolgt überwiegend über den Wasserweg und der Personenverkehr über den Luftweg.

2000 machte der Verkehrs- und Kommunikationssektor rund 14 % des Bruttoinlandsprodukts aus. 27,3 % aller öffentlichen Investitionen werden in diesem Bereich getätigt. Damit zeigt sich die Bedeutung dieses Sektors für die Türkei auf eine eindrucksvolle Weise.

Straßenverkehr

Das Straßennetz der Türkei weist insgesamt eine Länge von 413.724 km. auf. Davon sind 62.000 km Landstraßen, 350.000 km sog. Dorfstraßen und 2.036 km Autobahn. Das Autobahnnetz soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Die bedeutendste Autobahnstrecke ist die von ?stanbul nach Ankara (O-4), auch die O-52 von Adana nach Gaziantep ist wichtig für Verkehr und Transport. Weitere Autobahnen existieren um ?zmir (O-31 und O-32) und im südlichen Teil des Landes (Mersin, ?skenderun, Pozant?). Eine Autobahn von ?zmir nach Manisa ist im Bau, die Autobahnen Adana-Ankara und Gaziantep-?anl?urfa sind ebenfalls im Entstehen.

Auf den Straßen werden 89,2 % (Stand 2000) aller inländischen Güter transportiert. Der Anteil des Personenverkehrs ist mit 95 % sogar noch höher. Bei Überlandfahrten sind Reisebusse sehr beliebt. Hier konkurrieren viele Unternehmen um die Gunst der Fahrgäste, daher ist der Service bei den Busgesellschaften sehr hoch, so wird bei den Überfahrten den Reisenden Kaffee, Tee, Wasser und Gebäck gereicht. Außerdem kann man während Busfahrten über W-Lan im Internet surfen, allerdings werden nur bei vereinzelten Busunternehmen Steckdosen angeboten, um elektrische Geräte aufzuladen.

Die Verkehrssicherheit erreicht derzeit noch nicht das Niveau der meisten europäischen Staaten. Jährlich sind ca. 3.400 Todesopfer im Straßenverkehr zu beklagen. Gegenwärtig wird ein neues System der Hauptuntersuchungen durch den TÜV Türk etappenweise eingeführt (vgl.[81][82]). Angebote im Bereich der Verkehrspsychologie sind in Vorbereitung.

Die Einnahmen durch Mautgebühren betrugen im Jahre 2005 231 Millionen YTL und sollten am Ende des Jahres nach staatlichen Schätzungen bei 357 Millionen YTL liegen. Mautpflichtig sind die zwei Brücken über den Bosporus in Istanbul und 6 Autobahnstrecken. Die Bosporus-Brücke und die Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke benutzten über 136 Millionen Fahrzeuge und die mautpflichtigen Straßen über 120 Millionen Fahrzeuge.

Der Nahverkehr wird in den Städten durch öffentliche Busse organisiert. Da aber der öffentliche Nahverkehr ungenügend ausgebaut ist, dominieren Sammeltaxis (Dolmu?). Der türkische Name Dolmu? („voll geworden“) rührt daher, dass diese Taxis nicht zu einer festen Abfahrtszeit losfahren, sondern erst, wenn der Kleinbus hinreichend voll ist. Diese Kleinbusse gehören Privatpersonen und fahren bestimmte Linien ab, ähnlich wie öffentliche Busse. Unterwegs darf jeder Passagier an einem beliebigen Ort ein- oder aussteigen (wie bei einem Taxi). Die Fahrtkosten sind abhängig von der gefahrenen Strecke und werden bar beim Fahrer oder seinem Gehilfen bezahlt. Daneben gibt es reguläre Taxis, die mit einem Taxameter arbeiten.

Schienenverkehr

Orient-ExpressIstanbul 1900

Der Schienenverkehr in der Türkei ist seit Jahrzehnten dem Ausbau des Straßennetzes nachgestellt worden. Die Trassierungen des Eisenbahnnetzes stammen teilweise noch aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurden jedoch in letzter Zeit massiv erneuert. Seine Länge beträgt heute rund 10.984 km, davon sind ca. 20 % elektrisch betrieben. Am Gesamtverkehr macht der Anteil der Eisenbahn rund 10 % aus (Stand 1999).

Außer auf der Strecke zwischen Istanbul und Ankara verkehren in der Regel nur ein oder zwei Personenzüge täglich. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit liegt oft unter derer des dichten Netzes des öffentlichen Busverkehrs.

Jedoch ist der Komfort in den Zügen weit höher. Es gibt nur noch eine Wagenklasse, Pullman genannt. Darüber hinaus werden in den Nachtverbindungen Schlafwagen (Zweibettabteile) oder Liegewagen (Vierbettabteile) angeboten.

Seit einigen Jahren hat die türkische Regierung die Bedeutung des Schienenverkehrs wieder erfasst und investiert sehr viel in diese Branche. So wurden unter anderem neue Triebwagen angeschafft und die Stationen und Gleise erneuert. Außerdem plant die Regierung Hochgeschwindigkeitszüge selbst herzustellen. Mit der Eröffnung einer Eisenbahnfabrik in Adapazar? und Eski?ehir sowie Schwellenfabriken in Sivas, Konya und Afyon wurden Schritte in diese Richtung unternommen.

Zwischen Istanbul und Ankara wird eine Hochgeschwindigkeits-Trasse errichtet, deren erster Abschnitt zwischen Esenkent und Eski?ehir am 13. März 2009 in Betrieb ging. Ebenfalls wurde Ende 2010 eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Ankara und Konya eröffnet. Züge fahren hier mit bis zu 250 km/h. Von Ankara nach Sivas ist ebenfalls eine Hochgeschwindigkeitsstrecke im Bau. Im Rahmen des europäischen Verkehrskonzeptes Wider Europe for Transport soll eine weitere Hochgeschwindigkeitsverbindung bis an die bulgarische Grenze errichtet werden.

Hochgeschwindigkeitszug HT65000 der türkischen Staatsbahnen TCDD

Die Städte Edirne, Kars, Izmir, Antalya, Trabzon, Diyarbakir und Kayseri sollen über Ankara miteinander verbunden werden. Dafür wird die Hochgeschwindigkeitsstrecke um 7.000 km ausgebaut. Die Hochgeschwindigkeitsstrecken werden für 250 km/h ausgelegt. Bis 2023 sollen alle Strecken in Betrieb gehen. Die Kosten für das Megaprojekt beträgt 28-30 Milliarden Dollar. Die chinesische Regierung stellt die nötigen Kredite für das Vorhaben bereit. In Istanbul wird an einer Unterquerung des Bosporus (Marmaray) gearbeitet. Das Projekt umfasst eine Gesamtlänge von 76,3 km. Nach der Fertigstellung werden 440 spezialangefertigte Züge alle 2-10 Minuten unterirdisch den europäischen Teil mit dem asiatischen Teil Istanbuls verbinden. Die Kapazität der Personenbeförderung in eine Richtung (oneway) beträgt 75.000 Passagiere pro Stunde. Ab 2012 sollen die ersten Züge rollen. In Istanbul (U-Bahn Istanbul), Ankara (U-Bahn Ankara), ?zmir (Metro ?zmir), Adana und Bursa (Stadtbahn Bursa) existieren auch U-Bahnen ( türk. Metro ). Sie sind sehr beliebt und erreichen 80 km/h. Die Türkische Staatsbahn (TCDD) betreibt entlang ihrer Linien in Ankara, Izmir und Istanbul eine S-Bahn. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist der schienengebundene Personennahverkehr in diesen Städten allerdings unterentwickelt: In Ankara bestehen – bei 4,5 Mio. Einwohnern – zwei (technisch miteinander nicht kompatible) U-Bahn- und eine S-Bahnlinie. In Istanbul bestehen – bei einer zwischen 13 Mio. und 17 Mio. geschätzten Einwohnerzahl – auf der europäischen Seite sechs unterschiedliche, miteinander nicht kompatible schienengebundene Nahverkehrs-Systeme, welche jeweils nur eine Strecke bedienen; auf asiatischer Seite zwei. Dies ist eine nur sehr begrenzte Alternative zum meistgenutzten Busnetz.

Straßenbahnlinien gibt es in Samsun, Gaziantep, Kayseri, Antalya (5,1 km), Eski?ehir (14,5 km), Istanbul (Tramvay 14,3 km u.a.) und Konya (18 km).

Luftverkehr

Turkish Airlines Boeing 737-8F2

Die staatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines (Türk Hava Yollar? THY) wurde 1933 gegründet und hatte bis in die 1990er ein Monopol in der türkischen Luftfahrt. Mittlerweile bieten zahlreiche private Fluggesellschaften (zum Beispiel Atlasjet, Fly Air, MNG Air, Onur Air, SunExpress) ihre Dienste an und kommen auf einen Marktanteil von 33 %.

Insgesamt verfügt die Türkei über 117 Flughäfen, wovon 15 internationale Flughäfen sind; der bedeutendste Flughafen ist mit 23 Millionen Passagieren (Stand 2007) der Atatürk-Flughafen im europäischen Teil Istanbuls. Auf der asiatischen Seite der Stadt befindet sich der kleinere, erst vor wenigen Jahren eröffnete moderne Flughafen Sabiha Gökçen, der jetzt stärker frequentiert wird. Im europäischen Teil Istanbuls ist der Bau eines dritten internationalen Flughafens geplant. Er soll im Stadtteil Silivri entstehen. Für den Tourismus ist der Flughafen Antalya mit fast 17 Millionen Passagieren (Stand 2007) bedeutend. Weitere Flughäfen sind diejenigen von Izmir (Adnan Menderes Havaliman?) und Ankara (Esenbo?a). Einige nationale Flughäfen wie z. B. Flughafen Denizli Çardak sollen international werden, um die Passagieraufkommen anderer Flughäfen zu entlasten.

Wasserverkehr

Die Bosporus-Fährenverbinden beide Teile ?stanbuls.

Mit einer Küstenlänge von 8.333 km und 156 Häfen ist das Potential des Schiffsverkehrs groß. Die Tonnage der gesamten türkischen Handelsflotte beträgt fast 10.444.163 DWT. Der Handelsflotte gehören 888 Frachter mit über 300 Bruttoregistertonnen an. In Izmir und Istanbul ist der Fährverkehr ein wichtiges Nahverkehrsinstrument. Die Fahrtdauer in Istanbul zwischen dem europäischen und dem asiatischen Teil beträgt je nach Route zwischen 20 und 40 Minuten. In Izmir beträgt die Fahrtdauer zwischen zwei Stadtteilen zwischen 15 und 30 Minuten.

Pipelines

Die erste Ölleitung zum Transport von Rohöl und Ölprodukten wurde 1966 zwischen Batman und Dörtyol (am Golf von ?skenderun) in Betrieb genommen. 1977 wurde die wichtige Ölleitung zwischen dem Irak und der Türkei mit einer Gesamtlänge von 981 km (davon liegen 641 km auf türkischem Boden) eingeweiht. Die Leitung wurde wegen des Golfkrieges und des anschließenden Embargos zwischen 1990 und 1997 außer Betrieb gesetzt.

Seit 2002 führt eine Erdgasleitung mit dem Namen Blue Stream durch das Schwarze Meer von Noworossijsk nach Samsun und weiter nach Ankara. Die Leitung hat eine jährliche Kapazität von 14 Milliarden Kubikmetern.

Die Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline liefert Erdöl aus Mittelasien und Kaukasien über die Türkei nach Westeuropa. Die Ölleitung verläuft über Aserbaidschan (Baku), Georgien (Tiflis) und die Türkei (Ceyhan), ist 1760 km lang und hat eine Kapazität von etwa 1 Million Barrel pro Jahr. Die BTC-Pipeline gilt weltweit als eines der teuersten und technisch aufwändigsten Pipeline-Projekte. Seit Mai 2005 fließt über diese Leitung Rohöl zum Mittelmeer.

Parallel zur Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline verläuft die Südkaukasus-Pipeline von Baku über Tiflis nach Erzurum. Sie ist 690 km lang und soll ab Ende 2005 Naturgas vom Kaspischen Meer in das türkische Gastransportsystem pumpen. Die Kapazität ist auf sieben Milliarden Kubikmeter Gas ausgelegt.

Zwischen Ceyhan (Türkei) und Haifa (Israel) ist der Med Stream, eine Pipeline für den Transport von Elektrizität, Erdgas, Rohöl und Wasser geplant.

Telekommunikation

Der einzige Festnetzanbieter der Türkei ist die Türk-Telekom. 2005 wurden 55 % der Türk-Telekom für 6,55 Mrd. $ an ein Firmenkonsortium (Oger Telecom Ortak Giri?im Grubu) verkauft. Während die Zahl der Festnetzanschlüsse stagniert, verzeichnet der Mobilfunkbereich hohe Wachstumsraten. Waren 2001 noch 19,5 Millionen Festnetzanschlüsse registriert, sank die Zahl der Anschlüsse 2005 geringfügig auf 19 Millionen. Die Zahl der Mobilfunknutzer stieg hingegen von 17,1 Millionen 2001 auf 43,6 Millionen im Jahr 2005.

Die internationale Anbindung der Kommunikation wird u. a. durch drei im Mittelmeer und Schwarzen Meer verlegte Faseroptik-Kabel gewährleistet. Hierdurch ist die Türkei mit Italien, Griechenland, Israel, Bulgarien, Rumänien, Russland und den USA verbunden. Darüber hinaus sind 12 Intelsat-Stationen und 328 mobile Satelliten-Terminale hierfür im Einsatz.

Der internationale Internetcode ist die Endung .tr. Die meisten türkischen Websites nutzen jedoch die TLD .com oder .com.tr, da die. tr-TLD nicht vergeben wird. Für die Vergabe von IPs und Namen ist die Technische Universität des Nahen Ostens (ODTÜ) zuständig.

Derzeit baut die Türk-Telekom ein flächendeckendes DSL-Netz. Laut der neuesten Erhebung des türkischen Statistikinstituts vom 16. November 2005 besitzen 12,75 % der Bevölkerung einen PC oder einen Laptop. Während im selben Jahr 8,66 % der Haushalte einen Internetanschluss besaßen, waren es im Jahr 2008 bereits 24,47 %. Die Internetnutzung in türkischen Unternehmen ist indes weitaus höher und lag in der Erhebung aus dem Jahr 2008 bei 89,2 %. Allgemein ist ADSL mit 82,1 % die am häufigsten benutzte Verbindungsart.

Tourismus und Sehenswürdigkeiten

Die Hagia Sophia mit nächtlicher Beleuchtung Dolmabahçe-Palast, nach 1856 die Residenz des Sultans.

Museen und historische Plätze

Der Topkap? Saray? in Istanbul war jahrhundertelang der Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches. Heute beherbergt er als Museum Sammlungen von Porzellan, Handschriften, Porträts, Gewändern, Juwelen und Waffen aus dem Osmanischen Reich. Ferner diverse islamische Reliquien, wie Waffen Mohammeds und der ersten Kalifen, eines der ältesten Koranexemplare oder auch angebliche Barthaare des Propheten Mohammed. Konservative Muslime fordern deswegen eine Schließung des Palastes für den Tourismus. Das Museum bildete 1964 die Kulisse zu dem gleichnamigen Film „Topkapi“ mit Peter Ustinov.

Gleich gegenüber befindet sich die Hagia Sophia, ehemals Hauptkirche des byzantinischen Reiches und religiöser Mittelpunkt der Orthodoxie. Nach der osmanischen Eroberung wurde die Hagia Sophia Hauptmoschee der Osmanen. Heute ist der sakrale Bau für die Öffentlichkeit als Museum zugänglich.

Auf dem dritten Rang der meistbesuchten Kulturstätten der Türkei liegt mit etwa 2 Millionen Besuchern im Jahr die antike Metropole Ephesos, die seit 1895 von österreichischen Archäologen erforscht wird und mit der wieder aufgerichteten Fassade der Celsus-Bibliothek und den Ruinen der Hanghäuser die Touristen beeindruckt.

Auch die bekannteste Stadt des Altertums, Troja, befindet sich in der Türkei. Sie liegt in der Landschaft Troas am Hellespont im Nordwesten des Landes.

Zu den europaweit bedeutendsten archäologischen Museen gehören das Archäologische Museum in Istanbul und das Museum für anatolische Zivilisationen in Ankara.

Der ?shak Pa?a Saray? ist ein zwischen 1685 und 1784 erbauter und heute in Ruinen liegender burgähnlicher Palast des kurdischen Emirs von Do?ubeyaz?t, Çolak Abdi Pa?a, und seines Sohnes ?shak Pa?a II. Er liegt im äußersten Osten der Türkei, etwa 6 km von der Stadt Do?ubeyaz?t entfernt an einem Berghang. Der Gebäudekomplex vereint armenische, georgische, persische, seldschukische und osmanische Architekturstile.

Badestrände und Landschaften

Landschaft in Kappadokien

Insgesamt sind 235 (Stand 2007) Strände in der Türkei mit der blauen Flagge ausgezeichnet, welches jedes Jahr an Strände und Marinas vergeben wird, an denen in der vorangegangenen Saison ein konstant hoher Standard hinsichtlich der Badewasserqualität eingehalten wurde.

Die Südküste zwischen Antalya im Westen und dem Kap Anamur im Osten der Türkei, auch als Türkische Riviera bekannt, ist eines der touristischen Zentren des Landes. Neben Antalya ist Alanya die wichtigste Stadt. Daneben ist für Badeurlauber auch die südliche Ägäisküste sehr beliebt.

Ein weiterer sehr beliebter Badeort ist Bodrum. Neben dem ausschweifenden Nachtleben ist Bodrum für seine mittelalterliche Kreuzritterburg (Bodrum Kalesi) bekannt.

Fethiye ist für seine Buchten, Inseln und Strände bekannt. In der Nähe befindet sich Myra, wo sich neben lykischen Felsengräber auch die Kirche des Nikolaus befindet.

Kappadokien ist eine Landschaft in Zentralanatolien. Einer der bekanntesten Orte ist Göreme mit seinen aus weichem Tuff herausgehauenen Höhlenkirchen. Die Gegend besteht aus Tuff, welcher wegen der geringen Niederschlagsmengen und dem Wind nur langsam verwittert. Härteres Gestein bleibt stehen, so dass die sogenannten Feenkamine entstehen.

Weltkulturerbe und Weltnaturerbe

Süleymaniye-Moschee Sultan-Ahmed-Moschee

Auf der Liste des UNESCO-Welterbes stehen folgende türkische Stätten:

  • Altstadt Istanbuls
  • Selimiye-Moschee in Edirne
  • Süleymaniye-Moschee
  • Sultan-Ahmed-Moschee
  • Topkap?-Palast
  • Hagia Sophia
  • Chora-Kirche
  • Theodosianische Landmauer
  • Archäologische Stätte von Troja
  • Nationalpark Göreme und die Felsendenkmäler von Kappadokien
  • Antike Stadt Hierapolis mit den Kalksinterterrassen von Pamukkale
  • Ruinen von Hattuša und Yaz?l?kaya
  • Monumentalgrabstätte auf dem Nemrut Da??
  • Altstadt Safranbolus
  • Ruinen von Xanthos mit dem Heiligtum Letoon
  • Große Moschee und Krankenhaus von Divri?i

Antike Weltwunder

Mit dem Tempel der Artemis (Artemision) in Ephesos und dem Mausoleum von Halikarnassos in Bodrum liegen zwei der sieben antiken Weltwunder in Anatolien.

Naturschutzgebiete

1,3 % der Fläche der Türkei stehen unter Naturschutz. Dazu gehören zehn Küstenschutzgebiete, 18 Naturschutzgebiete und 41 Nationalparks (siehe Nationalparks in der Türkei), wovon zwei von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurden.

Die geringe finanzielle Ausstattung des Umweltministeriums verhindert derzeit allerdings einen ausreichenden Schutz der Gebiete.

Kultur

Die Kultur der heutigen Türkei ist eine Verschmelzung verschiedener Kulturen. Dazu können u. a. die alttürkische Nomadenkultur Zentralasiens und Sibiriens, die Kultur im osmanischen Reich mit ihren byzantinischen, persischen, arabischen, kaukasischen und kurdischen Einflüssen sowie die starke europäische Richtung seit Gründung der Republik durch Atatürk gezählt werden. Kulturelles Zentrum des Landes bildet die Millionenmetropole Istanbul.

Bedeutende Künstler aus der Türkei sind u. a. der Filmregisseur Y?lmaz Güney (Goldene Palme in Cannes für Yol – Der Weg (1982)), die Dichter Orhan Veli und Nâz?m Hikmet, die Schriftsteller Ya?ar Kemal, Orhan Pamuk (erhielt am 23. Oktober 2005 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2006 den Literatur-Nobelpreis) oder Aziz Nesin.

Türkische Popsänger wie Sezen Aksu, Tarkan und Mustafa Sandal waren in letzter Zeit auch im Ausland recht erfolgreich. 2003 siegte die Türkei beim Eurovision Song Contest mit dem Titel Everyway That I Can von Sertab Erener.

Literatur

Die Wurzeln der türkischen Literatur reichen weit zurück in die Vergangenheit. Vor der Annahme des Islams war die schriftliche und mündliche türkische Literatur von der Nomadenkultur und dem Schamanismus geprägt. In der Frühzeit bestand die Literatur aus mündlich überlieferten Geschichten, Sagen, Klageliedern, Liebes- und Naturgedichten und Sprichwörtern. Die Orhon-Inschriften aus dem 6. und 7. Jahrhundert bilden die ersten schriftlichen literarischen Werke der Türken.

Die Türken traten in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zum Islam über. Mit dem Islam stieg auch der Einfluss der arabischen und persischen Sprache auf die türkische Literatur. Ab dem 11. Jahrhundert bildete sich bei den Türken, die sich in Anatolien niederließen, das Türkei-Türkische heraus. Der islamische Einfluss hielt vom 11. Jahrhundert bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts an. In dieser Zeit kann die Entwicklung der türkischen Literatur in zwei Hauptgruppen unterschieden werden: Zum einen in die Divan-Literatur und zum anderen in die Volksliteratur.

In der Tanzimat-Periode im 19. Jahrhundert wurde der westliche Einfluss stärker. Zunächst wurde westliche Literatur ins Türkische übersetzt und in den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts erschienen die ersten türkischen Romane. Eine besondere Rolle nahm in dieser Entwicklungsphase die Zeitung „Servet-i fünûn“ („Schatz des Wissens“) mit dem Dichter Tevfik Fikret und dem Romancier Halit Ziya U?akl?gil ein. Zugleich kommt auch eine nationalistische und patriotische Dichtung auf.

In der Zeit der Republikgründung kommt es zu großen Veränderungen in der türkischen Literatur. Prägend sind insbesondere zwei Ereignisse: 1. die Einführung der lateinischen Schrift 1928 und 2. die großen Sprachreformen ab 1932. Die neuen Schriftsteller wenden sich von der herkömmlichen festgefügten Stilistik und Sprache ab. Dieses wird besonders von den Garip-Dichtern um Orhan Veli propagiert.

Mit der Form verändern sich auch die Inhalte der türkischen Literatur zunehmend. Frühe Vertreter sind Fakir Baykurt, Sabahattin Ali, Sait Faik Abas?yan?k und Ya?ar Kemal, die den einfachen Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen. Mit der Hinwendung zur Schilderung der Lebensumstände bleibt soziale und politische Kritik am Staat nicht aus. Der Staat reagiert mit Zensur und politischer Gewalt. Autoren wie Nâz?m Hikmet, Ya?ar Kemal oder Aziz Nesin verbringen wegen der Verfolgung ihrer Publikationen viele Jahre in türkischen Gefängnissen. Kemal bezeichnete das Gefängnis deshalb als „Schule der türkischen Literatur“.

Mit den Arbeitsmigranten kommen in den 1960er Jahren türkische Literatur und türkischstämmige Schriftsteller auch nach Westeuropa. Bücher werden verstärkt übersetzt. Aras Ören, Yüksel Pazarkaya oder Emine Sevgi Özdamar befassen sich auf unterschiedliche Weise mit dem Leben in Deutschland. Teilweise wird diese Literatur auch wieder in die Türkei zurückgetragen.

Während die Zensur und die drei Militärputsche (1960, 1971 und 1980) die Entwicklung der türkischen Literatur hemmten, tragen Schriftsteller auf dem Umweg dieser Migrantenliteratur mit dazu bei, dass es heute eine sehr vielfältige und eigenständige türkische Literatur gibt.

Bekannte Vertreter der neueren türkischen Literatur sind Orhan Pamuk, der 2006 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde und Ahmet Hamdi Tanp?nar, dessen Roman Huzur (dt. Übersetzung: "Seelenfrieden", erschienen 2008) in einer Rezension von Stefan Weidner in der Wochenzeitung Die Zeit als „türkischer Zauberberg“ bezeichnet wurde.

Verlagswesen und Buchhandel

40 Prozent der Neuerscheinungen sind übersetzte Bücher; nach englischsprachigen Titeln besonders Belletristik, Sachbücher und Ratgeber aus Deutschland (wo etwa Übersetzungen nur knapp 8 Prozent der Neuerscheinungen bilden).

Die größten türkischen Verlage sind Nesil, Timas, Mustu, Yeni Asya und Sahdamar.

Medien

Hörfunk und Fernsehen sind in der Türkei als duales System organisiert. Die meisten Sender sind in der Hand einiger weniger Medienkonzerne. Daneben unterhält die staatliche Sendergruppe TRT mehrere Fernsehsender.

Die Regulierung der privaten Hörfunk- und Fernsehsender obliegt der Regulationsbehörde RTÜK, die sowohl Lizenzen erteilt und entzieht als auch zeitlich begrenzte Sendeverbote erteilen kann. Das Pressewesen ist staatlich nicht (mehr) reguliert, die meisten Printmedien unterliegen jedoch der freiwilligen Selbstkontrolle des türkischen Presserates, der auch Beschwerden zu elektronischen Medien bearbeitet.

Heikle Themen für Journalisten bilden Berichte über das türkische Militär, die Kurden, den politischen Islam und den Völkermord an den Armeniern. Für das Aufgreifen solcher Themen wurden bis in die späten 1990er-Jahre hinein zahlreiche Journalisten inhaftiert und angeklagt und Zeitungen reihenweise geschlossen. Üblich ist es auch, dass Fernsehsendern zeitlich beschränkte Sendeverbote erteilt werden. Im Rahmen der Beitrittsbemühungen in die Europäische Union wurden die Verfassung und das Pressegesetz reformiert, wodurch sich die Lage der Meinungsfreiheit in den letzten Jahren deutlich entspannt hat. Dennoch gibt es nach wie vor internationale Kritik an der Situation der Medienfreiheit. Die Organisation Reporter ohne Grenzen attestiert einen Unterschied zwischen den beschlossenen Gesetzen und dem Vorgehen von Teilen des Justiz- und Beamtenapparats in der Türkei. Die Medienfreiheit in der Türkei sieht sich immer wieder durch Drohungen des türkischen Ministerpräsidentens Erdo?ans in Gefahr. Der Vorsitzende der World Association of Newspapers Gavin O’Reilly und der WEF (Weltforum der Chefredakteure) Vorstand Xavier Vidal-Folch schrieben einen gemeinsamen Brief, in dem sie Erdo?an aufforderten, die Pressefreiheit zu schützen und von Einschüchterungsversuchen der Presse Abstand zu nehmen. Einem Zeitungsartikel der FAZ zufolge vom 17. September 2008 mahnte die EU, dass die Pressefreiheit durch Erdo?ans Drohungen in Gefahr sei.Mehrere Medienvertreter darunter der Vorsitzende der österreichischen Journalisten Gewerkschaft Wolfgang Katzian haben in einem gemeinsamen Brief 2010 an den türkischen Botschafter in Wien, auf die repressive Handhabung von Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei aufmerksam gemacht und an die 50 inhaftierten Journalisten in türkischen Gefängnissen erinnert.

Die öffentlich-rechtliche Radio- und Fernsehanstalt TRT betreibt sieben nationale Fernseh- und fünf Radiosender. Geleitet werden die Fernseh- und Rundfunkanstalten durch eine Direktion. Diese ist zwar formal unabhängig, ihre Mitglieder werden jedoch von der Regierung ernannt. Erst seit 1990 sind private Fernseh- und Rundfunkanstalten zugelassen. Seitdem hat die TRT relativ schnell ihre frühere Bedeutung verloren. Ihr Marktanteil bleibt inzwischen deutlich unter dem der wichtigsten privaten Konkurrenz.

16 nationale, 15 regionale und 229 lokale Fernsehstationen (Stand: Mai 2005) konkurrieren auf dem nationalen Fernsehmarkt. Die beliebtesten Fernsehsender ATV, Show TV, Star TV, Fox TV TÜRKIYE, STV, Kanal 7 und Kanal D sind Vollprogramme, mit Unterhaltungsshows, Filmen, Serien, Nachrichten und Informationssendungen. NTV, Habertürk, S HABER TV, Haber 7, TRT Haber, TV NET und CNN-Türk bringen Nachrichten nonstop. Die Hörfunklandschaft ist ähnlich vielfältig, es existieren über 1000 Sender.

Nach der schweren Wirtschaftskrise 2001 erfasste eine schnelle Konzentrationsbewegung die türkische Medienlandschaft. Viele Medienunternehmen wurden, um ihren Erhalt zu sichern, vom Staat aufgekauft und kurz später wieder privatisiert. Seitdem prägen einige wenige Medienkonzerne die türkische Medienlandschaft.

Die wichtigsten Medienkonzerne sind die Ayd?n-Do?an-Gruppe (Tageszeitung Hürriyet, Milliyet, Radikal, Kanal D, CNN-Türk), Worldmediagroup - Die meistverkaufte Tageszeitung Zaman, die meistverkaufte Zeitung in englischer Sprache Today's Zaman, die meistverkaufte Nachrichtenzeitschrift Aksiyon, S?z?nt?, Yeni Ümit, Yagmur, S HABER TV, Yumurcak TV, Samanyolu TV, Mehtap TV, Ebru TV amerika, Ebru TV europa, Hazar TV, die Nachrichtenagentur Cihan Haber Ajans? , Burc FM und Dünya Radyo. Des Weiteren gibt es die Calik-Gruppe (Sabah, ATV, u. a.), Ihlas-Gruppe (Türkiye, FOX TV TÜRKIYE, u. a.), Çukurova-Gruppe (Show TV, Ak?am); Do?u?-Gruppe (NTV). Einflussstärkste und zugleich auflagenstärkste Zeitungen sind Sabah, Hürriyet, Milliyet, Zaman, Türkiye und Posta die innerhalb weniger Jahre zur auflagenstärksten Tageszeitung avancierte. Es erscheinen zahlreiche Wochen- und Monatszeitschriften, die sich in der Regel auf ein bestimmtes Thema spezialisieren (Frauen-, Motor-, Sportmagazine etc.).

In der Türkei leben mehrere zehntausend deutschsprachige Europäer, die sich dort ständig oder überwiegend aufhalten. Für diese Zielgruppe gibt es einige deutschsprachige Zeitungen einschließlich einer Internetzeitung.

Weitere Herausforderungen für die türkische Medienlandschaft bilden der hohe Konzentrationsgrad, die harte Konkurrenz um den (relativ) kleinen türkischen Werbekuchen sowie das Nicht-Vorhandensein einer Berufsvertretung für Journalisten.

Der türkische Ministerpräsident Erdo?an hat sich mit einem 2011 vom Parlament verabschiedeten Mediengesetz die persönliche Befugnis geben lassen, Fernsehkanäle vorübergehend schließen zu lassen oder Programme zu verbieten, wenn die Inhalte die nationale Sicherheit bedrohen oder die öffentliche Ordnung stören würden. Die Opposition kritisierte das neue Gesetz als Zensurvorhaben.

Im Juni 2011 führten von der Regierung unter Ministerpräsident Erdo?an angekündigte Einschränkungen des Internetzuganges für die türkische Bevölkerung (themen- und stichwortbezogene Ausfilterung von Internetseiten) zu heftigen Protesten in- und außerhalb der Türkei. Im Index für Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen sank das Land auf Platz 138. Der britische EU-Abgeordnete Richard Howitt, ein Unterstützer der türkischen EU-Kandidatur, stellte fest, dass der Kampf der Regierung Erdo?an gegen das Internet die Türkei diskreditiere und das Land auf eine Stufe mit Ländern wie China und Iran stelle. Es sei Zeit für Europa, klare Worte zu finden.

Film

Türkische Kinospielfilmproduktion[89]
JahrAnzahl
1975 124
1985 185
1995 k.A.
2005 30

Das Massenkino wird durch triviale und leichte Komödien und Action-Filme beherrscht. Sämtliche Komödien von Kemal Sunal sind in der Türkei sehr berühmt. Kemal Sunals Paraderolle ist der sympathische Verlierer aus der Unterschicht, der trotz aller Widrigkeiten sein Herz am rechten Fleck hat. Cüneyt Arkin ist ein weiterer Vertreter, der das Historien- und Action-Genre geprägt hat. Als Kara Murat kämpft er in tendenziösen Historienfilmen gegen Christen. Als Action-Held tritt er vor allem als Polizist gegen Gangster an.

Daneben brachte das türkische Kino auch Filme mit ernsthafteren Themen hervor. In Vizontele aus dem Jahr 2001 werden die Auswirkungen des ersten Fernsehers in einem abgelegenen Dorf geschildert. Der kurdische Film behandelt die politische und soziale Situation der Kurden in der Türkei, exemplarisch kann der Film Güne?e Yolculuk (1999) genannt werden.

Einer der bedeutendsten türkischen Regisseure, Drehbuchautoren und Darsteller ist Y?lmaz Güney (1937–1984). Als Schauspieler hat der kurdischstämmige Güney es zum Volkshelden in der Türkei geschafft. Y?lmaz Güney erhielt als erster türkischer Regisseur mit seinem Film Yol – Der Weg 1982 die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes. Den Film stellte Güney im Exil fertig und er war somit nicht der türkischen Zensur unterworfen.

Der Film Uzak – Weit von Nuri Bilge Ceylan (Produzent, Regisseur, Kameramann und Autor) erhielt 2003 den großen Jury-Preis in Cannes. Die beiden Hauptdarsteller, Muzaffer Özdemir und Mehmet Emin Toprak, wurden zudem als beste Schauspieler ausgezeichnet. Uzak handelt von der Situation des modernen türkischen Mannes, der in der Großstadt lebt und sich in das Private zurückzieht.

Der Film Kurtlar Vadisi – Irak (deutsch Tal der Wölfe – Irak), vom Regisseur Serdar Akar, gilt mit 10 Millionen Dollar (8,4 Millionen Euro) als die teuerste türkische Kinoproduktion aller Zeiten. Er basiert auf der sehr populären Serie Kurtlar Vadisi. Der Gute im Film ist der türkische Geheimagent Polat Alemdar und die Bösen die US-Amerikaner im Irak. Die USA kritisieren den Film wegen des Antiamerikanismus.

Musik

Entgegen geläufiger Meinung war die osmanische Musik im Gegensatz zur Literatur kaum von arabischen Elementen geprägt. Nach der Republikgründung betrieb die Regierung eine stärkere Förderung türkischer Musik. Unter den Oberbegriffen klassische Musik und Halk Müzi?i wurde ab 1924 Volksmusik aus Anatolien gesammelt und archiviert. 1953 umfasste das Archiv 10.000 Volkslieder. Seit den 1990ern dominieren moderne Musikrichtungen wie Pop und Rock neben den klassischen Richtungen wie Türk Halk Müzi?i und Türk Sanat Müzi?i.

Der größte Teil türkischer Volksmusik basiert auf der Saz, einer Art langhalsiger Laute. Zurna und Davul sind in ländlichen Gebieten beliebt und werden sehr oft auf Hochzeiten und anderen Feiern gespielt. Des Weiteren sind die Hirtenflöte Kaval und die Ney verbreitet. Auch Elektrosaz und Darbuka, die häufig von elektrischen Keyboards begleitet werden, sind populär.

Zahlreiche europäische klassische Komponisten im 18. Jahrhundert waren von der türkischen Musik, insbesondere den starken Rollen der Blechbläser und Schlaginstrumente in den Janitscharenkapellen fasziniert. Joseph Haydn schrieb seine Militärsinfonie und einige seiner Opern, um türkische Instrumente einfließen lassen zu können. Türkische Instrumente wurden auch in Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie einbezogen. Mozart schrieb sein Rondo alla turca in seiner Klaviersonate Nr. 11 A-Dur KV 331 und benutzte auch türkische Motive in einigen seiner Opern. Obwohl dieser türkische Einfluss nur eine Modeerscheinung war, führte er Becken, Basstrommel und Glocke in das Symphonieorchester ein.

Die Türkei brachte auch bedeutende und bekannte Interpreten der europäischen Klassischen Musik hervor: die Opernsängerin Leyla Gencer, Komponist Cemâl Re?it Rey, Pianist und Komponist Faz?l Say sowie die Pianistinnen Güher und Süher Pekinel.

Theater, Oper, Ballett

Haupteingang der Opera Sahnesiin Ankara

Die Opera Sahnesi (Deutsch: Opernbühne) ist das größte der insgesamt drei Opernhäuser in Ankara. Es gehört zu den Türkischen Staatstheatern (Devlet Tiyatrolar?). Das Gebäude dient ebenfalls als Theaterbühne unter dem Namen Großes Theater (Büyük Tiyatro).

Küche

Die gegenwärtige türkische Küche ist das Resultat einer Vermischung der ursprünglichen einfachen nomadischen Kochtradition der türkischen Stämme mit der indischen, persischen, kurdischen und arabischen Küche. Sie bezieht seit ihrer Völkerwanderschaft darüber hinaus Einflüsse aus dem Mittelmeerraum ein. Diese Vielfalt der Einflüsse entwickelte sich durch die Jahrhunderte besonders unter der Prägung der osmanischen Kultur und Lebensweise zur heutigen charakteristischen türkischen Küche.

Die türkische Küche hat auch die griechische und die Balkanküche geprägt. So stammt zum Beispiel der Zaziki aus dem türkischen Cac?k und Cevapcici kommt von Kebap ?i?i (Kebap-Spieß; Spießbraten). Auch der Joghurt kommt vom türkischen Yo?urt. Döner Kebap wird aus Rind-, Kalb- oder Geflügelfleisch hergestellt. In der Türkei, aber auch in anderen (europäischen) Ländern, wird der Döner auch auf dem Teller serviert.

Sport

Türkische Fußballnationalmannschaft 6. September 2011Basketball-Weltmeisterschaft in der Türkei 2010

Die beliebteste Sportart in der Türkei ist Fußball. Die höchste Spielklasse im türkischen Fußball ist die Turkcell Süper Lig. Die wichtigsten Fußballvereine kommen aus der Metropole Istanbul: (Galatasaray Istanbul, Be?ikta? Istanbul und Fenerbahçe Istanbul). Trabzonspor und Bursaspor sind die einzigen nicht-Istanbuler Klubs, die türkischer Fußballmeister werden konnten. In den letzten Jahren feiert auch die türkische Fußballnationalmannschaft wieder kleinere Erfolge. 2002 kehrte das Land nach 47 Jahren zur Fußball-Weltmeisterschaft zurück. In der Geschichte der Weltmeisterschaften war die Türkei erst das zweite Mal dabei. Trotzdem schaffte die türkische Mannschaft nach einem Sieg gegen Südkorea im kleinen Finale den dritten Platz. Für die folgenden Weltmeisterschaften in den Jahren 2006 und 2010 konnte sich die türkische Mannschaft nicht qualifizieren.
Bei der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz erreichte sie dagegen das Halbfinale in welchem sie mit 2:3 an Deutschland scheiterte. Dieses Turnier ist neben der WM 2002 das erfolgreichste in der Geschichte des türkischen Fußballs.

Neben dem Fußball in der Türkei wird auch Basketball auf einem hohen Niveau gespielt. Die höchste Spielklasse im türkischen Basketball ist die Türkiye Basketbol Ligi, in der unter anderem die Vereine Efes Pilsen Istanbul, Fenerbahçe Ülker, Galatasaray Istanbul und Be?ikta? Cola Turka spielen. Ein bekannter Spieler, der für türkische Vereine wie Fenerbahçe Ülker, Galatasaray Istanbul und deutsche Vereine wie Alba Berlin spielte, ist der deutsch-türkische Spieler Teoman Öztürk. Für nordamerikanische Vereine in der Basketball Profiliga NBA spielen die türkischen Spieler Mehmet Okur und Hidayet Türko?lu. Die Türkei war Gastgeber bei der Basketball-Weltmeisterschaft 2010. Sie unterlag im Finale gegen die USA mit 64-81 und belegte damit den zweiten Platz.

Eine andere hoch angesehene traditionelle Sportart in der Türkei ist das sogenannte Ya?l? Güre? (Öl-Ringkampf). Das Ölringen wird in der Türkei seit etwa mehr als 650 Jahren ausgeübt. Zweimal im Jahr werden Wettkämpfe veranstaltet, unter anderem das K?rkp?nar und das Kurtdere. Bei diesen Wettkämpfen messen sich die besten Öl-Ringer (Pehlivan) aus allen Regionen der Türkei. Der bekannteste, ungeschlagene Ba?pehlivan war Kurtdereli Mehmet.

Die Türkei hat sich seit dem Jahre 2000 für alle Olympischen Sommerspiele beworben. So auch für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2012 unter dem Konzept „Die Spiele in Europa und Asien“. Doch die türkische Metropole verpasste jeweils die Endausscheidung. Für die Olympia-Bewerbung wurde eigens das Atatürk Olympiastadion für über 100 Millionen Euro gebaut. Das türkische Bewerbungskomitee kündigte an, dass sich die Türkei auch um die Spiele 2016 und 2020 bewerben werde. Das Zentrum der Spiele sowie ein Großteil der Sportstätten befinden sich im europäischen Teil der Stadt Istanbul.

In der Stadt Mersin werden die Mittelmeerspiele 2013 austragen.

Feiertage

DatumFestgelegter FeiertagBeweglicher Feiertag*Deutsche ÜbersetzungAnlass und Bedeutung
1. Januar Y?lba??   Neujahr Feier zum Anlass des ersten Tages des Jahres
23. April Ulusal Egemenlik ve Çocuk Bayram?   Feiertag der Nationalen Souveränität und des Kindes Erinnert an die Eröffnung der Nationalversammlung, Souveränität der Fundamente der Republik.
1. Mai Emek ve Dayan??ma Günü   Tag der Arbeit und Solidarität (Erster Mai)  
19. Mai Atatürk’ü Anma, Gençlik ve Spor Bayram?   Feiertag der Jugend, des Sports und des Gedenkens an Atatürk Erinnerung an Atatürks Ankunft in Samsun. Beginn des Befreiungskrieges.
30. August Zafer Bayram?   Feiertag des Sieges Erinnert an den entscheidenden Sieg des Ba?komutanl?k Meydan Sava?? über die Griechen im türkischen Befreiungskrieg
29. Oktober Cumhuriyet Bayram?   Feiertag der Republik Nationalfeiertag, erinnert an die Ausrufung der Republik durch Atatürk im Jahre 1923
Religiöse Feiertage

Die religiösen Feiertage richten sich nach dem islamischen Mondkalender, daher finden sie jedes Jahr ca. 11 Tage früher statt und haben nach dem Gregorianischen Kalender kein festes Datum. Dadurch kommt es bisweilen dazu, dass eines der Feste in einem Kalenderjahr zweimal stattfindet, einmal Anfang Januar und noch einmal Ende Dezember.

Der wöchentliche Ruhetag ist der Sonntag und nicht - wie in vielen anderen islamisch geprägten Staaten - der Freitag.

Literatur

  • Christian Rumpf, Udo Steinbach: Das politische System der Türkei. In: Wolfgang Ismayr (Hrsg.): Die politischen Systeme Osteuropas. 2. Auflage. UTB, Opladen 2004, ISBN 3-8252-8186-8, S. 847–886.
  • Christian Rumpf: Recht und Wirtschaft der Türkei. 2. Auflage. Global Local, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-9811781-2-8.
  • Türkische Nachrichtenagentur: Türkei Almanach 2006. Ankara 2006, ISBN 975-19-3898-8
  • Udo Steinbach: Die Türkei im 20. Jahrhundert. Schwieriger Partner Europas. Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach 1996, ISBN 3-7857-0828-9.
  • Ci?dem Akkaya, Yasemin Özbek, Faruk ?en: Länderbericht Türkei. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1998.
  • Udo Steinbach: Geschichte der Türkei.C. H. Beck, München 2007, 4. durchgesehene und aktualisierte Auflage, ISBN 3-406-44743-0
    • ders. (als Hg.): Länderbericht Türkei. Bundeszentrale für politische Bildung BpB, Bonn 2012 ISBN 9783838902821
  • Gazi Ça?lar: Die Türkei zwischen Orient und Okzident. Eine politische Analyse ihrer Geschichte und Gegenwart. Unrast, Münster 2004, ISBN 3-89771-016-1.
  • Stefan Stautner: Türkei. Europa oder Orient?: Repräsentation der Türkei zwischen Europa und Orient. Rhombos, Berlin 2004, ISBN 3-937231-33-1.
  • Feroz Ahmad: Geschichte der Türkei. Magnus, Essen 2005, ISBN 3-88400-433-6.
  • Merian: Türkei. Hoffmann und Campe, Hamburg 1985 ISBN 3-455-28505-8.
  • Bibliography Turkey. Muir S. Fairchild Research Information Center, Air University, zusammengestellt im September 2007 von Stephen B.T. Chun (engl.)
  • Cem Özdemir: Die Türkei. Politik, Religion, Kultur. Fotos u.a. von Sedat Mehder. Beltz & Gelberg, Weinheim 2008 ISBN 978-3-407-75343-4

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Türkei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Türkei – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Türkei – Zitate
 Wikiquote: Türkische Sprichwörter – Zitate
Wikinews Wikinews: Portal:Türkei – in den Nachrichten
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Türkei – geographische und historische Karten
 Wikisource: Türkei – Quellen und Volltexte
  • Kultur- und Tourismusministerium der Republik Türkei (deutsch/englisch/türkisch)
  • Country Profile of Turkey (PDF, 28 S., August 2008), Library of Congress – Federal Research Division (162 kB)
  • Türkei-Almanach 2010
  • Internetportal zu Recht und Wirtschaft der Türkei

Einzelnachweise

  1. Verfassung der Republik Türkei; § 3: Große Nationalversammlung der Türkei, 21. September 2012
  2. Auswärtiges Amt (DE): Länderinformationen Türkei
  3. Adrese Dayal? Nüfus Kay?t Sistemi Veri Taban?. Statistikinstitut der Türkei. Abgerufen am 27. Januar 2012.
  4. World Economic Outlook Database, April 2012 des Internationalen Währungsfonds
  5. Human Development Index (HDI) - 2011 Rankings: The Human Development Index, abgerufen am 31. Juli 2012.
  6. Staatliches Meteorologisches Amt der Türkischen Republik: Natural geography of Turkey. ECO Geoscience Database, abgerufen am 14. Juli 2012.
  7. Der letzte dokumentierte Anatolische Leopard. auf: Wild-katze.org
  8. Baskaya, S., Bilgili, E. (2004) Does the leopard Panthera pardus still exist in the Eastern Karadeniz Mountains of Turkey ? Oryx 38 (2): 228–232
  9. Ullrich, B., Riffel, M. (1993) New evidence for the occurrence of the Anatolian Leopard, Panthera pardus tulliana (Valenciennes, 1856), in Western Turkey. Mammalia 57: 5
  10. Üstay, A.H. (1990) Hunting in Turkey. BBA, Istanbul.
  11. Can, O.E. (2004) Status, Conservation and Management of Large Carnivores in Turkey. Council of Europe, Strasbourg, France.
  12. Asiatischer Löwe. © 1998 Markus Kappeler / Groth AG (erschienen in der WWF Conservation Stamp Collection, Groth AG, Unterägeri
  13. 55 milyon ki?i 'etnik olarak' Türk ("55 millionen Personen sind 'ethnische' Türken")
  14. https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/tu.html#People CIA World Factbook - Turkey
  15. Turkiska Riskföbundet Federasyonu
  16. http://www.news.at/articles/0742/15/212145_s1/haelfte-30-mio-kurden-tuerkei-haeufig-staat
  17. Shaw "The Ottoman Empire Census System and Population", 1831-1914
  18. Hurriyet
  19. Der Artikel Sprachen der Türkei gibt eine Gesamtübersicht über die Vielfalt der aktuellen und historischen Sprachen im Gebiet der heutigen Türkei und ihre genetische Zuordnung zu den einzelnen Sprachfamilien. Quelle der genannten Sprecherzahlen sind Ethnologue 2005 und mehrere statistische Übersichtswerke. Die genetische Einordnung der Sprachen stammt aus dem unten angegebenen Weblink „Die Sprachen der Türkei“.
  20. Türkische Verfassung von 1924: Verfassungstext (deutsch)
  21. Daily News: Conservatism in Turkey becomes more mainstream
  22. Verfassungstext (deutsch)
  23. Hürriyet
  24. Auswandern in die Türkei
  25. National Education Statistics, Schooling ratio by educational year and level of education. Ministry of National Education (2012). Abgerufen am 2. Juni 2012.
  26. Turkish Statistical Institute (June 2011): Turkey in Statistics 2011 (Page 14). Turkish Statistical Institute. Abgerufen am 6. Mai 2012.
  27. Quelle: OECD-Berichte "PISA 2006" Science Competencies for Tomorrow's World.".
  28. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/verbotsstopp-in-der-tuerkei-suemeyra-legt-das-kopftuch-an-a-723590.html
  29. Aksam: Arapça seçmeli ders oldu, abgerufen am 4. April 2012
  30. Hürriyet: Seçmeli ders bask?s?na ceza (de: Strafe für Wahlfachdruck), abgerufen am 15. September 2012
  31. Türkische Tageszeitung Hürriyet: Okula ba?lama ya?? resmen belli oldu, abgerufen am 09. May 2012
  32. Audiatur Online (Webseite der Audiatur Stiftung): Bildungsreform in der Türkei, abgerufen am 12. April 2012
  33. Türkische Tageszeitung Milliyet: ?stanbul’a yeni 76 imam hatip(de:In Istanbul 76 neue ?mam-Hatip-Schulen), abgerufen am 21. Juli 2012, (türkisch)
  34. Liste der Universitäten in der Türkei, [www.yok.gov.tr/ Abteilung für Hochschulen des Bildungsministeriums], abgerufen am 7. Juni 2012
  35. National Education Statistics, S. 1, S. 11. Ministry of National Education, ISBN 978-975-11-3609-1 (2012). Abgerufen am 2. Juni 2012.
  36. National Education Statistics, S. 11. Ministry of National Education, ISBN 978-975-11-3609-1 (2012). Abgerufen am 2. Juni 2012.
  37. Anzahl der Studenten für staatliche Universitäten, Abteilung für Hochschulen des Bildungsministeriums MEB, abgerufen am 14. Mai 2008
  38. Anzahl der Studenten an staatliche Universitäten, Anzahl der Studenten an privaten Universitäten, abgerufen am 14. Mai 2008
  39. National Education Statistics, Proportions of Budgets of MoNE and HEC +Universities in GDP and Consolidated/ Central Government Budget. Ministry of National Education (2012). Abgerufen am 2. Juni 2012.
  40. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/verbotsstopp-in-der-tuerkei-suemeyra-legt-das-kopftuch-an-a-723590.html
  41. Sevket Aziz Kansu: Stone Age Cultures in Turkey. In: American Journal of Archaeology. 31, Nr. 2, S. 227-232, S. 227 (http://www.jstor.org/stable/pdfplus/501300.pdf).
  42. Die Bundesversammlung – Das Schweizer Parlament: Postulat: Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern im Jahr 1915, Begründung Punkt 3
  43. Fortschrittsbericht 2011
  44. Die Presse: Erfolg für Erdogan: Türkei stimmt für neue Verfassung, 12. September 2010, abgerufen am 19. Juli 2011
  45. Die Welt: EU fällt hartes Urteil über die Türkei, 9. Oktober 2012
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39.16666666666735.666666666667Koordinaten: 39° N, 36° O

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